In Laubach stehen bereits Mitfahrbänke. Sogar für die Strecke nach Grünberg.
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In Laubach stehen bereits Mitfahrbänke. Sogar für die Strecke nach Grünberg.

Renaissance des Trampens

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Biebertal(so). Trampen, bis in die 70er Jahre gang und gäbe, ist heute etwas aus der Mode gekommen. Doch diese Art der Fahrgemeinschaften - oder besser Mitfahr-Gemeinschaften - könnte eine Renaissance erfahren und ein weiterer kleiner Baustein sein, um Menschen mobil zu halten. Jedenfalls just jene, denen kein eigenes Auto zur Verfügung steht und die mit den vorhandenen Busanbindungen nicht glücklich werden. Denn diese sind insbesondere im ländlichen Raum nicht unbedingt umfassend.

"Mitfahrbänke" heißt das Stichwort. Im Main-Kinzig-Kreis hat die Gemeinde Schöneck solche eingeführt. Ebsdorfergrund probiert das Modell auch gerade aus. Laubach sammelt seit 2017 Erfahrungen. Und demnächst womöglich auch Biebertal.

Dieses Angebot ist als eine Art Tramp-Station zu verstehen. "Wer auf einer Mitfahrbank sitzt, der signalisiert: Mitfahrgelegenheit gesucht", erläutert Marie-Luise Sonneborn von den Biebertaler Freien Wählern. Anstatt am Straßenrand den Daumen in die Luft zu strecken, könnten Interessenten auf der Bank auf ihre Mitfahrgelegenheit warten.

Erkennen soll man die Mitfahrbänke an einem Halteschild und einer ausklappbaren Tafel, die das jeweilige Wunschziel anzeigt. Beides hinreichend dimensioniert, sodass es von Autofahrern wahrgenommen wird.

Die Fraktion der Freien Wähler hat dies jetzt in Biebertal angeregt. Gemeinsam mit den Ortsbeiräten sollen Standorte in den Dörfern gesucht und geprüft werden. Geld dafür soll bereits im Haushalt des kommenden Jahres bereitgestellt werden, wenn die Verwaltung die Idee ebenfalls kalkuliert hat. Noch in diesem Herbst, so die Idee, soll dies in den kommunalen Gemien abschließend erörtert werden.

Mitfahrbänke stellen eine wichtige Ergänzung zum öffentlichen Verkehr dar und erleichtern all jenen das Fortkommen, die kein eigenes Auto besitzen, werben die Freien Wähler für ihre Initiative.

Besonders im ländlichen Raum und in etwas entlegeneren Ortsteilen wie etwa Krumbach könnten Mitfahrbänke helfen, dass der Weg zum Einkaufen, zum Arzt oder zum nächsten Busbahnhof erleichtert wird, geben die Freien Wähler zu bedenken. Dies könnte zudem gemeindeübergreifend funktionieren, so die Idee: Etwa zwischen Vetzberg und Krofdorf-Gleiberg oder zwischen Bieber und Waldgirmes. Also soll mit den Nachbarn in Lahnau und Wettenberg über das Thema gesprochen werden.

Zu beachten ist, so sagen die Freien Wähler, dass die Bänke an strategisch wichtigen Orten aufgestellt sind. Gut sichtbar und so positioniert, dass Autofahrer sicher anhalten können, um Mitfahrer ein- oder aussteigen zu lassen.

Die Kosten seien gering, erläutert Marie-Luise Sonneborn, zumal auch auf schon bestehende Bänke zurückgegriffen werden könne.

Weitere Idee: Das Einführen einer "Dorf-App", in der ein jeder nachschauen kann, wer wann wohin fährt, schlägt Sonneborn vor. Auch das wäre eine gute Ergänzung zum Personennahverkehr. Marie-Luise Sonneborn erkennt darüber hinaus in dem Angebot noch die soziale Komponente: "Durch diese Mitfahrgelegenheiten können die Dorfgemeinschaft und das wichtige Miteinander gestärkt werden."

FOTO: ARCHIV

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