"Bildung findet im Dialog statt"

  • vonLena Karber
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Herr Denker, welche Online-Kurse liefen in der Corona-Zeit besonders gut?

Eines möchte ich vorweg sagen: Mir hat es imponiert, dass so viele Lehrkräfte im Frühjahr offen waren, sich kurzfristig weiterzubilden, um das eigene Bildungsangebot per Videokonferenzsystem fortzuführen beziehungsweise neue Angebote zu entwickeln. Auch das Team der Geschäftsstelle hat tolle Arbeit geleistet.

Das ist auf jeden Fall lobenswert. Aber welche Kurse haben Sie positiv in Erinnerung?

In positiver Erinnerung sind mir zum Beispiel die Lesungen mit Pedro Haferman und Daniel Schneider. Hier konnten wir Teilnehmergruppen ansprechen, die bislang noch keine Erfahrungen mit der Volkshochschule hatten. Oder aber in einem Schwedischkurs wurde eine Schulleiterin aus Schweden zugeschaltet, um das schwedische Schulsystem kennenzulernen. Es wurden außerdem mehrere vierwöchige Deutschkurse online mit guter Resonanz und gutem Lernerfolg durchgeführt. Und in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit haben wir mehrere Veranstaltungen zum Thema "Krise als Chance" angeboten, in denen sowohl die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als auch die Entwicklung beruflicher Perspektiven eine Rolle spielten.

Und welche Kurse kamen weniger gut an?

Keine gute Resonanz hatten wir bei reinen E-Learningkursen, bei denen Teilnehmende alleine anhand von bereitgestellten Texten oder Videos lernen.

Was sind die Vorteile des digitalen Lernens?

Ein großer Vorteil digitalen Lernens ist - für digital affine Gruppen - der barrierearme Zugang. Der "Kurs auf der Couch". Bei unseren Onlinekursen nehmen zum Beispiel Menschen aus Biebertal, Laubach und Langgöns teil. Das wäre bei wöchentlich stattfindenden Kursen in der Präsenz kaum denkbar, da die Wegstrecken zum gemeinsamen Unterrichtsort sehr lang wären.

Das hört sich nach einem Aber an?

Genau: Gelungenes Lernen geschieht sehr häufig in der direkten Begegnung. Da müssen wir bei Online-Veranstaltungen Abstriche machen. In einem Sprachkurs lassen sich grammatikalische Regeln oder Ausspracheübungen gut online abbilden, aber Sprechkompetenzen können in der direkten Begegnung wirkungsvoller ausgebildet werden.

Welche Lehren ziehen Sie aus den vergangenen Monaten?

Bildung findet im Dialog, in der direkten Begegnung statt. Dafür steht auch unsere VHS. Aber es ist hilfreich, auf digitale Inhalte beim Lernen zurückgreifen zu können - auch in Präsenzkursen. Das Digitale kann Lernprozesse bereichern. Es ist aber kein Selbstzweck, sondern muss gezielt in pädagogische Konzepte eingebunden werden.

Schauen wir auf die kommenden Monate: Welche Ziele und Erwartungen haben Sie?

Ich wünsche mir, dass wir alle auf uns und unsere Mitmenschen achten und gesund bleiben. Dazu gehört, dass wir die gängigen Hygieneregeln umsetzen. Und dann arbeiten wir daran, dass unsere VHS auch in diesem Herbst wieder ein gefragter Lern- und Begegnungsort für Menschen aus dem gesamten Landkreis ist - sowohl in der Präsenz als auch digital. lkl

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