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Seit zehn Jahren gilt der Feldhamster als stark gefährdete Art. In Langgöns leben die zwei größten verbliebenen Populationen in Hessen.

Blühflächen im Hamsterdorf

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Es benötigt einiges an Glück und Geduld, um im Kreis Gießen einen Feldhamster oder ein Rebhuhn zu beobachten. Die Arten sind stark vom Aussterben bedroht. Das Land stellt nun 700 000 Euro zur Verfügung, um Lebensraum für die Tiere zu schaffen. Ein Schwerpunkt ist das südliche Kreisgebiet.

Martin Wenisch muss für einen Moment überlegen. Auf die Frage, wann er das letzte Mal einen Feldhamster auf einem Langgönser Acker gesehen hat, antwortet der ehrenamtliche Tierschützer dann: "Das ist ein knappes Jahr her." Feldhamster sind scheu. Vor allem aber sind sie stark vom Aussterben bedroht, sie zählen zu den seltensten Säugetieren in Deutschland. Nun hat das Land Hessen mit einem Budget von 700 000 Euro ein Projekt gestartet, um neuen Lebensraum für Feldhamster, Rebhühner und Feldlerchen zu schaffen. Ein Schwerpunkt liegt im südlichen Kreisgebiet in Pohlheim, Linden, Hüttenberg und Langgöns.

Auf einem Gebiet von 3500 Hektar überwiegend landwirtschaftlich genutzter Fläche sollen kleine Blühflächen und Stellen entstehen, auf denen das Getreide bis Oktober nicht geerntet wird. Zwischen den hohen Halmen können sich Feldhamster vor Raubvögeln verstecken. Auch das Anlegen von Hecken und die Pflege von Randflächen sollen gefördert werden. Landwirte, die so Lebensraum für die bedrohten Tierarten schaffen, erhalten einen finanziellen Ausgleich, für Blühflächen zum Beispiel 750 Euro pro Hektar.

An dem Projekt nimmt auch der Langgönser Jörg Müller teil. Als Landwirt denke man beim Ackerbau zuerst an den Anbau von Getreide und an Energieproduktion, erklärt er. Durch die Initiative des Umweltministeriums aber werde die Vielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen gefördert. "Der Schutz bedrohter Arten ist mir ein persönliches Anliegen", fügt er hinzu. "Wenn man auf dem Feld auf Rebhühner trifft, dann ist das einfach ein schöner Anblick."

Umweltministerin Priska Hinz stellte das Projekt am Mittwoch in Langgöns vor. "Wir müssen den dramatischen Verlust von Tier- und Pflanzenarten im offenen Land stoppen", sagte sie. Hecken, blühende Ränder an Feldwegen und brachliegende Flächen verschwinden zunehmend. Tiere seien bedroht, "weil ihr Lebensraum sich durch die immer intensivere Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen stark verändert hat." Ziel der Initiative sei, "dass es am Ende hier in Langgöns mehr Feldhamster als heute gibt."

In dem hügeligen Schwerpunktgebiet im Kreis Gießen gab es vor dem Start des Projekts 17 Hektar an Blühflächen. Im März habe man begonnen, mit den dort beheimateten 126 Landwirten Gespräche zu führen, sagte die Koordinatorin des Projets, Vanessa Eckert. "Inzwischen sind elf Hektar Blühfläche hinzugekommen."

Langgöns ist auch als "Hamsterdorf" bekannt. Unter mehreren Äckern existieren dort komplexe unterirdische Höhlensysteme von Feldhamstern. In Langgöns leben die zwei größten verbliebenen Populationen in Hessen. Seit beinahe zehn Jahren gilt der Feldhamster als stark gefährdete Art. Bedroht sind die Tiere vor allem durch den Menschen. Zwar sind die Zeiten vorbei, in denen Bauern Belohnungen für jeden getöteten Hamster aussetzten, weil diese ihnen die Ernte wegfraßen. Pflugmaschinen, die immer größer und effektiver werden, zerstören jedoch häufig die unterirdischen Bauten der Nagetiere und ernten zudem die Nahrungsquelle, das Getreide, oftmals zu früh ab.

"Wir haben immer einen schweren Stand gehabt", sagt Hamsterschützer Wenisch. Mit seinem Engagement sei er lange Jahre von politischer Seite kaum wahrgenommen worden. "Das Projekt des Landes und die Hilfe des Ministeriums heben unser Anliegen auf ein anderes Niveau." (Foto: dpa)

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