Regina Meißner beobachtet die 150 Meter tiefe Bohrung. FOTO: MEISSNER
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Regina Meißner beobachtet die 150 Meter tiefe Bohrung. FOTO: MEISSNER

Ein Brunnen für 5000 Menschen

  • vonConstantin Hoppe
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In Langgöns kommt das Wasser aus dem Wasserhahn. Die Menschen in Monduli in Tansania kennen diesen Luxus nicht. Der Langgönser Verein Tandia half nun, einen Brunnen für 5000 Menschen zu bauen.

Ein großes Metallrohr ragt aus dem sandigen Boden. Rings herum haben sich viele Menschen eingefunden, sie warten gespannt. Ein Arbeiter dreht an einem Rad und Wasser schießt aus der Tiefe empor. Direkt brandet Jubel auf. Eine Szene und Emotionen, die man sich hierzulande in Deutschland beim Aufdrehen des Wasserhahns kaum vorstellen kann. Für die Menschen im trockenen Nordosten Tansanias ist fließendes Wasser aber alles andere als selbstverständlich.

Während in den Städten Tansanias etwa Dreiviertel der Bevölkerung Zugang zu fließendem Wasser hat, sind es in den ländlichen Regionen nicht einmal 50 Prozent. Die eingangs beschriebene Szene spielte sich so im vergangenen Jahr in Makuyuni im Landkreis Monduli ab. Der Brunnenbau wurde mitmilfe des Langgönser Vereins Tandia verwirklicht.

"Es fehlt oft an für uns ganz selbstverständlichen Dingen wie Elektrizität und Wasser", erklärt Regina Meißner, Vorsitzende des Vereins Tandia. "Sauberes und hygienisch einwandfreies Trinkwasser hat für die Menschen oberste Priorität."

Deshalb entschloss sich der Verein, im vergangenen Jahr einer Anfrage der evangelischen Kirchengemeinde nachzukommen und gemeinsam ein Brunnenprojekt in Makuyuni anzugehen. Im Dezember wurde das Projekt abgeschlossen, mit dem neben der Kirche auch die nahe Grundschule und deren 1000 Schüler mit Wasser versorgt werden. "Vorher mussten die Schüler das Wasser von Zuhause mitbringen", berichtet Meißner. Rund 5000 Menschen können von dem neugeschaffenen Brunnen profitieren. "Die Bohrung bis in 150 Meter Tiefe war ein eindrückliches Erlebnis", so die Vereinsvorsitzende. Nur um eine Vorstellung der Höhe der Kosten eines solchen Projekts zu erhalten: Alleine die beschriebene Bohrung kostete rund 10 000 Euro.

Vor fünf Jahren gründete Regina Meißner den Verein Tandia. Sie selbst hat schon als Krankenschwester und Gesundheitswissenschaftlerin einige Jahre als Entwicklungshelferin in Afrika gearbeitet: "Ich lernte dort viele engagierte Menschen kennen, die etwas verändern wollen, aber häufig fehlen die finanziellen Mittel", sagt sie. "Deshalb war es von Anfang an unser Ziel, ›Hilfe zur Selbsthilfe‹ zu leisten." Das lässt sich auch an dem kürzlich abgeschlossenen Brunnenprojekt sehen: Alle Arbeiten wurden von den Menschen vor Ort aushgeführt. Der Fokus liegt stets auf kleineren Projekten: "Wir schauen immer, was die Menschen wirklich brauchen und reagieren auf Anfragen - das ist vor allem größeren Organisationen nicht immer möglich." Bei jedem Projekt werden die tansanischen Partner von Anfang an miteinbezogen.

Nachhaltige Projekte

So konnten in den vergangenen fünf Jahren einige Projekte abgeschlossen werden, die das Leben der Menschen in Monduli nachhaltig verbessern: Mithilfe von Tandia wurden zwei Gesundheitsstationen erweitert und modernisiert. Dabei liegt das Augenmerk des Vereins auf der Mutter-Kind-Gesundheit. Seit der Einweihung der neuen Räume in Mbuyuni kommen deutlich mehr Frauen zur Entbindung in die Gesundheitsstation. Daneben vermittelt Tandia Patenschaften in Tansania: So können die hiesigen Paten einem bedürftigen Kind für 10 Euro monatlich den Besuch der Grundschule oder für 30 Euro monatlich zusätzlich zur Grundschule auch den Besuch einer weiterführenden Schule ermöglichen. Aktuell sucht Tandia noch zwei Paten für die achtjährige Faith und den 13-jährigen Shedrak.

Tandia finanziert sich aus den Mitgliedsbeiträgen seiner derzeit 45 Mitglieder, privaten Spenden, öffentlichen Fördermitteln und Zuschüssen von Stiftungen. Mehr Informationen über Tandia findet man unter www.tandia.de oder telefonisch unter 01 76/83 21 21 25.

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