Posaunenchor wird 120 Jahre alt

  • vonKlaus Moos
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Biebertal (mo). Pfarrer Eugen Vömel gründete am 1. Advent 1901 den Posaunenchor in Rodheim. Sieben Mitglieder zählte der neue Chor bei seiner Gründung, in diesem Jahr blickt er auf sein 120-jähriges Bestehen zurück.

Die 1. Stimme spielten Ludwig Weil IV., Wilhelm Schlaudraff und der blinde Ludwig Peppler. Karl Schlaudraff und Karl Willershäuser aus Vetzberg bildeten die zweite Stimme. Im Tenor war Karl Keller dabei, der sich gleichzeitig als Dirigent einbrachte.

Karl Peppler, der später Bürgermeister wurde, spielte die Bassposaune. In den nachfolgenden Wochen kamen weitere Bläser dazu.

Beim ersten öffentlichen Auftritt an Weihnachten 1901 spielten alle Teilnehmer nur die Melodien der Lieder, aber der Anfang war gemacht. Übungsstunden wurden im Dachgeschoss des Pfarrhauses dienstags und freitags angesetzt, eine fast unzumutbare Belastung für die Frau des Pfarrers, wurde doch sieben Jahre lang viel Schmutz und Dreck ins Pfarrhaus gebracht, heißt es in den Annalen.

Monatlicher Beitrag: 10 Pfennige

Feste Regeln wurden aufgestellt für die Mitglieder. Dazu gehörten der regelmäßige Besuch des Gottesdienstes und der Bibelstunde am Sonntagabend im Pfarrhaus. Der monatliche Beitrag wurde auf 10 Pfennige festgesetzt.

1901 entstand auch der CVJM Rodheim zunächst unter dem Vorsitz von Pfarrer Vömel. Posaunenchor und CVJM bildeten eine Einheit. Der Posaunenchor entwickelte sich zu einer aktiven Truppe. Das Neujahrsblasen am Pfarrhaus, Osterblasen vom Launscheid-Wald, an Himmelfahrt an der Dicken Eiche, bei Missionsfesten und Mitwirkung bei allen Festlichkeiten der christlichen Gemeinde waren angesagt.

Zu Bläserauftritten in anderen Ortschaften fuhren die Musiker auch schon mal mit von Pferden gezogenen Leiterwagen. Ludwig Weigel aus Kleinlinden folgte Karl Keller als Chorleiter nach. Er hat für seine zehn Jahre dauernden Chorleiterdienste geschätzt 15 000 Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Als 1904 der Gemischte Chor gegründet wurde, übernahm Ludwig Weigel auch die Leitung dieses Chores. Im Jahr 1908 erhielt der CVJM zwei Räume in dem Haus in der Vetzberger Straße, das von der Kirchengemeinde zur Unterbringung der Gemeindeschwester und des Kindergartens gekauft wurde. In dieser Zeit schloss sich der CVJM Rodheim dem Westbund an und gründete eine Jugendabteilung. 1926 kam der Posaunengeneral Johannes Kuhlo zu einem CVJM-Kreisposaunenfest ins Rodheimer Tannenwäldchen.

1933 kam es durch politische Veränderungen zu einem Sterben der bündischen Jugendgruppen. In den folgenden Jahren wurden viele Bereiche der CVJM-Arbeit verboten, unter anderem mit Jugendlichen unter 18 Jahren. Wandern, Sport und Spiel wurden dem CVJM untersagt. Viele Versammlungen und Treffen wurden nicht genehmigt oder aufgelöst.

Förderverein übernimmt

Das Kreisposaunenfest auf dem Dorftriesch in Rodheim im Jahr 1938 war den Machthabern ein Dorn im Auge, gerne hätte man die Posaunen ganz zum Schweigen gebracht. Eine Kollekte zur Unterstützung junger Theologen wurde, obwohl verboten, heimlich eingesammelt. Die Posaunenarbeit wurde auch in Zeiten des Zweiten Weltkriegs meist von nur wenigen Bläsern weitergeführt.

Lange Jahrzehnte wurde der Posaunenchor ehrenamtlich geleitet, bevor ein bezahlter Chorleiter diese Arbeit übernahm. Inzwischen ist aus dem Posaunenchor als Nachfolger ein Förderverein Posaunenchor geworden, der von einigen evangelischen Kirchengemeinden Biebertals mitgetragen wird. Der CVJM, der lange Jahrzehnte die christliche Kinder- und Jugendarbeit in Rodheim prägte, hat zum 120-Jährigen bisher keine besondere Jubiläumsfeier geplant.

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