Mit Dünsberg-Blick: Der Sportplatz in Krumbach liegt reizvoll, ist aber derzeit kaum frequentiert. FOTO: SO
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Mit Dünsberg-Blick: Der Sportplatz in Krumbach liegt reizvoll, ist aber derzeit kaum frequentiert. FOTO: SO

Lost Places

Sportplatz in Krumbach "Vorübergehend geschlossen"

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Der Krumbacher Sportplatz bietet kein schönes Bild. Das könnte sich mit dem Landesprogramm Dorferneuerung ändern.

Gelegentlich kommen heute noch ein paar Jungs aus dem Dorf auf den Platz, um dort etwas zu kicken. Auf dem benachbarten Tennisplatz hat in dieser Saison wohl auch noch niemand den Schläger geschwungen. Und im vergangenen Jahr scheinen es auch nicht sonderlich viele gewesen zu sein.

Der Krumbacher Sportplatz ist beileibe nicht das einzige brach gefallene Sportfeld im Kreis Gießen. Den Liga-Spielbetrieb haben die Aktiven des SC lange schon eingestellt. 1997 war’s wohl. "Als hier endgültig Schluss war, da war ich schon längst bei den Alten Herren in Frankenbach", sinniert Jürgen Oehler, einer der ehedem flotten Krumbacher Spieler.

Damit war dem Sportplatz ohnehin nur eine kurze Blütezeit beschieden: 1960 wurde der SC Krumbach gegründet, dessen Mitglieder damals vornehmlich Leichtathletik betrieben.

Wenig später gab es erste Initiativen seitens des Sportvereins, und es begann die Suche nach einem Gelände für einen Fußballplatz. Doch bis es so weit war, sollte noch einige Jahre ins Land gehen. Denn es gab nicht nur den Wunsch nach einem Sportplatz. Auch nach einer Turnhalle wurde gefragt. Der damalige SC-Vorsitzende Erich Hanker etwa schrieb 1967 ans Rathaus, dass ein Sportplatz für den Sportbetrieb in Krumbach "unbedingt erforderlich" sei. Doch es sollte weitere zehn Jahre dauern. Im September 1972 vermeldete die "Gießener Allgemeine": "Sportplatz wird Wirklichkeit". Mit Planierungsarbeiten sei oberhalb der Schule begonnen worden. Das Gelände hatte die Gemeinde mit der Kirche getauscht.

Nach der Eingliederung in die Großgemeinde Biebertal wurde 1974 zuerst die Mehrzweckhalle gebaut, in der der SC bis heute Tischtennis, Gymnastik und vieles mehr anbietet. Der Sportplatz wurde wieder "hinten angestellt".

Der damalige Bürgermeister Helmut Bechlinger von den Freien Wählern verwies auf die angespannte Finanzlage. Die lege der Gemeinde gewisse Beschränkungen auf. Im Sommer 1977 vermeldete diese Zeitung, dass im Rahmen der Sportförderung 50 000 Mark für den Sportplatz Krumbach die größte Ausgabe darstellten.

Ein Jahr später war Einweihung. Nach leichtathletischen Darbietungen gab es zum krönenden Abschluss ein Fußballspiel: Es spielten "Neubaugebiet gegen Feuerwehr"

Ab 1979 waren die Krumbacher im Ligabetrieb in der Kreisklasse mit dabei. Doch die Personaldecke war mutmaßlich dünn: Es kam bald zum Zusammenschluss mit Kirchvers. Das währte vier Jahre. Mit dem Ende der Spielgemeinschaft waren die Sorgen wohl nicht behoben: Bis 1996 wurden unterschiedliche Mannschaften gemeldet: etwa 1. Mannschaft, Alte Herren oder eine Sondermannschaft. Zudem wurde der eigene Nachwuchs gefördert: So spielten ab 1980 E-, D-, C- und B-Jugendmannschaften mit Spielern aus Krumbach, Kirchvers und Frankenbach auf dem Platz, so die Vereinchronik. Besonders die B-Jugend hatte in den letzten beiden Jahren bis 1992 einige hochtalentierte Spieler, heißt es aus dem Verein. Der Versuch, eine "Dünsberg-Jugend" gemeinsam mit Fellingshausen und Frankenbach zu gründen, schlug jedoch fehl. 1997 kam der Fußballbetrieb zum Erliegen.

Gerhard Oehler, Krumbacher Urgestein und aktiv in der SPD und im Heimatverein, erinnert sich an vielfältiges Engagement der Menschen. In den 1990ern etwa sollte direkt neben dem Sportplatz der Festplatz angelegt werden, mit Pflaster. 150 000 Mark sollte es kosten - sehr viel Geld, meinte man im Biebertaler Rathaus.

Der Sportverein sagte zu, das auch für 40 000 Mark hinzubekommen. So wurde es denn gemacht. "Letztlich haben wir der Gemeinde 100 000 DM gespart", erinnert sich Gerhard Oehler noch heute mit Stolz. Doch dieses Jahr fiel Corona-bedingt auch die Kirmes aus.

Im Jahr 2010 wurde nochmal ein neues Fußballtor angeschafft und den Jugendlichen fürs Kicken in der Freizeit zur Verfügung gestellt. "Das Tor war nicht billig, und wir bitten alle, es pfleglich zu behandeln. Wenn es kaputt ist, gibt es kein neues", sagte der damalige Vorsitzende Fred Rüspeler.

Wer heute den Krumbacher Fußballplatz auf Google Maps sucht, der findet dort die Info: "Vorübergehend geschlossen". Zuletzt wurde der Platz 2016 als Standort für eine Asylbewerberunterkunft geprüft - letztlich aber verworfen.

Bürgermeisterin Patricia Ortmann räumt ein: Aktuell gibt es keine Pläne für das Areal. Aber sie blickt nach vorn: Mit den Perspektiven, die das Landesprogramm Dorfentwicklung bietet, da sollen Flächen wie der Krumbacher Sportplatz in den Blick genommen werden. Ergebnis offen.

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