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Der Baumbestand wird nur dort an das Klima angepasst, wo bereits Kahlflächen bestehen.

"Die Buche leidet sehr stark"

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Trockenheit, Sonnenbrand, Schädlinge, Pilzbefall - den Wald trifft es auch in diesem Jahr hart. Wie erholt sich der Wald am besten, und wie wirkt sich der Einfluss des Menschen aus? Ein Gespräch mit Heinz-Jürgen Schmoll, dem Bereichsleiter Dienstleistung und Hoheit beim Forstamt Wettenberg.

Wald gibt es schon seit Menschengedenken, extreme Witterungsbedingungen auch. Doch bis heute gibt es den Wald. Ist das Problem mit der Trockenheit also für den Menschen größer - etwa in wirtschaflticher Hinsicht - als für den Wald selbst?

Heinz-Jürgen Schmoll:Das ist so. Wir Menschen erwarten vom Wald einen gewissen Nutzen. Das, was der Bürger normalerweise will, ist im Wald spazieren gehen, wandern und Fahrrad fahren. Dafür müssen wir Forstleute die Wege frei halten und sichern. Der Bürger denkt nicht direkt daran, dass der Wald natürlich auch der wichtigste Rohstofflieferant für uns ist. Hier wird das Holz produziert, das wir im täglichen Leben verwenden und brauchen. Das fängt morgens bei der Zeitung an, bei dem Stuhl auf dem wir sitzen und der Tür, durch die wir gehen. Das alles sind Holzprodukte, die irgendwann mal im Wald am Baum gewachsen sind. Wir Förster bereiten die Holzwirtschaft vor.

Wie würde sich der Wald denn entwickeln, wenn gar nicht eingegriffen würde?

Schmoll:Der Wald würde, wenn wir ihn in Ruhe lassen, weiterexistieren. Das versuchen wir ja jetzt auf zehn Prozent der Staatswaldfläche. Wir wollen herausfinden, wie sich ein Wald ohne menschlichen Einfluss entwickelt. Natürlich wird er weiterbestehen. Das war ja auch früher so, als sich der Mensch noch nicht eingemischt hat. Da gab es richtige Urwälder, in denen man sich aber nicht richtig bewegen konnte. Deshalb mussten Wege angelegt werden.

Ist für einen gesunden Wald also Forstwirtschaft gar nicht notwendig?

Schmoll:Die Waldwirtschaft ist notwendig, da damit dafür gesorgt wird, dass der Wald all seine Funktionen erfüllt.

Welche Funktionen sind das?

Schmoll:Das ist auf der einen Seite der wirtschaftlichen Aspekt, dass wir das Holz nutzen können und in den Markt geben können. Gleichzeitig soll der Wald auch Erholungsort und wichtiger Lebensraum auch für Tiere sein. Dafür müssen wir den Wald aber auch durch Wege erschließen, um das Holz abzutransportieren und um Menschen in den Wald hineinzulassen. Deshalb müssen wir dort auch für Sicherheit sorgen, damit keine Gefahr, etwa durch herabstürzende Äste, entsteht.

Was muss in nächster Zukunft also passieren, damit sich der Wald am besten erholt?

Schmoll:Wenn sich wie jetzt das Klima plötzlich in einzelnen Jahren mit wenig Niederschlägen und hohen Sommertemperaturen ändert, können die Bäume zum Teil damit nicht umgehen. Dann kommt es zu Krankheitserscheinungen und Schadsituationen wie Pilzbefall und Käfer. Am besten wäre also, es würde Niederschläge geben, damit sich die Feuchtigkeit im Boden wieder normalisieren kann. Der Boden ist momentan sehr trocken. Es fehlen die Winterniederschläge. Durch die hätte sich ein entsprechend großer Wasserpuffer gebildet, der die Feuchtigkeit dann im Laufe des Sommers an die Pflanze abgegeben hätte. Wir haben also in den tieferen Schichten sehr wenig Wasser.

Ist es nur der fehlende Niederschlag, der die Bäume strapaziert?

Schmoll:Nicht nur. Dazukommen auch die hohen Temperaturen, mit denen viele Baumarten nicht umgehen können. Die Eiche mag es beispielsweise etwas wärmer, die Buche mag es lieber kühl. Deshalb merken wir das im Moment an der Buche, die unter der Klimaveränderung sehr stark zu leiden hat.

Welchen Baumarten sind besser geeignet?

Schmoll:Dazu gibt es die verschiedensten Untersuchungen und Überlegungen - ob man da Kirsche, Ahorn, Linde, Kiefer pflanzt oder vielleicht die Esskastanie, die wärmeres Klima vertragen können. Das sind aber alles noch Versuche an unterschiedlichen Standorten. Bei einer so großen Waldfläche - über 42 Prozent der Landesfläche von Hessen sind Wald - kann man so eine Veränderung nur sehr, sehr langsam vollziehen. Die Bäume brauchen zum Wachsen eben ihre Zeit.

Wie gehen Sie die Veränderung an?

Schmoll:Wir können nur da entscheiden, etwas anderes anzupflanzen, wo Freiflächen entstanden sind. Etwa durch Windwurf oder starke Käferentwicklung bei der Fichte.

Wird auch extra dafür gefällt?

Schmoll:Gesunde Bäume fällen wir nur, wenn der Platz zu Nachbarbäumen zu eng wird. Gefällt wird derzeit nur da, wo die Bäume absterben. Wir können insbesondere an Wegen und Straßen abgestorbene Bäume nur so lange stehen lassen, wie sie stabil sind. Gerade durch Pilzbefall werden sie schnell instabil. Dabei brechen oft große Äste aus der Krone ab, und das ist viel zu gefährlich. Also müssen wir fällen.

Was passiert dann mit dem Holz?

Schmoll:Sofern es noch für die Holz verarbeitende Industrie verwendbar ist, etwa für Spanplatten oder Bretter, wird versucht, es zu verkaufen.

Und wenn es nicht mehr verkauft werden kann?

Schmoll:Das, was nicht mehr verwertbar ist, bleibt mitunter auch im Wald liegen und bildet damit dann neuen Waldhumus.

Wie gehen Sie bei Neubepflanzungen vor?

Schmoll:Wir versuchen, immer mit Naturverjüngung zu arbeiten. Das heißt, mit dem Samen der Altbäume. Wenn das etwa bei einem Fichtenbestand nicht möglich ist, bepflanzen wir die Fläche mit Bäumchen aus der Baumschule. Diese Naturverjüngung muss gepflegt und gefördert werden. Dazuzählt auch die Regulierung zu hoher Wildbestände, um Schäden an jungen Bäumen gering zu halten und auch seltene Baumarten im Wald zu erhalten.

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