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Bombenalarm in Grünberg

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist gestern Abend in Grünberg entschä rft worden. Alles ging gut. Niemand wurde verletzt.

Zweimal hat es gegen 19.45 Uhr kurz hintereinander geknallt: Das waren die Zünder, die die Experten vom Kampfmittelräumdienst Tauber gesprengt haben. Erleichtertes Aufatmen bei den 110 Einsatzkr ä ften von Polizei, Feuerwehr und Rotem Kreuz, als die Nachricht kam: Die Gefahr ist gebannt, denn die Zünder sind weg. Die Bombe ist entschärft. Alles ging reibungslos, verletzt wurde niemand.

Bei Bodenuntersuchungen für einen geplanten Solarpark unweit den Grünberger Bahnhofes war am Donnerstagmorgen am Stangenröder Weg eine 250 Kilo schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Das gefährliche Teil sollte, das war den Fachleuten schnell klar, noch am gleichen Tag entschärft werden. Um niemanden zu gefährden, wurde ein Umkreis von 500 Metern um den Fundort abgeriegelt

Gegen 16 Uhr wurden die Grünberger über die KATWARN-App informiert. Wer im Lehnheimer Weg, der Jahnstraße, am Rondell, der Enggasse in der Bahnhofstraße, der Gallusstraße oder der Werner-von-Siemens-Straße wohnt oder arbeitet, musste bis 17 Uhr Haus oder Firma verlassen und konnte sich zur Gallushalle begeben. Rund 420 Anwohner waren betroffen, hinzukamen mehrere Hundert Menschen, die in dem angrenzenden Industrie- und Gewerbegebiet beschäftigt sind, unter anderem bei dem großen Unternehmen Bender.

In der Gallushalle hatte das Deutsche Rote Kreuz eine Anlaufstelle eingerichtet, versorgte die Menschen mit Getränken und mit Kleinigkeiten zu essen. Zahlreiche der betroffenen Bürger nutzten das Angebot. Andere wiederum setzten sich in ihre Autos und fuhren weg: "Ich gehe zu Freunden nach Gießen. Das tue ich mir nicht an", sagte ein Grünberger unter dem beifälligen Nicken der Gattin.

Auch das Alten- und Pflegeheim "Grünberger Warte" wurde evakuiert: Dafür waren gegen 17 Uhr viele Einsatzkräfte des Roten Kreuzes nach Grünberg beordert worden. Denn das Haus steht just auf der Grenze der 500-Meter-Sicherheitszone. "Die Evakuierung verlief reibungslos", so der Sprecher der Einsatzleitung, Martin Lutz. In wenigen Einzelfällen mussten Helfer nochmals die Häuser und Wohnungen gehen, etwa um vergessene Medikamente zu holen. Das war’s aber auch.

Die Stadt Grünberg hatte zudem eine Hotline geschaltet für all jene, die Hilfe benötigten, um ihr Haus zu verlassen. Das wurde gut angenommen: Binnen der ersten Stunde wurden mehr als 40 Anrufer gezählt. Nach 17 Uhr dann gingen Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei gemeinsam alle betroffenen Häuser ab und stellten sicher, dass sich wirklich niemand mehr im Gefahrenbereich aufhielt.

Kurz nach 16 Uhr war zudem der Grünberger Bahnhof gesperrt worden: Gegen 16.15 Uhr hielt die Vogelsbergbahn ein letztes Mal, um Fahrgäste ein- und aussteigen zu lassen. Danach fuhren die Züge ohne Stopp durch. Kurz vor 19 Uhr wurde der Zugverkehr bis zur Entwarnung komplett eingestellt. Auch RMV-Busse, die sonst den Bahnhof ansteuern, wurden umgeleitet. Für in Grünberg gestrandete Bahn-Fahrgäste wurde versucht, Busse zum Umsteigen bereitzustellen.

Die Bombe war mutmaßlich ein Blindg ä nger des verheerenden Bombenangriffs auf den Grünberger Bahnhof vom 13. März 1945. Damals legten US-Bomber die Straßen rund um den Bahnhof in Schutt und Asche. Rund 150 Menschen starben.

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