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An den Kosten des Straßenbaus müssen sich Hausbesitzer in der Großgemeinde Hungen nicht mehr beteiligen. Dafür steigen im kommenden Jahr die Steuern. ARCHIVFOTO: PM

Der Bürgermeister macht Ernst

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Mehrfach hat Bürgermeister Wengorsch in den letzten Jahren Steuererhöhungen in Aussicht gestellt. Diesmal macht er Ernst. Der Haushaltsplanentwurf 2020 für Hungen sieht Steigerungen bei Grund- und Gewerbesteuer vor.

Straßenbeiträge müssen Hausbesitzer in Hungen nicht mehr zahlen. Dafür drohen ihnen und auch Mietern höhere Grundsteuern. Der Haushaltsplanentwurf für 2020, den Bürgermeister Rainer Wengorsch den Stadtverordneten am Donnerstag in ihrer Sitzung im Dorfgemeinschaftshaus Langd vorstellte, sieht eine Anhebung der Hebesätze um 90 Prozentpunkte auf 490 v.H. vor. Die Entscheidung obliegt letztlich dem Stadtparlament, das im Februar über den Haushalt beraten und abstimmen wird.

Die Hoffnungen, dass die im Programm "Starke Heimat Hessen" avisierten zusätzlichen Einnahmen den Verzicht auf die Straßenbeiträge kompensieren könnten, haben sich laut Wengorsch nicht erfüllt, zumindest nicht fürs kommende Jahr. Zudem muss die Stadt Mindereinnahmen bei den Schlüsselzuweisungen und Mehrausgaben bei der Schulumlage ausgleichen. Trotz Schutzschirm und Hessenkasse seien die Realsteuersätze seit sieben Jahren stabil gewesen, aber diesmal komme man um eine Anhebung nicht herum, bedauerte der Bürgermeister.

Neben der Grundsteuer B sollen auch die Grundsteuer A (von 375 auf 400 v. H.) und die Gewerbesteuer (von 400 auf 460 v. H.) steigen. Alles in allem erwartet die Stadt durch die höheren Hebesätze Mehreinnahmen von rund 827 000 Euro. Sie schafft damit den Haushaltsausgleich und braucht kein Konsolidierungskonzept. Bei Erträgen von 26,9 Millionen Euro weist der Ergebnishaushalt einen Überschuss von gut 292 000 Euro auf. Aber neue Herausforderungen warten: Bis 2021 muss eine Liquiditätsreserve von 448 000 Euro aufgebaut werden; so will es die Landesregierung.

Wie vielen seiner Kollegen bereitet die Kinderbetreuung auch Wengorsch Kopfzerbrechen. Hier summiert sich das Defizit aktuell auf 2,8 Millionen Euro. Ebenfalls ein Zuschussgeschäft sind öffentliche Einrichtungen wie die Stadthalle, Kulturzentrum oder die Bürgerhäuser. Hier beläuft sich der Zuschuss auf 1,65 Millionen Euro. Gut investiertes Geld, wie der Bürgermeister findet. "Hier sind Vereine, Gruppen und Initiativen aktiv, die das gesellschaftliche Leben gestalten und aufrechterhalten." Gleichwohl müsse man sich anstrengen, um das Ergebnis zu verbessern.

Ein Schwerpunkt der Investitionen im kommenden Jahr liegt auf solchen Gebäuden. Gleich mehrere sollen energetisch saniert und modernisiert werden, darunter die Stadthalle, die Volkshalle in Utphe, zudem der Feuerwehrstützpunkt und gleich nebenan der evangelische Kindergarten in Hungen. Erhebliche Mittel wird die Stadt zudem in den Straßenbau und die Ausstattung der Feuerwehr stecken. Nach der Planungsphase soll 2020 auch das Stadtumbauprogramm richtig anlaufen 935 000 Euro stehen zur Verfügung, zwei Drittel davon sind Fördergelder.

Verschuldung steigt

Ohne Kreditaufnahme kann die Stadt ihre Investitionen nicht finanzieren. 1,2 Millionen Euro sollen 2020 neu aufgenommen werden, getilgt werden 1,15 Millionen Euro. Der Gesamtschuldenstand wird sich auf 27,7 Millionen Euro erhöhen. Daraus errechnet sich eine Pro-Kopf-Verschuldung von 2159 Euro.

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