Schneiders Küchen in Fellingshausen schließt seine Pforten

Biebertal (so). Kein Metzger mehr, kein Lebensmitteladen, kein Blumengeschäft mehr – und nun schließt auch das Küchenhaus vor Ort. In Fellingshausen geht ein weiteres Stück Infrastruktur verloren durch die Geschäftsaufgabe von Markus Schneider. Der junge Handwerksmeister, noch nicht einmal 40 Jahre alt, hat eigentlich keine andere Wahl, denn so traurig es klingt: Das Handwerk ernährt die Familie nicht mehr.

Dabei hat er eigentlich alles richtig gemacht – handwerklich wie kaufmännisch. Er sieht das Küchenstudio Schneider als Opfer eines Strukturwandels und eines gewandelten Marktes und Käuferverhaltens.

Derzeit läuft der Abverkauf von Küchen, Elektrogeräten, Geschirr und Accessoires. Der Juniorchef des Familien-Unternehmens hat sich bereits beruflich neu orientiert. Dabei bleibt er – gelernt ist gelernt – freilich der Branche treu und verkauft nun als Außendienstler Küchenzubehör eines namhaften Unternehmens.

Goldener Boden des Handwerks …

"Der Umsatz stimmte einfach nicht mehr", sagt Seniorchef Karlfried Schneider, und seine Schwiegertochter Marie-Kristin Schneider ergänzt, dass die "Geiz-ist-Geil"-Mentalität und das Internet ein übriges tun.

Küchenkauf im Internet? Aber ja doch. Das sei gar nicht so selten, dass der Kunde zur Beratung komme, sich aufwendige Vorplanungen machen lasse, dann die Geräte selbst im Internet bestelle oder die Küche bei Ikea kaufe und nach der Lieferung wieder im Küchenhaus vor Ort anfragen, ob man ihm denn vielleicht bei der doch nicht so einfachen Montage behilflich sein könne?!

"Da bleibt nichts hängen. Davon kann man nicht leben", sagt Vater Karlfried Schneider, und rechnet die schrumpfenden Margen vor. Handwerk hat goldenen Boden", habe es einstmals geheißen. Doch der sei nun blechern und löchrig geworden. Er klingt verbittert, wenn er konstatiert: "Es gilt nur noch der günstigste Preis. Doch wie es dem Handwerker damit ergeht, spielt keine Rolle mehr." Hinzu kommt die gelegentlich schlechte Zahlungsmoral der Kunden. Das kann auch einem Unternehmen weh tun, wenn sich die Außenstände ins Sechsstellige summieren, weil der Kunde die Bezahlung einer ganzen Küche zurückhält mit der Begründung, dass noch eine Sockelleiste fehlt.

Das Unternehmen war 1937 im Dorf in der "Beu" gegründet worden: Markus Schneiders Großvater Wilhelm baute seinerzeit eine Schreinerwerkstatt und eine Wohnung im Obergeschoss. Dann kam der Krieg mit vielfältigen Widrigkeiten, doch es gelang 1946 der Neuanfang mit einer Bau- und Möbelschreinerei. Die anfangs kleine Schreinerei, die die selbstgebauten Möbel teilweise noch mit dem Schlitten auslieferte, entwickelte sich im Laufe der Jahre zum Möbelhaus. 1969 übernahm Karlfried Schneider das Unternehmen in zweiter Generation und betrieb das klassische Vollsortiments-Möbelhaus mit Polstermöbeln, Wohnzimmer- und Esszimmermöbeln, Rahmen und Matratzen, Küchen sowie Schlafzimmern.

… ist blechern und löchrig geworden

Der 1973 geborene Sohn Markus trat in die Fußstapfen von Vater und Großvater und absolvierte ebenfalls eine Schreinerlehre. Es folgte die Meisterprüfung, und 2005 übernahm er das Unternehmen, spezialisierte sich auf Küchen.

Nun also der Wandel. Zum rechten Zeitpunkt eingeleitet, aus der traurigen Erkenntnis heraus, dass dem Geschäft angesichts von riesigen Ketten und eben Internet-Handel keine Zukunft beschieden sein kann.

Senior Karlfried Schneider, nun bald 70 Jahre alt, wird sein Unternehmen Handel und Montage von Bauelementen, Einbau von Fenstern und Türen, die Schreinerei sowie Bestattungen fortführen.

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