+
Revierförster Lutz Herbel (l). erklärt die Folgen für den Wald.

Bürgerwälder gegen Lücken im Forst

  • schließen

Hüttenberg (lbh). Dass das vergangene Jahr sehr trocken war, dürfte den meisten Leuten bewusst sein. Welche Auswirkungen solche extreme Trockenheit auf die Wälder hat, ist vielen dagegen noch nicht bewusst. Um für dieses Thema und die damit einhergehenden Probleme zu sensibilisieren, fand nun in Hüttenberg eine Waldbegehung mit Revierförster Lutz Herbel und Bürgermeister Christof Heller statt. Der Termin an einem Samstagmorgen wurde in der Hoffnung gewählt, dass möglichst viele Interessierte daran teilnehmen würden.

Wurzeln kommen nicht durch Ton

Die Wälder in Hessen befinden sich momentan - und trotz des Regens der letzten Tage - im Ausnahmezustand. Trockenheit, Stürme und der Befall durch Borkenkäfer machen den Bäumen enorm zu schaffen. Besonders betroffen sind die Fichten. Durch unregelmäßige Regenfälle und die vergleichsweise flache Verwurzelung der Fichten trocknen diese schnell aus und sterben ab.

Als Besonderheit im Hüttenberger Wald kommt noch hinzu, dass sich wenige Meter unter dem Waldboden eine Tonschicht befindet, durch welche weder die Wurzeln der Bäume, noch Niederschlagswasser hindurch kann. So bleibt das Wasser in den oberen Bodenschichten stehen und verwässert die Wurzeln der Fichten, die dadurch auf Dauer zerstört werden.

Startpunkt der Begehung war "an den Birken", dem Ausgangspunkt des Hüttenberger Waldtages. Hier wurde die Gruppe von Bürgermeister Heller und Lutz Herbel begrüßt und die Problemlage geschildert. Dabei ging es nicht nur um die bloße Darstellung der Probleme, sondern auch um das Aufzeigen möglicher und laufender Aufforstungsprogramme. Das hessische Forstamt hat einen Waldschutzstab gegründet, für den die Waldgebiete in Hessen in Sicherungsbereiche eingeteilt wurden, um eine planmäßige Aufforstung gewährleisten zu können.

"Das Waldbild wird sich in den nächsten Jahren verändern", sagte Herbel. Wenn eine Fichte einmal von Borkenkäfern befallen ist, kann man diese nur noch fällen und das Holz aus dem Wald entfernen, bevor noch mehr Bäume befallen werden. Das trägt zusätzlich dazu bei, dass die Fichtenbestände abnehmen. Auch eine mögliche Sperrung bestimmter Waldgebiete, um freies Wachsen von Pflanzen und Bäumen zu gewährleisten, schließt Herbel nicht aus.

Das Forstamt und auch die Gemeinde Hüttenberg arbeiten an Plänen zur Aufforstung, die beispielsweise auch das Konzept eines "Bürgerwaldes" beinhalten könnten. In diesem Falle würden die Anwohner um Spenden gebeten werden, um Gebiete im Wald wieder Aufforsten zu können. Das sei natürlich ein sehr emotionsbedingter Weg, sagte Herbel.

Allerdings habe sich in den vergangenen Jahren auch gezeigt, dass ein zu schnelles oder überstürztes Handeln auch nicht immer gut ist. Ein Wald braucht nun mal Zeit, um sich regenerieren zu können und diese Zeit muss man ihm auch lassen. Da die Fichten in solch großem Umfang Absterben, wird man wohl auch bei Aufforstungsprogrammen zukünftig vor allem auf reine Nadelholzgebiete verzichten und eher Mischwälder anlegen, beispielsweise aus Douglasien und Laubhölzern. Auch zu Bedenken ist dabei, dass Fichtenholz das beliebteste Bauholz überhaupt ist. Somit hängen letztlich auch viele Arbeitsplätze an Nadelhölzern und der Holzverbrauch steigt weltweit stetig an.

Auch andere Baumarten wie zum Beispiel die Buche sind durch verschiedene Krankheiten, Pilzbefall oder Käfer gefährdet. Im Beispiel der Buchen ist für den kommenden Winter bereits eine Bestandsaufnahme geplant, bei der entschieden werden soll, welche Bäume man noch retten kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare