ik_Buecherei_120321_1_4c_1
+
Die Zahl der Ausleihen ist in jüngster Zeit merklich gestiegen. Darüber freuen sich (v. l.) Bürgermeister Julien Neubert, Fördervereinvorsitzende Sibylle Starzacher, Bibliotheksleiterin Anne Dietz und die ehrenamtliche Helferin Hille Neumann.

Bücherparadies für Groß und Klein

  • Nastasja Akchour-Becker
    vonNastasja Akchour-Becker
    schließen

Eine glückliche Fügung brachte die Licher Stadt- bibliothek vor zehn Jahren in ein wunderschön saniertes Fachwerkhaus in der Altstadt. Dass die Bücherei während des Lockdown geöffnet hat, wissen vor allem junge Familien zu schätzen.

Gerade erst wurde »Hard Land«, der aktuelle Bestseller von Benedict Wells, geliefert, schon räumt ihn Anne Dietz in das Regal ein. Im zweiten Stock präsentieren die Leiterin und ihre ehrenamtlichen Helferinnen die ganz neu erschienenen Romane. »Die Bücher stehen auf der Bestsellerliste und sind noch in derselben Woche bei uns«, sagt Dietz, die auch die Hungener Stadtbücherei leitet.

Auf den Tag genau vor zehn Jahren, am 13. März 2011, wurde die Stadtbibliothek während der Licher Kulturtage eröffnet. »Es war ein glückliches Zusammentreffen verschiedener Umstände«, erinnert sich Dr. Sibylle Starzacher, die 1. Vorsitzende des Fördervereins, an die Anfänge.

»Vorher fristete die Stadtbibliothek in einem Hinterhof in der Kolnhäuser Straße ihr Dasein«, erzählt Hille Neumann, eine der rund 30 ehrenamtlichen Helferinnen. Just als die Bücherei diesen Standort verlassen musste, wurde das zentral gelegene Haus auf dem Kirchenplatz frei.

Weil Gelder aus der Altstadtsanierung übrig war, konnten auch die umfangreichen Sanierungsarbeiten bezahlt werden. In den angeschlossenen Neubau zog das Bürgerbüro der Stadt ein. Während der Öffnungszeiten steht das Foyer der Bibliothek Besuchern offen, die dort Zeitungen lesen oder Wochen- und Monatszeitschriften durchstöbern können.

Auch wenn das wegen des Lockdowns gerade nicht möglich ist, so stößt die Bibliothek selbst auf großen Zuspruch. »Statt weniger Besucher haben wir sogar mehr«, sagt Starzacher. Die Ausleihen im Kinder- und Jugendbereich sind gestiegen. »Eltern sind froh, dass sie ihren Kinder immer wieder etwas Neues holen können, denn schließlich wollen die Kleinen bei geschlossenen Kitas und Schulen unterhalten werden.« Dafür können sie sich unter anderem an einer umfangreichen Bilderbuchsammlung, einer großen Auswahl an Kinder- und Erstleserbüchern oder Tonie-Boxen und -Figuren bedienen. »Den Wert einer Bibliothek vor Ort darf man niemals unterschätzen«, fügt Bürgermeister Dr. Julien Neubert hinzu, der die Einrichtung als wichtigen Standortfaktor bezeichnet.

Generell ist über die Jahre hinweg die Zahl der Nutzer stetig gestiegen, und auch der Bestand ist so groß geworden, dass immer wieder mal aussortiert werden muss. »Wir haben insgesamt 2800 Leseausweise ausgestellt«, berichtet Neumann, die gerade den Jahresbericht 2020 vorgelegt hat.

Rund 900 aktive Ausleiher gibt es. Sage und schreibe 18 764 Medien befinden sich im Bestand der Bibliothek, darunter unter anderem Koch- und Gartenbücher, DVDs und Hörbücher, Comics und Kunstbücher, Bücher zur Licher Heimatkunde, zweisprachige Bücher und mehr. »Und auch die ›Onleihe‹ erfreut sich immer größerer Beliebtheit«, so Dietz.

Der Förderverein ist die treibende Kraft hinter der Bibliothek. Schon im Vorfeld der Eröffnung waren seine Mitglieder umtriebig. Denn der Förderverein musste sicherstellen, dass keine personellen Folgekosten durch den Betrieb entstehen. Bis auf die Arbeit von Leiterin Dietz, die bei der Stadt Hungen angestellt ist und von Lich »ausgeliehen« wird, geschieht der Betrieb in ehrenamtlicher Arbeit. »Rund 80 Prozent der Helfer sind schon von Beginn an dabei«, sagt Neumann. Die Stadt Lich steuert zudem ein jährliches Budget für die Medienbeschaffung bei; ist das erschöpft, springt der Förderverein ein.

Dessen Verdienst ist es aber auch, dass die Bibliothek ein Ort der Begegnung und Kommunikation geworden ist. Ganz gleich, ob regelmäßige Lesungen mit interessanten Autoren oder die Reihen »Licher Literaturgespräch« und »Licher lesen«, Kunstausstellung oder der Besuch von Kindergartengruppen, Workshops zum Manga-Zeichnen oder Scherenschnitt oder die Beteiligung an der Ferienspielen mit Gruselgeschichten im Stadtturmverlies und anschließender Fledermauswanderung im Schlosspark - der Förderverein leistet ganze Arbeit.

»Wenn es die Corona-Lage zulässt, wird Anne Weber im Juni zu einer Lesung kommen«, kündigt Starzacher an. Die Autorin ist für »Annette, ein Heldinnenepos« im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden. Selbstverständlich soll das Fest zum zehnjährigen Bestehen im Sommer dann auch nachgeholt werden.

Bis dahin haben Anne Dietz und die ehrenamtlichen Helferinnen noch ein bisschen mehr zu tun als sonst. Denn zu den strengen Hygienemaßnahmen zum Schutz gegen das Coronavirus zählt auch, dass alle Bücher mit Folie eingebunden und desinfiziert werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare