Wohin mit den ganzen Autos?

  • Rüdiger Soßdorf
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Biebertal(so). Sie werden immer breiter und länger - und vor allem werden es immer mehr: Autos werden in den alten Ortskernen zunehmend zum Problem. Denn dort ist die Bebauung eng, und wenn dann noch mit Scheunenausbau etc. nachverdichtet wird, gibt es schnell Stress mit den Stellplätzen in den Straßen und an respektive auf den Gehwegen. Anwohner parken sich gegenseitig zu, die Feuerwehr kommt nicht durch; bei Bürgermeisterin Patricia Ortmann ist es mittlerweile Dauerthema in den Bürgersprechstunden.

Es ist beileibe kein spezi- fisches Problem von Biebertal: Andere Kommunen plagen die gleichen Sorgen. Wie etliche andere auch, will die Gemeinde Biebertal jetzt nachsteuern und passt ihre Stellplatzsatzung an. Darin ist geregelt, wo wie viele Stellplätze ausgewiesen sein müssen.

Die bestehende Satzung stammt aus dem Jahr 2008; eine Neuauflage wird derzeit in den Gremien beraten; so am Dienstag im Bau- und Verkehrsausschuss. Dabei orientiert sich die neue Fassung an der Mustersatzung des Hessischen Städte- und Gemeindebundes. Die Ausschussmitglieder haben sich einhellig für die Neuregelungen ausgesprochen. Mitte September soll die Gemeindevertretung über die neue Satzung abschließend befinden. Diese tritt dann zeitnah in Kraft.

Was wird sich ändern? So soll in Biebertal künftig gelten, dass für jede Wohneinheit (Haus oder Wohnung) größer als 50 Quadratmeter mindestens zwei Stellplätze vorhanden sein müssen, bei kleineren Single-Apartments nur einer. Und: Stellplätze müssen künftig 5,50 Meter lang und 2,75 Meter breit sein, um den immer größeren Autos Rechnung zu tragen (bislang 5 und 2,50 Meter). Das zielt nicht nur auf die beliebten SUV ab, die mehr Platz brauchen: Auch Golf, Astra und Co. sind heute deutlich voluminöser als ehedem Käfer und Kadett.

Wichtig dabei: Die Neuregelungen gelten nur für Neu- oder Umbauten. Der Bestand wird nicht berührt. Und Ausnahmen von der Satzung sollen möglich sein. Über Ausnahmegenehmigungen entscheidet im Einzelfall der Gemeindevorstand.

Ein weiteres Ärgernis, das im Fachausschuss thematisiert wurde: Nicht selten sind zwar Garagen vorhanden, werdenden aber als Abstellraum genutzt - und das Auto steht "uff de Gass". Die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Inge Mohr, dazu: "Das ist eine Frage des Ordnungsamtes. Das muss dann kontrollieren, dass Garagen auch nutzbar sind und nicht voller Gerümpel." Wobei dies freilich nur in der Theorie so leicht klappt. Die Umsetzung dürfte sich eher schwierig gestalten.

Just das meinte auch Bürgermeisterin Patricia Ortmann, die die neue Satzung, welche die alte Fassung aus dem Jahr 2008 ablösen soll, mit den Worten kommentierte: "Der Gemeindevorstand hat das alles lange beraten und abgewogen. Das muss nämlich nicht nur auf dem Papier passen, sondern vor allem in der Praxis."

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