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Blumenspalier für Abc-Schützen

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Gestern wurden im Kreis die ersten von insgesamt 2150 Erstklässer eingeschult. Freude und Aufregung lagen nah beieinander, so auch an der Grundschule in Lollar. In Hungen begrüßte Ministerpräsident Volker Bouffier die Fünftklässler und musste sich dabei auch Kritik anhören.

Ordentlich reihen sich die Zweitklässler der Grundschule Lollar zu einem Spalier auf. Sie halten lange Stiele mit prächtigen Sonnenblumen in die Höhe, andere wedeln mit Fliederkolben. Gespannt blicken sie zum Eingang der Turnhalle, wo nach dem Einschulungsgottesdienst noch einmal alle Erstklässler zum ersten Schultag begrüßt werden und dann heißt es plötzlich: "Sie kommen!" Im Gänsemarsch folgt ein Teil der Erstklässler ihrer Lehrerin, zaghaft gehen die Blicke zu allen Seiten. Freude und Aufregung scheinen bei den meisten nah beieinander zu liegen. Doch dann brandet Beifall auf, von den älteren Schülern, den Lehrern und den Eltern und mit jedem Schritt in Richtung Klassenzimmer wirken die Schüler etwas mutiger.

Wie am gestrigen Dienstag in Lollar, beginnt dieser Tag für viele Kinder im Kreis der sprichwörtliche Ernst des Lebens - insgesamt 2150 Erstklässler werden in 39 Grundschulen eingeschult. Aufregend ist der Schulstart jedoch nicht nur für die Kleinsten, auch für die Fünftklässler startet ein neuer Abschnitt. An der Gesamtschule in Hungen etwa wurden sie von Ministerpräsident Volker Bouffier begrüßt, der die Gesamtschule auch wegen ihrer kreativen Angebote und der jahrzehntelangen Unterstützung der Partnerschule in Mosambik auswählte, für die er eine Spende überreichte. Beim Anblick der aufgeregten Kinder erinnerte er sich prompt an seine eigene Schulzeit. Geärgert habe er sich zum Beispiel, als er und seine Freunde in verschiedene Klassen kamen. "Auch meine Eltern waren nicht immer begeistert", sagte Bouffier mit einem Schmunzeln. "Aber es ist alles gut geworden."

Der erste Schultag ist etwas ganz Besonderes, das beweisen nicht nur die vielen bunten Schultüten, die zumindest die Erstklässer oft überragen. Vor der offiziellen Begrüßung in den Schulen gibt es vielerorts einen Gottesdienst. In der evangelischen Kirche Lollar war es am gestrigen Dienstag nicht nur voll, sondern auch bunter und lauter als sonst. "Heute machen wir etwas Ungewöhnliches", sagte Pfarrerin Petra Assmann-Daum und lud die Erstklässler ein, für einen Moment auf den Bänken zu stehen, während sie gemäß dem Motto "Gott ist dein Schutz und dein Schirm" mit einem leuchtend orangen Schirm auf und ab lief.

Zur Feier des Tages engagiert sich überall die ganze Schule. In Lollar etwa gaben die Drittklässler ein Lied aus "Der Zauberer von Oz" zum Besten, und die Viertklässler brachten Schüler und Eltern mit einer Tanz-Choreografie zum Staunen. Ein ähnliches Programm gab es auch in Hungen. Dort sprach Bouffier jedoch auch ernste Themen an: "Schule kann nicht alles. Wir brauchen Sie" wandte er sich an die Eltern und Großeltern, jene müssten mithelfen, aus Kindern junge Erwachsene zu machen. Und: Die Schulen seien nicht dazu da, den Eltern die Erziehung abzunehmen. Dass es an manchen Schulen nicht einmal mehr möglich sei, einen Elternbeirat aufzustellen, sei ein schlechtes Zeichen, sagte Bouffier.

Doch auch Kritik an der hessischen Bildungspolitik musste sich der Ministerpräsident bei den Feierlichkeiten in Hungen anhören. "Die 600 neuen Lehrerstellen auf 1800 Schulen verteilt, das ergibt pro Schule eine Drittelstelle mehr", sagte Kerstin Roth, die stellvertretende Vorsitzende des Elternbeirats. Es fehle vor allem an kompetentem Vertretungspersonal, das die Ausfälle von Lehrern auch qualitativ auffangen kann. Und auch das Landesschülerticket sei mit 365 Euro pro Jahr für viele Familien eine Hürde. "Hier wäre für alle Schüler ab der elften Klasse - wie bei den Landesbediensteten - ein kostenloses Ticket wünschenswert", sagte Roth. Eine öffentliche Äußerung dazu gab es an diesem Tag von Bouffier nicht. Kaum merklich verzog er aber kurz das Gesicht und machte einen zerknirschten Eindruck.

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