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Volker March führt Landrätin Anita Schneider und Lahn-Dill-Repräsentant Roland Esch (r.) durch seinen Betrieb.

Unterstützung für Umstellung auf "Öko"

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Biebertal (se). Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe, die auf "Öko" umstellen, steigt auch in Hessen. Zur Förderung des ökologischen Landbaus gibt es hierzulande acht Regionen, die sich auf Initiative des Landes gebildet haben. Eine davon ist die Öko-Modellregion Lahn-Dill-Gießen, die seit dem vergangenen Jahr besteht und ihre Aufgabe darin sieht, interessierte konventionelle Betriebe bei der Umstellung zur Seite zu stehen, die "Vernetzung der bestehenden ökologisch wirtschaftenden Betriebe" und damit auch die Vermarktung zu fördern.

Durch neue Strukturen soll ein zukunftsfähiger ökologischer Landbau in der Region sichergestellt werden. Gefördert wird dieses Projekt vom Land Hessen zu 75 Prozent (max. 50 000 Euro pro Jahr). Es ist zunächst auf zwei Jahre mit einer Option auf zwei weitere ausgelegt. Die Landkreise Gießen und Lahn-Dill haben dabei zusammen 25 Prozent der Gesamtkosten zu übernehmen.

Am gestrigen Donnerstag wurde auf dem Hof von Volker, Ellen und Sebastian March in Rodheim-Bieber die Modellregion Lahn-Dill-Gießen mit einem Anteil von 25,2 Prozent an ökologoisch bewirtschafteter Fläche vorgestellt. Dass diese Einrichtung nicht "unter ferner liefen" abgetan wird, beweist die Tatsache, dass in Landrätin Anita Schneider (Gießen) und in Roland Esch, dem ersten Kreisbeigeordneten des Lahn-Dill-Kreises, zwei der führenden Repräsentanten der Vorstellung beiwohnten.

Schulverpflegung im Visier

In der Diskussion unter den Gästen wurde eines klar: "Öko-Produkte müssen auch vermarktet werden und in der Region Anbieter finden", sagte Schneider. "Und diese Produkte müssen schließlich auch für Großkunden interessant sein." Selbst wenn bereits starke Partner vorhanden seien, bleibt das eines der wichtigsten Zielen. Die Landrätin denkt bei ihrer Forderung unter anderem an die Schul- und Kindergartenverpflegung durch die ZAUG. Der Preis der Produkte sei dabei nicht das "erste Thema". Qualität, Logistik und Vereinfachung der Weiterverarbeitung spielten eine wichtige Rolle.

Tim Treis, Sprecher Ökologischer Landbau Hessen, machte eine andere Rechnung auf: "Geschnetzeltes statt Schnitzel - das sind 40 Prozent weniger Fleisch."

Ökobauer Henner Böhm sieht seine Berufskollegen "in der Produktion gut aufgestellt". "Auch die Abnehmer haben wir", stellte der Landwirt aus Ehringshausen fest. Das Problem liege vielfach in der Verarbeitung der Produkte. So hätten aufgrund der Auflagen, die kleine Betriebe gar nicht erfüllen könnten, Metzgereien "vor Ort" schließen müssen. "Öko" bedeutet also nicht nur Erzeugung, sondern auch entsprechende Verarbeitung und Vermarktung. Hier sieht man noch Nachholbedarf an Lahn und Dill.

Margot Schäfer, Abteilungsleiterin für den ländlichen Raum in den beiden Kreisen, berichtete, dass in Hessen das Pilotprojekt "Extrawurst" ins Leben gerufen worden sei. Dabei handelt es sich um die Möglichkeit einer "teilmobilen Schlachtung". Den Tieren bleibt ein stressreicher Transport in ein Schlachthaus erspart, und das Fleisch befindet sich in der Region, in der es erzeugt und auch vermarktet wird.

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