Heizungs- und Elektroarbeiten sowie zahlreiche weitere Maßnahmen stehen in der St.-Bonifatius-Kirche in Bad Nauheim an.	FOTO: NICI MERZ
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Heizungs- und Elektroarbeiten sowie zahlreiche weitere Maßnahmen stehen in der St.-Bonifatius-Kirche in Bad Nauheim an. FOTO: NICI MERZ

St. Bonifatius vor Sanierungsstart

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte das Herzheilbad Nauheim Weltruhm erlangt. Tausende gekrönte und ungekrönte Häupter suchten hier Linderung ihrer Leiden und auch geistlichen Beistand. 1905 erhielt die wachsende katholische Pfarrgemeinde in dem traditionell protestantischen Städtchen endlich ein eigenes Domizil, die St.-Bonifatius-Kirche. Nun steht deren nächste Grundsanierung an, und die Pfarrgemeinde muss einen hohen Betrag aus Eigenmitteln beisteuern.

Alles hat vor sieben Jahren mit der Orgel angefangen«, erinnert sich Pfarrer David Jochem Rühl. Etwa alle 25 Jahre muss ein solches Instrument gründlich gereinigt werden. Das gilt auch für die Orgel in der katholischen St.-Bonifatius-Kirche in Bad Nauheim. »In Abstimmung mit Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat haben wir begonnen, die nächste Reinigung zu planen. Dabei kam die Frage auf, wie sinnvoll eine Reinigung ist, so lange der Ruß der Kerzen die Wände schwärzt und die alte Heizung mit der Warmluft jede Menge Staub ins Kircheninnere bläst.« In den folgenden Diskussionen kam schnell eins zum anderen. Bald stand fest, dass 50 Jahre nach der ersten eine zweite Grundsanierung unausweichlich würde.

Die Orgel wird nun gereinigt, aber außerdem wird die Heizung energieeffizient und emissionsärmer umgebaut, alle Elektroinstallationen - einschließlich der Leuchtkörper und der Induktionsschleife für Hörgeräteträger - werden erneuert und zur Schonung des Marmorfußbodens teilweise in neu geplanten Bankpodesten untergebracht, die wiederum die Gottesdienstbesucher zusätzlich vor Kälte schützen sollen. Aus den geplanten Maßnahmen sticht ferner der barrierefreie Zugang zur Kirche durch den Anbau einer Rampe am südlichen Eingang heraus.

Nächste Woche geht es los

Beginnen werden die Arbeiten bereits Anfang der kommenden Woche. »Am Sonntag werden wir den vorerst letzten Gottesdienst in St. Bonifatius feiern, danach ziehen wir vermutlich bis in den Spätherbst für die Sonntage in die Aula der St.-Lioba-Schule um«, erläutert Pfarrer Rühl.

Eine der ersten Maßnahmen auf der Baustelle wird die Erneuerung der Außendämmung des Deckengewölbes sein, deren Funktionalität ebenfalls erheblichen Einfluss auf die Luftströmungen im Kircheninneren hat. Weitgehend unberührt von den Sanierungsarbeiten bleibt die 1969 nach Plänen von Prof. Johannes Peter Hölzinger vorgenommene Umgestaltung des Kirchenraumes. Der weiße Marmor, der seither dem Chorraum ein unverwechselbares Aussehen gibt, wird nur abgeschliffen und poliert. Anders die 1905 von dem Mainzer Bernhard Kraus im Nazarenerstil geschaffenen Kirchenfenster, die der weiße Marmor so gut zur Geltung bringt: Auch sie müssen dringend gereinigt werden, teilweise sind die Bleifassungen zu erneuern. Ein stolzes Vorhaben: Allein für die Überarbeitung der elf Kirchenfenster ist ein Betrag von über 100 000 Euro veranschlagt.

Die 2019 gestartete Spendenkampagne »Licht und Wärme für St. Bonifatius« setzt unter anderem an diesem Punkt an. Angeboten wird, für 10 000 Euro die Sanierung eines bestimmten Kirchenfensters zu übernehmen. Wer möchte, kann für 5000 Euro einen »Baustein« erwerben; aus den Bausteinen wird - auf Wunsch mit oder ohne Namen des Spenders - eine dauerhaft bleibende »Spendenwand« im Kircheninneren errichtet.

Erhoffte Großspenden sind allerdings nur ein Aspekt der Spendenkampagne. »Wir brauchen jeden Euro und sind deshalb auch für jede Spende dankbar. Das Team ›Kirchenbauhütte‹ hatte zum Spendensammeln eine Vielzahl von Aktionen geplant und mit der Umsetzung der Planungen sehr ambitioniert und auch erfolgreich begonnen«, erläutert Pfarrer Rühl.

Dann allerdings kamen Corona und der erste Lockdown, die Gottesdienste wurden ebenso wie die regelmäßigen Kirchencafés abgesagt, die Kampagne kam weitgehend zum Erliegen. Parallel zum Beginn der Sanierungsarbeiten wird sie nun - unter Corona-Bedingungen, doch hoffnungsvoll - neu gestartet, wie Rühl berichtet. »Das Team ›Kirchenbauhütte‹ ist hoch motiviert und will im Sommer einige Veranstaltungen durchführen. Voraussetzung ist natürlich, dass die Kontaktbeschränkungen bis dahin aufgehoben sind.«

Gottesdienste und Spendenkonto

Gottesdienste werden nach dem 24. Januar in Ausweichquartieren stattfinden: die Sonntagsmesse jeweils um 10 Uhr in der Aula der St.-Lioba-Schule, die Vorabendmesse an jedem zweiten, vierten und eventuell fünften Samstag um 18.15 Uhr sowie die Werktagsgottesdienste im Gemeindezentrum Bonifatius. Details zu verfügbaren Plätzen sowie zu den coronabedingten Anmeldemodalitäten sind auf der Homepage der Pfarrgemeinde (bistummainz.de/pfarrei/bad-nauheim) unter dem Stichwort Gottesdienste zu finden.

Spenden für die Sanierung der St.-Bonifatius-Kirche können unter Angabe des Verwendungszweckes »Kirchensanierung 2020-2023« auf das Spendenkonto der Pfarrgemeinde (IBAN: DE07 5139 0000 0089 3608 11) bei der Volksbank Mittelhessen eingezahlt werden. Das Pfarrbüro stellt auf Wunsch Spendenquittungen aus.

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