+
Schwimmeister Michael Schad demonstriert, wie einfach sich der Rollstuhl über die Treppe ins Becken fahren lässt.

Neuer Rollstuhl

So sorgt Schwimmmeister Schad für mehr Komfort im Biebertaler Familienbad

  • schließen

Menschen mit Behinderung begegnen im Alltag vielen Hürden. Schwimmmeister Michael Schad möchte, dass es davon im Familienbad Biebertal so wenige wie möglich gibt. Deshalb hat er jüngst einen besonderen Rollstuhl angeschafft.

Die Idee kam Michael Schad natürlich in einem Schwimmbad. Es ist noch gar nicht so lange her, da war er im osthessischen Biebergemünd zu Besuch. Schad beobachtete eine Szenerie, die ihn zum Nachdenken brachte. Zwei Behinderte trafen gemeinsam am Schwimmbecken ein, einer von ihnen saß in einem Rollstuhl, der speziell für den Strand gefertigt und wasserfest ist. Binnen kürzester Zeit war er im Wasser und schwamm seine Bahnen. Der andere Badegast wurde währenddessen mit einer hydraulischen Hebevorrichtung, einem Poollift, ins Becken gehoben. Das dauerte nicht nur ewig, aufwendig war es auch noch.

Nun ist Schad selber Schwimmmeister, er leitet das Familienbad Biebertal. Jenen Strandrollstuhl sah er zum ersten Mal. Für ihn war sofort klar: Er will seinen Gästen ebenso eine unkomplizierte und komfortable Möglichkeit bieten, ins Becken zu kommen. Der Strandrollstuhl schien ihm dafür genau der richtige zu sein.

Hilfe aus Berlin

Als Schad im Internet nach eben so einem suchte, stieß er auf die Herstellerseite für spezielle Krankenfahrstühle. Schad kontaktierte die Verantwortlichen. Was aus diesem Dialog wurde, lässt sich wohl am ehesten mit Hilfsbereitschaft und Dankbarkeit umschreiben. Schad wurde an Michael Ebeling aus Berlin vermittelt. Dessen Sohn Leon ist 14 Jahre alt und leidet unter einer unheilbaren Krankheit: Muskeldystrophie Duchenne (Muskelschwund). Und: Leon hatte jenen Strandrollstuhl. Vor einiger Zeit noch konnte er ihn im Schwimmbad und im Urlaub nutzen. Doch nun, aufgrund der schnell fortschreitenden Krankheit, ist er auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen. Der andere hat für ihn ausgedient.

Die Familie des Jungen verkaufte den Rollstuhl schließlich für die Hälfte des Neupreises an den Förderverein des Biebertaler Familienbades. Es ginge ihr nicht um Profit, sondern darum, anderen Menschen helfen zu können, habe Leons Vater Michael gesagt. Für gewöhnlich liegen die Kosten eines solchen Modells bei 1 200 Euro - für den Förderverein des kleinen Hallenbads viel Geld. "Ich bin dankbar und berührt von der Hilfsbereitschaft der Familie", sagt Schad.

Es beeindrucke ihn, dass Leon und seine Eltern trotz des eigenen schweren Schicksalsschlages an andere denken und versuchen zu helfen. Michael Ebeling hat gar angekündigt, mal persönlich im Biebertaler Bad vorbeizuschauen, um sich anzusehen, wie der Rollstuhl nun anderen Menschen zugute kommt.

Auch für viele Senioren geeignet

Schad erzählt, zu ihm ins Schwimmbad kommen regelmäßig eine Gruppe und drei, vier einzelne Badegäste, die körperlich behindert sind. Sie profitieren nun vom neuen Rollstuhl. Doch Schad hat auch noch eine andere Personengruppe im Sinn, wenn er über die Neuanschaffung spricht: Eine große Zahl der Besucher ist bereits recht betagt, einige sind auf Gehhilfen angewiesen, erzählt er. Auch sie können nun komfortabler ins Becken gelangen. "Wir sind froh über jeden Gast, der sich auch im hohen Alter noch viel bewegt", sagt der Schwimmmeister, bei Krankheit oder im Alter sei die Bewegung im Wasser besonders hilfreich.

Was den Rollstuhl so besonders macht? Er hat überdimensional dicke Reifen, die für einen starken Auftrieb sorgen, sobald er sich im Wasser befindet. Wer sich reinsetzt, sinkt nur langsam ins Nass und kann direkt losschwimmen. Diese Reifen ermöglichen auch, dass der Rollstuhl problemlos die Stufen in das Nichtschwimmerbecken herunter geschoben werden kann und erlauben somit auch dort einen bequemen Einstieg ins Becken.

Schad sagt, ihm ist es wichtig, dass jeder die Möglichkeit hat, sich in seinem Schwimmbad wohlzufühlen. Das Feedback der Gäste nimmt er jedenfalls ernst. Ob behindertengerechte Türen, eine zusätzliche Bank am Beckenrand oder eine Sitzgelegenheit beim Haareföhnen, Schad und der Förderverein versuchen, den Bedürfnissen der Badegäste gerecht zu werden. Und so hofft er, dass der neue Strandrolli, jene bequeme Beckeneinstiegshilfe, Menschen animiert, ins Hallenbad zu kommen, die zuvor aufgrund ihrer Einschränkungen Hemmungen hatten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare