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Als sich das Behandeln der Zähne im Ziehen erschöpfte

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Biebertal (ws). Blickfang der Ausstellung »Zahnärzte auf dem Lande« des Heimatvereins Rodheim-Bieber im Heimatmuseum ist ein historischer Behandlungsstuhl. Tafeln informieren zu den Themenkreisen »Der Zahn im Laufe der Zeit«, »Die technische Entwicklung, die die Zahnbehandlung verbesserten«, die »Historie der zahnärztlichen Versorgung in Biebertal«.

Auch die aktuell in Biebertal praktizierenden Zahnärzte Dr. Dr. Johannes Reichwein, Dr. Roland Martin, Dr. Rangolf Hoffmann, Dr. Judith Karger-Dünnes und Thomas Korn sind mit ihrem Leistungsspektrumn verzeichnet. In zwei Vitrinen sind zahntechnische und Zahnarztutensilien zu sehen.

Der Vorsitzende des Heimatvereins, Helmut Failing, hieß Bürgermeister Thomas Bender, Ortsvorsteher Hans Gerlach, die heimischen Zahnärzte und Dr. Axel Steffan aus Berstadt sowie Dr. Hartmut Schade aus Gedern willkommen, die die Exponate – vorwiegend aus den 1930er Jahren – für die Ausstellung zur Verfügung gestellt hatten.

Sein Dank galt auch dem Vorsitzenden des Obbornhofener Heimatvereins, der die professionellen Bild- und Texttafeln erstellte, Klaus Schmidt, der den Ausstellungsaufbau begleitete, sowie Inge Mohr, die die Ausstellung mit Infos und Bildern unterstützte. »Beim Studium der Vergangenheit und der Gegenwart ist interessant, dass nur ein »eingeborener« Rodheimer, Manfred Müller, in Biebertal praktizierte. Ewald Müller und Dr. Judith Karger-Dünnes kommen aus Vetzberg. Zurzeit steht wieder ein waschechter Rodheimer, Felix Schmidt, vor dem Examen.

Er sollte im Rahmen der Ausstellung mal dem Bürgermeister auf den »Zahn« fühlen, hat aber sein Examen noch nicht fertig und deshalb davon Abstand genommen«, so Helmut Failing.

Nach der Ausstellung »Arzt und Apotheke vergangener Tage« im Jahr 2009 und der jetzigen Präsentation »Zahnärzte auf dem Land« ist für nächstes Jahr eine Ausstellung zur Geschichte des »Roten Kreuzes« und übernächstes Jahr eine zum Themenkreis »Hebammen auf dem Lande« geplant, kündigte Failing an.

Bader als Ärzte der Armen

Die Zahnheilkunde führte viele Jahrhunderte ein eher stiefmütterliches Dasein. Erst ab 1725 gab es in den Deutschland offiziell den Beruf des Zahnarztes. 1910 erfolgte die Einrichtung von dentistischen Lehrinstituten. Ab 1919 gab es erst die Möglichkeit, zum Dr. med. dent. zu promovieren. 1920 wird die Dentistenausbildung anerkannt und die Bezeichnung Zahnhandwerker/Zahnkünstler abgeschafft. 1952 wird mit dem Zahnheilkundegesetz der Begriff Dentist mit Zahnarzt ersetzt. Ehedem wurde die Zahnbehandlung, zutreffender gesagt, das Zähneziehen, vom sogenannten Bader erledigt.

Bader war die Berufsbezeichnung für die Betreiber von Badestuben. Sie waren die Ärzte des kleinen Mannes, der sich keinen studierten Arzt leisten konnte. Anderseits waren sie aber bis ins 18. Jahrhundert wichtige Gehilfen der akademisch gebildeten Ärzteschaft, da diese die Behandlung von Verletzungen und offenen Wunden sowie chirurgische Eingriffe scheuten. Helmut Failing erinnert an den Gießener Scharfrichter und Bader Johann Bast, der im Buch von Dr. Jutta Failing »Vielmals auf den Kopf gehacket – Scharfrichter und Henker in Hessen« – erwähnt wird. Der Zahnersatz, spielte schon sehr früh eine wichtige Rolle in der Menschheitsgeschichte. Während man früher Probleme mit der Technik hatte, so hat man heute die Technik im Griff, nur manche können sich heute kaum noch einen ordentlichen Zahnersatz leisten. Auch der erste Präsident der USA, George Washington, hatte Zahnprobleme und hatte bei seinem Amtsantritt nur noch einen Zahn. Er bediente sich der Kunst des Dentisten John Greenwood. Auch Johann-Wolfgang von Goethe hatte als Greis Zahnprobleme.

Die Ausstellung ist noch bis zum 9. September sonntags von 15 bis 17 Uhr im Heimatmuseum geöffnet. Sondertermine für Gruppen können unter Tel.-Nr. 0 64 09/92 15 vereinbart werden.

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