Heute vor 75 Jahren wurde Frankenbach bombardiert. Im Buch von Ekkehard Löw erinnern sich Frankenbacher an den Luftangriff der Amerikaner und seine Folgen. FOTO: HENSS
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Heute vor 75 Jahren wurde Frankenbach bombardiert. Im Buch von Ekkehard Löw erinnern sich Frankenbacher an den Luftangriff der Amerikaner und seine Folgen. FOTO: HENSS

Schicksalstag für Frankenbach

  • vonKlaus Moos
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Biebertal(mo). Das Dorf Frankenbach wurde am 27. März 1945 von Amerikanern bombardiert. Nach dem Flieger- angriff gab es zahlreiche Tote und zerstörte Häuser. Auch 75 Jahre später ist der traurigste Tag in der Dorfgeschichte nicht vergessen. Ein Gedenken, wie eigentlich im Rahmen des Heimatabends und des Gottesdienstes am Sonntag geplant, kann nun aufgrund der Corona-Krise allerdings nicht stattfinden.

Ekkehard Löw, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Frankenbach, lässt in einem Buch Frankenbacher zu Wort kommen, die den Fliegerangriff miterlebten. Zum Beispiel Reinhold Rein: "Die Flugzeuge kamen vom Wilsberg her auf unser Dorf zu und begannen zu schießen. Da sagte mein Vater: Lauf! Dann hörte man ein Geräusch, als ob die ganzen Dachziegel herabfielen, man sah die Funken spritzen. Es waren drei Flugzeuge. Die Angriffe dauerten etwa 40 Minuten, dann war alles vorbei."

Auch Alma Hardt erinnert sich: "Als am 27. März 1945 die Bomben gefallen waren, flüchteten wir in den Eulersgrund, andere in den Dreitrog. Gegen 10 Uhr abends, als es etwas kühler wurde, wollte ich noch einmal ins Dorf gehen. Da sah ich sehr viele Soldaten und Lastwagen. Gegen 12 Uhr, als es uns zu kalt geworden war, gingen wir mit unseren Nachbarn nach Hause. Kaum dass wir im Bett lagen, hörte ich das Brummen. Ich sagte: ›Papa, jetzt kommen sicherlich die Panzer‹. Das Gedröhne dauerte schon eine ganze Zeit lang, wir hingen eine weiße Fahne zum Fenster hinaus. Da kam ein Jeep angefahren, ein Amerikaner stieg aus, richtete die Maschinenpistole auf uns und fragte nach deutschen Soldaten." Die Soldaten saßen in einem Hof, immer wenn die Luft rein war und keine Amerikaner zu sehen, konnten einige der deutschen Soldaten flüchten.

Erna Cloos erinnert sich so: "Dieser Krieg hat mein Leben sehr geprägt. Gebe Gott, dass unser Vaterland von einem nächsten Krieg verschont bleibt. Frieden und Freiheit ist das höchste Gut eines Volkes."

Buchautor Löw erklärt, "Ereignisse, die vor 75 Jahren passiert sind, stehen noch lebendig vor Augen. Immer wenn in unserer Welt Auseinandersetzungen mit Krieg und Gewalt stattfinden, fühlen wir uns auch in unserem Dorf betroffen. Denn wir haben in Frankenbach das erlebt, was wir weit weg vermuteten und was uns umso härter betroffen hat".

Der 27. März 1945 war ein Dienstag, die Bauern hatten bereits mit der Feldarbeit begonnen. Amerikanische Verbände hatten bei Remagen den Rhein überschritten und näherten sich Hessen über den Westerwald, Siegen und Herborn, während sich die deutschen Truppen in Richtung Osten zurückzogen.

Eine größere deutsche Einheit hatte sich im Schutz des Waldes in der Eichenhardt tarnen können, als sie entgegen aller Vernunft den Befehl erhielt, sich in Richtung Osten in Marsch zu setzen. Kaum hatte die Fahrzeugkolonne Frankenbach in Richtung Krumbach und Kirchvers durchfahren, tauchten die amerikanischen Jagdbomber auf, warfen Spreng- und Brandbomben sowie Benzin-kanister ab und schossen auf alles, was sich bewegte.

Wohnhäuser im Erdaer Weg (damals Hauptstraße) und Scheunen in der Kirchstraße (damals Ortsstraße) wurden beschädigt und brannten, es gab Verletzte und Tote. Die Kirche wurde beschädigt, die Reparaturstelle ist heute noch zu erkennen. Eine alte Linde wurde zerfetzt, drei Wohn-häuser brannten völlig aus, mehrere andere wiesen starke Bombenschäden auf. Weitere Brände wurde gelöscht. Im Erdaer Weg kamen Hanna Klein geb. Wagner und Töchterchen Ursula, gerade einmal zwei Jahre alt, ums Leben.

In "Fehts Haus" starben Anna Schäfer und das 14 Monate alte Enkelkind Brigitte Elisabetha Wagner. In der Kirchstraße verlor Elisabeth Atzert ein Bein, sie starb später in Gießen in der Klinik an Wundstarrkrampf. Auch im Haus Runzheimer kehrte große Trauer ein: Die kleine Gertrud, elf Jahre alt, wurde im Elternhaus bei der Kirche von einem Geschoss getötet. Die Menschen flüchteten in den "Eulersgrund" und den "Dreitrog" und kehrten erst am nächsten Tag nach dem Durchzug der amerikanischen Truppen durch Frankenbach, der etwa sechs Stunden gedauert hatte, wieder in ihr zerstörtes Dorf zurück.

Groß waren die Bestürzung und die Trauer. Gebäude brannten, Verletzte schrien um Hilfe, angeschossenes Vieh musste notgeschlachtet werden, Feuer war zu löschen. Man war man auf der Suche nach seinen Angehörigen, in der bangen Hoffnung, dass sie den Angriff überlebt hatten. Auf dem Friedhof bettete man die toten Frauen und Kinder in ein Reihengrab.

Bewohner, die ihr Haus verloren hatten, wurden bei Nachbarn und Verwandten untergebracht, Aufräumarbeiten begannen.

"Wir wollen die damaligen Opfer nicht vergessen. Sie sind unseren Herzen nach wie vor nahe", erklärt Löw.

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