Virenschutz ist Pflicht - und dies nicht nur für die Rechner: Der Besuch im Senioreninternetcafé geht derzeit nur mit Mund-Nasen-Schutz und Voranmeldung. FOTO: PAD
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Virenschutz ist Pflicht - und dies nicht nur für die Rechner: Der Besuch im Senioreninternetcafé geht derzeit nur mit Mund-Nasen-Schutz und Voranmeldung. FOTO: PAD

Der Boom bleibt aus

  • vonPatrick Dehnhardt
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Gerade in Zeiten von Covid-19 hat sich gezeigt, dass digitale Infrastruktur nicht nur wichtig ist, um von zu Hause aus arbeiten zu können, sondern auch, um Kontakte zu pflegen. Risikogruppen wie ältere Menschen können so mit Freunden und Familie gefahrlos reden. Beim Senioreninternetcafé in Pohlheim stellt man bislang jedoch keinen großen Ansturm fest.

Eine ältere Dame hat Probleme mit ihrem neuen E-Mail-System. Für Jochen Happel ist dieser Fall Routine. Schnell hat er geholfen, das Programm einzurichten und zum Laufen zu bringen. Vermutlich lächelt die Frau zufrieden - durch den Mundschutz ist dies nicht zu erkennen, nur an ihren Augen zu erahnen.

Seit 2014 gibt es in Watzenborn-Steinberg das Internetcafé für Senioren. Die Mitglieder der ersten Stunde sind längst im Ruhestand. Aktuell bilden Jochen Happel, Bernhard Happel und Jakob Happel das ehrenamtliche Team, öffnen in der Corona-Zeit mittwochs von 16 bis 18 Uhr das Café. Jakob Happel ist vom Rentenalter noch weit entfernt, hilft aber aufgrund seiner Kenntnisse im Umgang mit Apple-Produkten mit.

Hat Corona bei Senioren für mehr Interesse an Computern und Internet gesorgt? "Also bei uns nicht", sagt Bernhard Happel. "Es sind nur wenige neue Leute dazugekommen." Er hat die Erfahrung gemacht, dass viele Ältere derzeit nicht gerne weggehen - und daher dann auch das Senioreninternetcafé nicht nutzen. "Der eine und andere hat doch Angst."

Zudem musste das Senioreninternetcafé aktuell aufgrund der Abstandsregeln die Besucherzahl herunterfahren und eine Voranmeldung (internetcafe@pohlheim.de) einführen. Vor Corona habe es eine Gruppe Senioren gegeben, die immer zum "Surfen vorbeikam, weil es bei ihnen im Dorf noch kein schnelles Internet gibt", erzählt Bernhard Happel. Da wurde dann Kuchen und Kaffee mitgebracht, sich gerne auch mal über Themen weitab von Computern unterhalten, zum Beispiel Schildkröten. "Bei uns passt der Name Café", sagt Bernhard Happel und schmunzelt für einen Moment, um dann zu seufzen. "Leider geht das derzeit nicht."

Aktuell liege das Hauptaugenmerk darauf, bei technischen Problemen zu helfen. Oft werden die drei angesprochen, wenn von einem alten auf ein neues Gerät gewechselt wird, damit auch die Daten - Familienfotos, Texte, Dokumente - mit umziehen, berichten sie. Häufig erhalten sie auch Anfragen, welches Smartphone, Tablet oder Laptop besonders bedienerfreundlich und damit seniorengeeignet sei. "Da helfen wir gerne", sagt Jochen Happel.

Aus den Pohlheimer Seniorenheimen habe man seit der Eröffnung 2014 noch gar keine Gäste gehabt, berichtet Bernhard Happel. Er selbst habe bei Besuchen in Seniorenheimen andernorts festgestellt, dass es dort oft kein WLAN gibt. So hätten selbst Bewohner, die eigentlich fit im Umgang mit dem Computer sind, keine Chance, online zu gehen.

Dies hatte auch der Kreisseniorenbeirat vor Monatsfrist kritisiert: Nicht alle Pflegeheime seien ausreichend mit WLAN ausgestattet, schrieb er in einer Pressemitteilung. Dabei sei es mittlerweile nicht mehr ungewöhnlich, dass über Skype oder WhatsApp mit den Kindern und Enkeln Kontakt gehalten werde, gerade, wenn diese weit weg leben, arbeiten oder studieren. Besonders an WhatsApp hätten sich die meisten Senioren schnell gewöhnt, berichtet Jochen Happel. "Da ist es komplizierter, den Umgang mit dem Betriebssystem zu lernen, als die Anwendung selbst zu bedienen."

Dass erst jetzt vielerorts öffentliche WLANs eingerichtet werden, hält das Team des Internetcafés für verspätet. "Die meisten haben eh eine Daten-Flatrate", sagt Jakob Happel. "Öffentliche WLAN-Spots sind für die meisten schon zu spät gekommen." Kaum jemand würde heute noch durch die Stadt laufen und danach suchen.

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