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Hat gut lachen: Sabine Loh von der Büchertreppe Wettenberg ist für den Deutschen Buchhandlungspreis 2021 nominiert. Heute fährt sie zur Preisverleihung nach Erfurt.

Büchertreppe? - Ausgezeichnet!

  • Rüdiger Soßdorf
    VonRüdiger Soßdorf
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Die Krofdorfer »Büchertreppe« wird heute mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet. Das Geheimnis der Erfolgs von Buchhändlerin Sabine Loh sind - ihre Kunden!

Fünf Stufen führen hoch zur Eingangstür und dann durch einen Windfang weiter in den Laden. »Büchertreppe«: Der Name ist Programm. Die Buchhandlung an der Krofdorfer Hauptstraße gibt es seit mittlerweile 21 Jahren - und sie ist in dieser Zeit eine Institution im Gleiberger Land geworden. Die Kunden von Buchhändlerin Sabine Loh kommen aus den Wettenberg-Dörfern und darüber hinaus aus Biebertal, Hohenahr, teils auch aus Heuchelheim oder Lohra. Und die meisten finden die »Büchertreppe« ausgezeichnet.

Der Meinung ist auch eine unabhängige Jury. Sie hat 118 Buchhandlungen aus 366 Bewerbungen für den Deutschen Buchhandlungspreis ausgewählt - darunter die »Büchertreppe.« Heute Abend wird Sabine Loh in Erfurt von Kulturstaatsministerin Monika Grütters für ihre Arbeit und ihr Angebot in der »Büchertreppe« ausgezeichnet.

Der Preis wird in drei Kategorien verliehen und ist unterschiedlich dotiert: Hervorragende Buchhandlungen erhalten neben einem Gütesiegel ein Preisgeld von 7000 Euro. Bis zu fünf Buchhandlungen, die besonders herausragen, werden mit 15 000 Euro Preisgeld gewürdigt. Die drei besten nominierten Buchhandlungen erhalten gar 25 000 Euro.

In welcher Preiskategorie die »Büchertreppe« prämiert wird, das ist noch ein gut gehütetes Geheimnis. Sabine Loh wird dies heute Abend im Erfurter Kaisersaal erfahren.

Der Bund würdigt mit dem Preis mittlerweile zum siebten Mal unabhängige und inhaber-geführte Buchhandlungen, die sich in besonderer Weise für das Kulturgut Buch, für ein lebendiges Kulturangebot vor Ort oder für ein vielfältiges Verlagssortiment engagieren, heißt es in der Ausschreibung.

Loh jedenfalls ist überglücklich über die Nominierung und die Einladung nach Erfurt. Ganz gleich, was dann noch kommt.

Und das nach einer langen »Dürrezeit«, wie sie bekennt. Denn die Ladenschließung respektive der auf das allernotwendigste reduzierte Kontakt zu den Kunden in Zeiten von Corona waren und sind wahrlich nicht leicht.

»Was wäre ich denn ohne meine Kunden? Es ist auch ihre Buchhandlung«, sagt Loh. Das dem so ist, erfährt die Buchhändlerin Tag für Tag im Geschäft. Selbst viele Menschen, die den »Genialokal«-Service nutzen, um außerhalb der Geschäftszeiten online zu bestellen, kommen gerne in die »Büchertreppe«, um die Bücher dann persönlich abzuholen. »Ich genieße es, dass die Menschen kommen«, bekennt die Krofdorferin freimütig. Um eben mit ihnen über Bücher zu plaudern, über Neuigkeiten aus dem Dorf - und ja: Gelegentlich auch über Privates. Die Büchertreppe als Ort der Kommunikation mitten im Dorf. Kulturstaatsministerin Grütters nennt »das literarische Schatzinseln«, die es in ihrer Rolle als lokale Kulturvermittler zu bewahren gelte.

Vor allem aber: Die Menschen suchen den Buchladen auf, um sich kompetent beraten zu lassen. Denn bei ihrer treuen Kundschaft hat Sabine Loh ein gutes Gefühl dafür, wie die Leute ticken. Was sie mögen. Und von welcher Lektüre sie vielleicht auch mal abrät. Ja - auch das kann sein. Und diese Offenheit und Klarheit wissen die »Büchertreppe«-Freunde ebenfalls zu schätzen.

Zudem hat die Buchhändlerin ein Netzwerk an Kooperationpartnern aufgebaut: Von den Kindertagesstätten und Grundschulen über die lokalen Büchereien bis hin zu kulturschaffenden Vereinen, denen sie sich gleichermaßen verbunden fühlt, wie etwa der Deutsch-Französischen Gesellschaft Wettenberg.

Für die Kindergärten packt die versierte Buchhändlerin etwa »Lesekoffer« mit Büchern, die dort rund vier Wochen zur Lektüre bleiben. Grundschüler erhalten »Lesetüten«. Möglichkeiten der frühzeitigen Kundenbindung? Klar doch. Die »Büchertreppe« ist schließlich ein Unternehmen, das betriebswirtschaftlich zu führen ist. Aber wenn Sabine Loh von der Bedeutung der Leseförderung in der Kindheit spricht, dann spürt man zuvörderst die Lust auf Lektüre, Die Leidenschaft für Literatur.

So ist sie gerne dabei, wenn Lesungen organisiert werden. Wie etwa mit der Krimi-Autorin Sophie Bonnet vor fünf Jahren im Rahmen des Gießener Krimi-Festivals. Eine Neuauflage war gemeinsam mit den Wettenberger »Deutschfranzosen« für 2020 geplant. Bis denn Corona dazwischenfunkte. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Und allein die Nominierung für den Buchhandlungspreis war schon Schub genug für ein geplantes Lesefest: »Um meinen Kunden und Freunde und Partnern und allen, die die ›Büchertreppe‹ schätzen, Danke zu sagen«.

Bemerkenswerte Info am Rande: Insgesamt 118 Preisträger kommen in diesem Jahr vornehmlich aus kleinen und mittleren Städten mit bis zu 50 000 Einwohnern. Rund 100 Buchhandlungen bewarben sich zum ersten Mal um den Deutschen Buchhandlungspreis. Das zeigt auch, welchen Stellenwert diese Läden in kleineren, vornehmlich ländlicheren oder kleinstädtischen Strukturen haben.

Wer die Preisverleihung am heutigen Mittwoch ab 18 Uhr per Livestream verfolgen will, kann dies unter dem Link slt-live.s3.eu-central-1.amazonaws.com tun. Der Link findet sich auch auf der Seite von www.deutscher-buchhandlungspreis.de.

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