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Die Firma Hainbau hat mit den Arbeiten zur Verlegung des Grabkammersystems in Fellingshausen begonnen.

Pietätvolle Lösung

  • vonVolker Mattern
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Biebertal (m). Trauerkultur verändert sich. Bestattungsarten sind einem Wandel unterworfen. Auf den Friedhöfen überwiegen mehr und mehr Urnengräber, während die Erdbestattung in einem Sarg als traditionsreichste Form der letzten Ruhe rückläufig ist. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich, aber zu respektieren. Kommunen bieten daher alle erdenklichen Bestattungsvarianten an.

In Fellingshausen werden jetzt Grabkammern aus Beton angelegt.

Auf dem Friedhof sind Bagger der Firma Hainbau aus Wetzlar angerollt. Große Erdbewegungen zeugen von Veränderungen, aber auch vom Ende eines Prozesses, der schon seit einigen Jahren den Ortsbeirat, die kommunalen Gremien und die Fachabteilungen im Biebertaler Rathaus beschäftigt.

Bodenstruktur und Grundwasser

Auf einer Fläche von knapp 40 Quadratmeter wird im südlichen Bereich ein Loch ausgehoben, das an seiner tiefsten Stelle fast vier Meter misst. Nachdem der Boden mit Split und wasserdurchlässigem Beton planiert ist, werden die Grabkammern aus Beton, mit einem Gewicht bis zu zwei Tonnen, hineingehoben. Die fünf kleineren für Einzelbestattungen, und zwei Doppelgrabkammern lagern bis zu ihrem Verbau auf dem Vorplatz des Feuerwehrhauses.

Eine Bestattung in einem solchen Grabkammersystem ist die hochpreisigste Form der Bestattung, so Bürgermeisterin Patricia Ortmann. Wie teuer die Bestattung für die Angehörigen wird, konnte sie noch nicht sagen. Dazu müssten zunächst die Herstellungskosten abschließend ermittelt werden.

Das Ganze hat aber einen besonderen Hintergrund, der kein Geheimnis ist. Der Gottesacker in Fellingshausen ist mit Wasser gesegnet, und zwar zu viel des Guten. Die Bodenbeschaffenheit und das Grundwasserverhalten auf dem Friedhof sind eben kein Segen für die letzte Ruhestätte und führen von jeher immer wieder zu Problemen. Wegen der Bodenstruktur und dem oberflächennahen Auftreten des Grundwassers kommt so gut wie kein Verrottungs- beziehungsweise Verwesungsprozess in Gang.

Diese unabänderliche Tatsache erschwert den gängigen Rhythmus von Neubelegungen alter Gräber nach Ablauf der gesetzlichen Ruhefrist oder macht sie unmöglich. Es war auch nicht selten mehr als eine unliebsame Überraschung bei Beisetzungen, wenn das ausgehobene Loch für Sarg oder Urne voll Wasser steht.

Viel wurde schon unternommen, um den Dingen auf den Grund zu gehen, um Abhilfe schaffen zu können, doch vergebens. Deshalb habe man nun diese Form mit dem Grabkammersystem für Erdbestattungen gewählt, erklärte die Bürgermeisterin, die an die besondere Vorgeschichte erinnert.

Vor vier Jahren fand auf dem Friedhof zu diesem Thema ein Ortstermin auf Einladung des Ortsbeirates statt. Damals hieß es bereits, dass der ästhetische Anspruch nach den Worten des Planers Norbert Kerl auch alle Themen der Pietät und der satzungsrechtlichen und gesetzlichen Vorgaben umfasse. Die Rede war auch davon, den Friedhof mehr in Richtung einer Parkanlage zu entwickeln. Nicht nur der Fellingshäuser Friedhof sei zwar in der Hauptsache ein Ort der Trauer, aber auch ein Kommunikationstreff, dem man gerecht werden wolle.

Die schon immer dagewesenen ökonomischen und ökologischen Probleme ließen sich mit Grabkammersystemen aus Beton pietätvoll und effizient lösen. Wichtig: Der Sarkophag darf nicht mit der Grundwasserzone in Berührung sein. Biologische Vorgänge in Verbindung mit einem technischen System garantieren den Prozess des Zerfalls, Ruhezeiten ab 20 Jahren wären möglich, ebenso die Wiederbelegung.

Voraussetzung ist eben die laufende Geländemodellierung, die ohnehin schon immer im Gespräch war. Falsche Vorstellungen darüber, bei einem Grabkammersystem handle es sich um ein dauerhaft sichtbares Betonbauwerk, konnten schon damals zerstreut werden.

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