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Die Bundesregierung will im Rahmen ihres Klimapaketes Ölheizungen den Kampf ansagen. Ab 2026 soll der Einbau neuer Anlagen nur noch unter strengen Auflagen erlaubt sein, etwa wenn keine klimafreundliche Wärmeerzeugung möglich ist, da es keinen Fernwärmeanschluss gibt oder der anteilige Einsatz erneuerbarer Energien (etwa Solarthermie) technisch nicht möglich ist. ( S ymbolfoto: dpa)

Branche beklagt Verunsicherung

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Das geplante Verbot neuer Ölheizungen ab 2026 ist in der Heizungsbranche umstritten. Dem Verbraucher stellt sich vor allem die Frage: Was tun? Antworten darauf hat Björn Hendrischke. Der gebürtige Licher ist Geschäftsführer des Fachverbandes Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) Hessen.

Vor ein paar Tagen erst hat Landrätin Anita Schneider die Verunsicherung auf den Punkt gebracht. "Wie sollen die Menschen in Orten heizen, die keinerlei Infrastruktur wie Gas- oder Fernleitungen haben?", hatte sie beim Treffen von Energieberatern in Buseck gefragt. Das Verbot neuer Ölheizungen ab 2026 träfe eine Vielzahl von Hausbesitzern, auch im Kreis Gießen, selbst wenn Ausnahmeregelungen im Raum stehen. Aktuell sind deutschlandweit noch 4,8 Millionen Anlagen mit Heizwerttechnik, weitere 650 000 mit Brennwerttechnik in Betrieb. Für ihre Besitzer stellt sich die Frage nach Alternativen.

Herr Hendrischke, wie bewertet Ihre Branche das Klimaschutzprogramm?

Björn Hendrischke:Grundsätzlich begrüßen wir die darin enthaltenen Maßnahmen. Viele unserer Forderungen, die steuerliche Förderung energetischer Sanierungen oder eine Austauschförderung für alte Feuerstätten, finden sich in dem Eckpunktepapier wieder.

Aber kommen diese nicht zu spät, schaut man etwa auf die verfehlten Ziele in puncto CO2-Einsparung und die Tatsache, dass rund ein Drittel des Endenergieverbrauchs hierzulande auf Heizung und Warmwasser entfällt?

Hendrischke:Zumindest sind die Maßnahmen längst überfällig. Wir haben einen enormen Sanierungsstau in den Heizungskellern. Wenn wir es mit dem Klimaschutz ernst meinen, müssen wir konkrete Anreize für den Austausch alter Anlagen schaffen.

Was sagt Ihre Branche zum Verbot neuer Ölheizungen, sind Sie damit einverstanden?

Hendrischke:Nein, Verbote führen beim Verbraucher in der Regel zu einer erheblichen Verunsicherung, besser gesagt zu einer Schockstarre. Das spüren unsere Installateurbetriebe schon jetzt. Der Gesetzgeber muss hier schnellstmöglich Klarheit schaffen.

Was bedeutet das Verbot konkret für Hausbesitzer?

Hendrischke:Bis Ende 2025 darf bei einer Heizungsmodernisierung ein Öl-Brennwertgerät eingebaut werden, sogar bezuschusst mit bis zu 15 Prozent. Ab 2026 ist der Einbau von Ölheizungen dann voraussichtlich nur noch zulässig, wenn erneuerbare Energien eingebunden werden.

Was heißt das genau?

Hendriscke:Man spricht in diesem Fall von "Hybridsystemen", die das Ölbrennwertgerät zum Beispiel mit Solarthermie- oder einer Wärmepumpenanlage ergänzen. Gas-Brennwertheizungen können hingegen auch ohne Einschränkungen weiter eingebaut werden.

Der Ersatz durch "klimafreundlichere Modelle" soll vom Bund bezuschusst werden. Welche Modelle sind förderfähig?

Hendrischke:Die Beschlüsse des Klimakabinetts sehen eine Austauschprämie für alte Heizungen vor, die allein mit fossilen Energieträgern betrieben werden. Die Umstellung auf Systeme mit erneuerbaren soll mit bis zu 40 Prozent unterstützt werden. Infrage kommen etwa Wärmepumpensysteme oder auch eine Brennstoffzellenheizung.

Was aber ist, wenn diese Systeme aufgrund technischer Besonderheiten nicht realisierbar sind?

Hendrischke:Voraussichtlich werden dann auch Gas-Hybridsysteme gefördert, wenn diese anteilig erneuerbare Energie einbinden. Für Ölbrennwertgeräte mit kombinierten Hybridlösungen wird es hingegen keine Förderung geben.

Neben der Austauschprämie möchte Berlin für energetische Sanierungen steuerliche Anreize schaffen. Wie sehen die konkret aus?

Hendrischke:Ab 2020 werden voraussichtlich auch energetische Gebäudesanierungen steuerlich gefördert. Hierunter fallen auch Einzelmaßnahmen, wie eine Heizungssanierung. Noch nicht bekannt ist, ob daran weitere Anforderungen wie die Einbindung von erneuerbarer Energie geknüpft werden. Von den Gesamtinvestitionskosten kann der Steuersparer 20 Prozent seiner Steuerschuld, über drei Jahre verteilt, abziehen.

Was empfehlen Sie einem Kunden, der die Modernisierung seiner Heizung in Erwägung zieht?

Hendrischke:Angesichts der Technologievielfalt sollte man sich an einen Fachbetrieb der SHK-Innung wenden. Nur dann kann man Vor- und Nachteile abwägen und abschätzen, was trotz Förderung finanziell machbar ist. Wer seine Heizung konventionell mit dem Einbau einer Gas- oder Ölbrennwertheizung sanieren möchte, sollte das jetzt tun, mit den aktuellen Förderprogrammen. Die Anforderungen für die künftige Austauschprämie sind nämlich schon sehr hoch, und die Mehrkosten für die Einbindung erneuerbarer Energie sind dabei zu berücksichtigen.

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