Die Königsberger Schule im Originalzustand.		REPRO: WS
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Die Königsberger Schule im Originalzustand. REPRO: WS

90 Schüler in einer Klasse

  • vonKlaus Waldschmidt
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Biebertal (ws). Eine kleine Schule - was in Zeiten von Corona der Idealfall wäre, war bis 1966 Alltag in Königsberg. Bevor man allerdings allzu sehr in Romantik verfällt: Die Klassen waren deutlich größer als heute.

So verzeichnet die Schulchronik am 1. Oktober 1919, dass Lehrer Christian Heibach in Ruhestand ging. Sein Nachfolger Hermann Tamschick übernahm die einklassige Schule mit 72 Schülern.

Die Schulchronik ist dabei eine spannende Lektüre, spiegelt sie den gesellschaftlichen Wandel wider. Dass Königsberg im Oktober 1920, also vor 100 Jahren, elektrisches Licht erhielt, ist dabei ein Aspekt.

Versetzung nach Erda

1921 bekam die Schule einen Schulgarten, zwei Jahre später sprach sich die Gemeindevertretung gegen die Einführung des Kochunterrichts aus.

Die Schülerzahlen schwankten: Wurden 1924 nur 50 junge Königsberger unterrichtet, waren es 1929 exakt 90 Schüler. Dabei war der große Schulsaal eigentlich nur für 80 Kinder vorgesehen. Die Gemeinde begründete die Bauweise der Schule damit, dass der Regierungszuschuss von 2000 Reichsmark ausgeblieben sei.

Als am 1. Oktober 1932 Königsberg dem Kreis Wetzlar zugeordnet wurde, hat sich die Lage noch nicht entspannt. 1945 war die Schülerzahl mit 90 Kindern weiter hoch. Als die Amerikaner am 28. März 1945 im Ort einmarschierten, nahmen sie einen Großteil der Bücher und Instrumente aus der Schule mit.

In der Nachkriegszeit wechselten mehrfach die Lehrer. 1950 etwa nahm Lehramtsbewerber Rudolf Hollrichter seinen Dienst auf. Im ersten Dienstjahr verdiente er kaum 200 Mark. 1952 kamen nur zwei Jungen in die Schule, die von insgesamt 72 Schülern besucht wurde. In den folgenden Jahren sanken die Schülerzahlen, lagen zwischenzeitlich bei nur noch 52 Kindern. Um die Dorfschule zu erhalten und die Pläne für eine Mittelpunktschule zu stoppen, wurde in das Gebäude investiert. 1962 erhielt es einen Anbau mit Toiletten sowie einen neuen Eingang. Auch die Lehrerwohnungen wurden verbessert. Im folgenden Jahr wurde eine Öl-Zentralheizung montiert. 1964 besuchten 67 Kinder die Schule, davon 40 in der Unterstufe.

Doch die Veränderung ließ sich nicht mehr aufhalten. 1965 wurde der Gesamtschulverband »Dünsbergschule« mit Standort Erda gegründet. Am 22. August 1966 startete dort der Unterricht. Die beiden Königsberger Lehrer wurden an die Erdaer Schule versetzt.

Doch mittlerweile laufen wieder kleine Füße durch die Flure des Hauses: Die Kindertagesstätte Königsberg als Familienzentrum hat ihr Domizil in der alten Schule, die um einen Anbau erweitert wurde. Das Gebäude dient somit noch immer seiner ursprünglichen Bestimmung, dem pädagogischen Zweck.

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