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Rainer Rau

Wenn Menschen zu willenlosen Mordwerkzeugen werden

  • VonVolker Mattern
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Biebertal (m). »Willenlos« heißt ein Krimi von Rainer Rau. Der Spendenausschuss zur Finanzierung der Restaurierung des Kirchendaches hatte den heimischen Buchautor gewinnen können, um aus seinem neunten, aber nicht neuesten Buch in der Fellingshäuser Kirche vorzulesen.

Zuvor jedoch gab der 69-jährige gebürtige Troher den knapp 30 Besuchern etwas von seiner Vita preis, denn man will ja schließlich wissen, mit wem man es zu tun hat. Dass er spontan zugesagt hatte, mag an der Tatsache liegen, dass er vor fast 50 Jahren im Fellingshäuser Gotteshaus mit seiner Frau den Bund fürs Leben schloss, wie er verriet. Das verpflichtet ein wenig, aber Rau ist bekannt als rühriger und geselliger Mensch, der sich vielfältig in Biebertal ehrenamtlich engagiert.

Eine Parallele zur Kirche aus dem Thriller abzuleiten, mag die Tatsache sein, dass darin mit dem Kölner Dom ebenfalls ein sakrales, aber weitaus bedeutenderes Bauwerk eine gewichtige Rolle spielt.

Mit dem Namen des seit 1972 in Bieber beheimateten Buchautors ist vor allem die Arbeit im Vorstand des Gewerbevereins und sein Engagement um den Erhalt des Familienbades Biebertal verbunden. Einen Weinhandel betreibt er seit gut vier Jahrzehnten, da war es selbstverständlich, dass zum Hörgenuss die Gäste auch ihren Gaumen mit ein paar erlesenen Tropfen verwöhnen konnten. Vom Verkaufserlös ging ebenfalls ein Teil als Spende in die Kirchendachfinanzierung. Rau verzichtete auf seine Gage, ebenso Dieter Faust, der die Lesung musikalisch begleitete.

Das perfekte Verbrechen könnte es geben, wenn die Tat unter Einfluss von Hypnose steht. Zum Inhalt: Menschen werden zu willenlosen Mordwerkzeugen und verbreiten Angst und Chaos, so der Plan jenes Mannes, der im Buch als der Magier beschrieben wird. Dessen Idee als Auftragsverbrecher ist es, dass die durch ihn in Hypnose versetzten Personen den Kölner Dom durch Sprengung zum Einsturz bringen und dadurch den Tod vieler Menschen in Kauf nehmen.

Rau ist bekennender Kritiker von Krimis, insbesondere den zahllosen Tatorten, die fast allabendlich über die Fernsehkanäle flimmern. Er behauptet und belegt, vieles von den dort gezeigten technischen Abläufen und Handlungen sei falsch und sinnverfälscht. Dinge, die in seinen Krimis seiner Fantasie entspringen, haben in vielen Passagen einen reellen Bezug, denn Rau zapft durch gute Bekanntschaften zu Kriminalbeamten und Ärzten Quellen an und verwertet die Infos.

Der Autor lässt den Leser bzw. den Zuhörer mit einem roten Faden teilhaben an seinen Gedankengängen, die er an seine Protagonisten im Buch überträgt. Die so erzeugte Spannung war in der Fellingshäuser Kirche spürbar. Neben erfundenen Handlungen wurde um ein Grundgerüst ein hochbrisantes, ernsthaftes Thema behandelt.

Pfarrer Daniel Schweizer und Monika Ruppert vom Kirchenvorstand dankten Krimiautor und Musiker mit einem kleinen Präsent. Das Spendenaufkommen an diesem Abend betrug 355 Euro.

Ein Spendenkonto der Kirchengemeinde ist bei der Volksbank Heuchelheim unter der IBAN DE66 5136 1021 0204 7720 83 eingerichtet. FOTO: M

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