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Ein vertrautes Bild: Monika und Rainer Volk bei der Anlieferung von Trauerfloristik auf dem Großen-Busecker Friedhof.

Blumen für den Abschied

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Mit 71 und 76 Jahren längst im Rentenalter, sind Monika und Rainer Volk regelmäßig mit Gießkanne und Harke bei der Pflege und Bepflanzung von Gräbern zu sehen. In Großen-Buseck ist "Blumen-Volk" eine feste Größe - seit mittlerweile 100 Jahren.

Drei Kinder - kein Nachfolger! Aber alle sind erfolgreich und glücklich in ihren gewählten Berufen … was will man mehr?!" Mit diesem Satz neben einem Familienfoto endet die aufwendige Broschüre, die die 100-jährige Geschichte von "Blumen-Volk" in Großen-Buseck dokumentiert. Monika udn Rainer Volk haben davon ein halbes Jahrhundert Firmengeschichte geschrieben und dabei die geschäftliche und räumliche Ausrichtung stets dem Wandel der Zeit angepasst. Mit 71 und 76 Jahren längst im Rentenalter, sieht man sie immer noch mit Gießkanne und Harke bei der Pflege und Bepflanzung von Gräbern, auch Trauerfloristik wird noch angefertigt.

Anfang auf Gießener Wochenmarkt

Obwohl die Eheleute im Vereinsleben sehr aktiv sind (Turn- und Gesangverein), können sie die Hände nicht in den Schoß legen. "Solange die Gesundheit mitspielt und die Arbeit Spaß macht, machen wir weiter", sagen beide unisono. "Bewegung hält jung und fit."

"Mein Großvater Heinrich hat in der Schlossgärtnerei des Barons von Nordeck zur Rabenau gelernt. Es ist überliefert, dass er als Lehrling kein heruntergefallenes Obst aufheben und essen durfte. Wehe …" sagt Volk und mahnt mit dem Zeigefinger. 1919 hatte Heinrich Volk II. schließlich seine eigene Gärtnerei gegründet. Er baute Gemüse auf dem Gelände "Hinter dem Burghof" an. Das Grundstück im Beuerner Weg, wo sich heute das Johanniterstift befindet, erwarb er von einem Verwandten (Wilhelm Klinkler). Sein Sohn Karl sollte den so erweiterten Betrieb einmal übernehmen. Als dieser nicht aus dem Krieg zurückkehrte, entschied sich Ernst Volk (Jg. 1916) zu einer gärtnerischen Ausbildung; 1948 legte er die Meisterprüfung ab. Rainer Volk trat als ältester von drei Söhnen in die Fußstapfen des Vaters.

Die Gärtnereierzeugnisse wurden anfangs ausschließlich auf dem Gießener Wochenmarkt (zweite Laube links) abgesetzt. Der Transport erfolgte zunächst mit der Eisenbahn, dann etliche Jahre mit dem Pferdewagen. Später wurde im Geschäftshaus am Anger 5 ein Laden zum Verkauf von Obst und Gemüse und eine Samenhandlung eingerichtet. Hier war zeitweise die Poststelle untergebracht, der Großvater war damit Gärtner und Poststellenleiter in einer Person.

Anfang 1950 wurde "Blumen-Volk" Mitglied bei Fleurop. Dafür wurde sogar im Großen-Busecker Kino geworben. 1950 stand der Umzug in das neue Geschäftshaus Ecke Wilhelmstr./Mollner Str. (damals Talstr.) an; Mutter Margarete ("Volks Gretche") bediente im Laden. Der Friseurladen Scherer bezog Räume unter dem gleichen Dach. 1967/1968 entstand der Anbau mit dem Edeka-Markt und einem modernen Blumengeschäft. 1968 legte Rainer Volk die Florist-Meisterprüfung ab und heiratete Monika geb. Schmidt. Diese absolvierte nach ihrer kaufmännischen zusätzlich eine floristische Ausbildung.

In den Siebzigerjahren entstanden zwei große Gewächshäuser. Als dem Gärtner- und Floristmeister neben der Führung des Blumenfachgeschäftes und einer inzwischen aufgenommenen Tätigkeit als Fachlehrer an der Berufsschule nicht mehr genügend Zeit für die Arbeit in der Gärtnerei blieb, wurde diese für einige Jahre verpachtet. Nach der Aufgabe des Edeka-Marktes 1980 wurde das Blumengeschäft auf die gesamte Fläche erweitert. Nun war genügend Platz, um sich intensiv der Hochzeits- und Trauerfloristik sowie Dekorationen zu widmen. Auch die Ausbildung von Floristen war stets ein wichtiger Bestandteil. Als Rainer Volk das offizielle Rentenalter erreichte und kein Nachfolger in den Startlöchern stand, entschied man sich, das Ladengeschäft aufzugeben und sich nur noch der Grabpflege und Trauerfloristik zu widmen. (siw/Foto. siw)

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