»Bürger relativ verständnisvoll«

  • Thomas Brückner
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Gießen/Laubach (tb). Mitte der Vorwoche sah der Kreis Gießen »schwarz«: Aufgrund einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 200 schaltete gemäß Eskalationskonzept des Landes die Ampel auf die letzte, schwarze Stufe. Das Landratsamt zog die Zügel an, erließ eine Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr. Überdies wurden für Laubach - hier lag die Inzidenz vor einer Woche fast bei 800 - verstärkte Kontrollen avisiert.

Mit Blick auf die Feiertage fällt die Bilanz für den Hotspot im Ostkreis positiv aus - wohl auch begünstigt durch die winterlichen Temperaturen. »Keine besonderen Vorkommnisse«, vermeldete gestern Stephan Högel, Fachbereichsleiter im Ordnungsamtsbezirk Lich/Laubach. Das dreiköpfige Team der Stadtpolizei - länger schon unterstützt von zwei Mitarbeitern des Gesundheitsamtes - schaute danach von Donnerstag an vermehrt nach dem Rechten. Der Fokus war dabei auf die bekannten Treffpunkte im öffentlichen Raum gerichtet (der private ist für die »Hipos« tabu). In Laubach sind da vor allem der Schlosspark, Grill- und Schutzhütten sowie am Abend verwaiste Parkplätze zu nennen.

Ein paar Anzeigen in Lich und Laubach

Högel zufolge verbuchte die Stadtpolizei nur »ein paar Anzeigen«. Meist wegen nicht korrekt getragener Masken oder Verstößen gegen die Vorgabe, Kontakte auf maximal fünf Personen aus zwei Haushalten zu beschränken. »Relativ verständnisvoll«, so der Amtsleiter, hätten sich die Betroffenen von Ansprachen und mehr gezeigt.

»Es geht vor allem darum, Präsenz zu zeigen«, stellte Högel heraus. Was ebenso für den Hinweis gelte, dass die Kontrollen »im Rahmen der personellen Möglichkeiten« stattfänden. Vor allem in den Nachtstunden von Sonntag an konnte man auf die Amtshilfe der Polizei Grünberg zählen.

Für das Polizeipräsidium Mittelhessen insgesamt bilanzierte Pressesprecher Jörg Reinemer relativ ruhige Feiertage, trotz der verschärften Corona-Auflagen. Am Osterwochenende hatten Beamte der Polizeistationen Grünberg, Gießen-Süd und -Nord aus eigener Veranlassung Kontrollen vorgenommen. Schwerpunkte waren Gießen, Pohlheim, Lich und Laubach. Im Bereich der Ostkreisgemeinden stellte die Polizei zumindest keine Verstöße fest.

Anders in Pohlheim: Dort trafen die Beamten am Samstag, 22 Uhr, vier Personen an einer Schule an und ahndeten den Verstoß gegen die Ausgangssperre. Bereits am Karfreitag zwischen 22.45 und 2.15 Uhr hatte die Wachpolizei im Theaterpark Gießen acht Verstöße festgestellt. Ostermontag schließlich führte die Station Gießen-Süd von 21 bis 24 Uhr eine Standkontrolle in der Frankfurter Straße in Gießen durch. Dabei wurden 25 Anzeigen wegen Verstößen gegen die Ausgangssperre verbucht. Der Großteil der Kontrollierten aber habe eine Bescheinigung des Arbeitgebers vorweisen können, unterstrich Reinemer, der abschließend auf die enge Kooperation mit den Ordnungsämtern der Kommunen verwies, die originär zuständig seien.

Zurück zu erwähntem Eskalationskonzept: Die Stufe »schwarz« wird bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 200 erreicht. Dauert diese für drei aufeinander folgende Tage an, »sind seitens der Landkreise weitergehende Beschränkungen (des öffentlichen Lebens) in Erwägung zu ziehen (und diese in einer Allgemeinverfügung abzufassen)«, teilte die Kreispressestelle mit.

Und weiter: »Beschränkungen sollen im Regelfall wieder zurückgenommen werden, wenn der Schwellenwert der jeweiligen Stufe fünf Tage in Folge unterschritten wird.« Karfreitag hatte der Wert erstmals knapp unter dem »Grenzwert« von 200 gelegen. Für die Osterfeiertage aber, so der Kreis, sei zu berücksichtigen, dass Labore weniger Tests bearbeitet haben. Dies könne dazu führen, dass Inzidenzen sinken - obwohl tatsächlich die Zahl der Neuinfektionen nicht rückläufig ist.

Und so bleibt auch die Allgemeinverfügung, die die nächtliche Ausgangssperre beinhaltet, weiter bestehen, obwohl die Inzidenz am gestrigen Dienstag den fünften Tag in Folge unter 200 lag, erklärte der Landkreis in einer Stellungnahme. »Erst, wenn alle Laborergebnisse, die über Ostern nicht bearbeitet wurden, nachgetragen wurden, kann die Situation im Landkreis neu bewertet werden.« Zu beachten seien zudem nicht allein die Inzidenzen, sondern auch die weitere pandemische Lage und die Situation in den Krankenhäusern, die bereits eine deutlich höhere Belegung der Intensivbetten und eine längere Belegungsdauer verzeichnen.

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