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»Bald ist alles gelb«, prognostiziert Kreisbauernverband-Geschäftsführer Hans-Martin Sames. Bedingt durch die Kälte im April mit etlichen Nachtfrösten setzt die Rapsblüte - wie hier bei Langgöns - mit Verzögerung ein.

Blüten in Wartestellung

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
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Die üppige Blütenpracht lässt noch auf sich warten: Normalerweise überzieht eine satte »Rapsodie in Gelb« von Anfang April bis Ende Mai weite Teile des Gießener Landes. Wegen des verzögerten Wachstums der Pflanzen machen sich die hiesigen Landwirte indes kaum Sorgen.

Wir haben hier so eine Art ›Vorblüte‹ in Mittelhessen«, beschreibt Hans-Martin Sames das aktuelle Bild auf den Rapsfeldern. Mit Blick auf den Kalender ist es dem Geschäftsführer des Bauernverbandes Gießen/Wetzlar/Dill nicht bange: »Bald ist hier alles gelb«, prophezeit er.

Die Kälte im April mit vielen Nachtfrösten hat das Wachstum der Rapspflanzen und den Beginn ihrer Blüte verzögert - im Vergleich zum Vorjahr jedenfalls. Landwirtschaftsmeister Ingo Schmalz (Hungen) betrachtet die Entwicklung differenziert: »Eigentlich ist das heute normal. 2020 kam der Raps sehr früh, Ende März hatten wir damals 25 Grad, und am 1. April blühte der Raps bereits.« Die »gefühlt« späte Blüte 2021 sei eine reguläre Schwankung in der Vegetationsphase, sagt auch Schmalz’ Berufskollege Daniel Seipp (Muschenheim). Überdies habe die Kühle auch ihre Vorzüge: So falle das Aufkommen von Schädlingen wie etwa dem Rapsglanzkäfer oder dem Rapsstängelrüssler kaum ins Gewicht.

Nun Wärme, Sonne und Regen nötig

Dass die Nutzpflanze Wetterkapriolen gut kompensieren kann, hat sich beispielsweise in der vergangenen Saison gezeigt. Rapspflanzen, die zunächst wegen der seinerzeit anhaltenden Trockenheit nur aus einem langen, dürren Halm bestanden, bekamen noch zum richtigen Zeitpunkt genügend Regen ab und entwickelten sich gut. »Bei der Ernte gab es dann zwar nicht so viele, dafür aber größere und schwerere Körner«, erläutert Schmalz. Aktuell habe sich der Raps gut entwickelt: »Die Böden sind schön feucht. Jetzt hoffen wir auf Wärme und Sonne und darauf, dass genügend Niederschlag kommt«. Größte Sorge der Landwirte ist, dass es nun warm werden und dann drei, vier Wochen in Folge nicht regnen könnte - das hätte auch gravierende Folgen fürs Getreide.

Die weltweit gestiegene Nachfrage nach Pflanzenöl - neben Raps etwa auch nach Sonnenblumen und Soja - macht sich für die hiesigen Landwirte positiv bemerkbar. Sie erzielen Weltmarktpreise.

Ingo Schmalz, der auf gut 65 seiner 300 Hektar großen Betriebsfläche Raps anbaut, freut sich: »Ich habe meine Rapsernte 2021 schon so gut wie verkauft.« Wer aktuell noch über »alte« Ware verfüge (»es gibt aber kaum noch jemanden«), dürfe mit rund 50 Euro pro 100 Kilo rechnen; noch vor vier bis fünf Jahren haben diese Menge etwa 35 bis 37 Euro gebracht. »Raps ist teuer geworden, es gibt richtig viel Geld dafür. Es ist schon ein gutes Gefühl, wenn man sein Produkt gut bezahlt und einen fairen Preis dafür bekommt«, sagt der 44-Jährige.

Auch der Preis für Getreide sei merklich angezogen: »Jetzt gibt es 20 Euro pro Doppelzentner - davon war vor einem halben Jahr (mit rund 15 Euro; die Red.) nicht zu träumen«, resümiert der Hungener. »Ich bin keiner, der jammert«, sagt er. »Wenn wir gerechte Preise erhalten, dann brauchen wir auch keine Ausgleichszahlungen.« Der Ackerbau des Betriebs am Rande des Vogelsbergs basiere auf der intensiven Bodenbewirtschaftung, etwa durch das Ausbringen von Mist und Kompost. Damit Raps auch in Vollblüte gesund bleibe und vom Befall durch die Kohlschotenmücke verschont bleibe, sei zu gegebener Zeit Vorsorge zu treffen. »Da müssen wir einmal durch«, beschreibt Schmalz das Ausbringen eines Fungizids, das im Vergleich zu den in früheren Zeiten ausgebrachten Insektiziden den Schutz der Bienen zum wichtigen Aspekt macht.

»Raps ist eine wertvolle Kulturpflanze, deren Leistungen Bienen, Verbrauchern und Landwirten zugutekommt«, hatte zu Wochenbeginn auch Karsten Schmal, der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, vor Pressevertretern anlässlich eines Ortstermins im Hochtaunuskreis betont. Von einem Hektar Raps könnten im Durchschnitt 40 Kilo oder 80 Gläser Rapshonig gewonnen werden. Aus dem Durchschnittsertrag von einem Hektar Raps - etwa 4000 Kilo - können in Ölmühlen rund 1600 Liter Rapsöl oder Biodiesel sowie aus dem Pressrückstand 2400 Kilo Rapsschrot hergestellt werden. Und: Bauern leisten mit dem Rapsanbau auch einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz, denn mithilfe der Sonnenenergie nimmt der Raps beim Wachstum auf dem Feld CO2 auf und speichert es in der Pflanze. Die »Rapsodie« kann kommen.

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