+
Nils Brandt und Ina Herbold haben am Ideenwettbewerb "Glück und Glücklichsein" teilgenommen. Stehend Manuela Krompholz (stellvertretende Leitung des arbeitspädagogischen Bereiches), rechts Geschäftsführer Martin Evenius.

Zeit und Raum für Entwicklung

  • schließen

Biebertal (so). Wo gibt es eine Holzwerkstatt? In der Sonnenstraße. Wo gibt es Hundetherapie? In der Sonnenstraße. Und wo ist die Sunstreet Family zu Hause? Erraten…

Seit 40 Jahren gibt es die "Sonnenstraße" in Biebertal, ein Übergangsheim für Jugendliche und junge Erwachsene mit Problemen. Eine Heimat auf Zeit, die Raum und Chancen zur Orientierung bietet. Die "Sonnenstraße" findet sich an der Karlstraße, an der Hardt, am Dreimärker - und selbstverständlich an der Sonnenstraße selbst.

Der Name ist zugleich ein Stück weit Programm: Denn Ziel der Einrichtung in Rodheim-Bieber ist es, Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischer Erkrankung, Verhaltensauffälligkeiten oder Entwicklungsverzögerungen wieder auf die Sonnenseite zu bringen, oder wie es Leiter Martin Evenius formuliert: "Seit 40 Jahren bietet die Sonnenstraße in Rodheim-Bieber jungen Menschen eine Perspektive." Ziel der Arbeit, so sagt der Fachmann, ist die persönliche Stabilisierung und Verselbstständigung sowie die schulische, berufliche und soziale Integration der jungen Menschen.

Das fun ktioniert vor allem durch die persönliche und familiäre Atmosphäre. "Wir bieten das notwendige Umfeld, damit die jungen Menschen sich wohlfühlen und entwickeln können", sagt Evenius.

1979 gründeten Wilhelm und Ursula Röwekamp das Übergangsheim für psychisch erkrankte Jugendliche im Rodheimer Hohlweg, eben an der Ecke zur Sonnenstraße. Röwekamps pädagogisch-therapeutischer Ansatz: Den jungen Leuten ein strukturiertes, aber offenes Wohnumfeld zu bieten und sie an die Arbeitswelt heranzuführen. Zwölf Plätze gab es seinerzeit. 16 Jahre später, 1995, übergab Röwekamp sein Unternehmen an den damaligen Jugendpfleger der Gemeinde Biebertal, Martin Evenius. Der Gründer, heute 88 Jahre alt und im Niedersächsischen beheimatet, lässt sich von Evenius nach wie vor über die Einrichtung auf dem Laufenden halten. Der Bedarf wuchs in den vergangenen Jahren - und damit auch die "Sonnenstraße". Heute bietet die Einrichtung Raum für 132 Klienten; 92 Mitarbeiter sind für sie da. Wohl über 750 junge Menschen haben seither mit der Unterstützung in Biebertal einen stabilen Weg in ein eigenständiges Leben gefunden. Die Klienten sind in der Regel zwischen 14 und 27 Jahren alt, die meisten wohnen zwei oder drei Jahre in einer der Wohngruppen der Einrichtung.

Mittlerweile zählen zur "Sonnenstraße" drei vollstationäre Wohnheime mit insgesamt 64 Plätzen, das ambulante Betreute Wohnen sowie als dritte Säule der arbeitspädagogische Bereich: Arbeiten mit Holz, kreatives Gestalten, Umgang mit dem PC oder auch Hauswirtschaft bereiten auf den Einstieg in die weitere Ausbildung oder in den Beruf vor. Dabei ist die Einrichtung gut vernetzt: So gibt es seit vier Jahren eine gute Kooperation mit der lokalen Seniorenwerkstatt, die zugleich die Räume an der Karlstraße mitnutzt.

Einbettung in lokale Strukturen

Auch für die Freizeit werden den Klienten Projekte und Aktionen angeboten. Es gibt beispielsweise ein Hundetherapie-Angebot, Sport-, Spiel- und Kulturaktivitäten oder das Musikprojekt "Sunstreet Family". Zentral bei allem ist die Einbettung in die lokalen Strukturen. "Der Kontakt zu Vereinen oder Unternehmen vor Ort eröffnet den jungen Menschen die Möglichkeit, sich im gemeinschaftlichen Leben einzubringen und schafft auf der anderen Seite Akzeptanz", sagt Evenius.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare