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Vier Gehöfte gruppieren sich um einen Dorfplatz; ein fünftes findet sich einen Steinwurf entfernt: Hof Haina. FOTO HENSS

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Tief im Westen - Als Bomben auf Hof Haina fielen

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Hof Haina liegt im äußersten Westen des Kreises Gießen - ein Weiler mit fünf Gehöften. Warum in den letzten Kriegstagen Bomben auf Haina fielen, das ist bis heute ungeklärt.

Welch ein Idyll! Rund zwei Dutzend Häuser, Scheunen und Nebengebäude sind in Hof Haina versammelt. Fünf Höfe bilden den Weiler nahe des Dorfes Bieber. Heute liegt Haina ein paar Meter abseits der Straße, die von Bieber aus durch den Wald Richtung Waldgirmes führt. Das macht das Leben dort ruhig und entspannt in einem der westlichsten Zipfel des Kreises Gießen.

Reges Treiben herrscht dort nur an wenigen Tagen im Jahr - jüngst etwa am ersten Adventswochenende, als zum Weihnachtsmarkt nach Haina eingeladen war. Oder wenn in Biebertal alle Museen öffnen. So auch das Bauernhofmuseum in Haina, das 1973 von der kunstsin nigen und geschichtsbewussten Gisela Kraft-Schneider († 2009) eingerichtet und liebevoll betreut wurde. Ihr Lebenswerk. Heute kümmern sich ihre Nachfahren um das Kleinod, das anschaulich bäuerliches Leben und Arbeiten vergangener Jahrhunderte in Oberhessen dokumentiert. Überaus sehenswert. Alle wichtigen Infos vorab und einige Impressionen finden sich auf www.hof-haina.de

Steinzeitliche Vorfahren unterwegs

Wie alt die Siedlung in dem Tal, dem sogenannten Hainaer Gründchen, ist, das lässt sich nur vermuten. Der Fund einer rund 6000 Jahre alten Pfeilspitze im Jahr 1980 zeigt allerdings, dass dort, im Süden des Dünsbergs, bereits unsere steinzeitlichen Vorfahren unterwegs waren.

Belegt ist derweil, dass das heutige Haina bereits in fränkischer Zeit eine Vorgängersiedlung hat: Gosselshausen oder Goßlingshausen, gelegen an einer Kreuzung von Fernstraßen: der "Alten Marburger Straße" und der sogenannten "Wayn", der Wagenstraße. An diesem Kreuzungspunkt war, so sagt die Ortschronik von Bieber, ein Aus- und Vorspannplatz für Pferde, bevor diese mit schweren Wagen die Steigungen bewältigen mussten, etwa Richtung Königsberg.

In der frühen Neuzeit, um das Jahr 1400 herum, auch das findet sich in der Bieberer Ortschronik, wird Gosselshausen allerdings als Wüstung, als in Teilen aufgegebene Siedlung bezeichnet. Die vier Höfe, die heute die engere Siedlung ausmachen, sind etwa 100 Jahre später entstanden. Der fünfte Hof kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts hinzu. Dicht bei Hof Haina gibt es zudem einen kleinen Friedhof, auf dem die Bürger des Weilers zur letzte Ruhe gebettet werden

Bomben auf Bieber

Helmut Failing vom Heimatverein Rodheim-Bieber hat zudem sehr detailliert ein trauriges Kapitel in der Geschichte des ansonsten an großen Ereignissen armen und beschaulichen Weilers dokumentiert: Als in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges Bomben auf Bieber fielen, da waren auch auf Haina drei Todesopfer zu beklagen. Irmgard Osterwald aus Gießen war nach den Luftangriffen auf die Stadt im Dezember 1944 mit ihrem Sohn Hans-Wolfgang aus Gießen zu ihrer Freundin Hildegard Lenz auf das vermeintlich sichere Land gezogen. Als das Wohnhaus des Lenz’schen Hofes von einer Fliegerbombe getroffen wurde, starben die beiden jungen Frauen und das noch nicht einmal zweijährige Kind.

Warum an jenem 14. März 1945 Bomben auf Bieber fielen, das ist laut Failing bis heute nicht zweifelsfrei geklärt. Haben sich amerikanische Bomber auf dem Heimflug ihrer noch nicht abgeworfenen Bomben entledigt? Wurde der Bieberer Rimberg mit dem Rimberg südlich von Kirchheim verwechselt, auf dem sich militärische Anlagen befanden? "Wir wissen es nicht", sagt Failing, Jahrgang 1938, der die Ereignisse noch in Erinnerung hat.

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