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Monika Wack (l.), Helga Gerlach (3. v. l.) und Jutta Waldschmidt (5. v. r.) ehren Heike Crombach, Irene Crombach, Heike Reeh, Gerold Rentrop, Rudi Gerlach, Karl-Heinz Leib, Volker Mattern.

Nachwuchs Fehlanzeige

  • VonVolker Mattern
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Biebertal (m). »Musik wäscht den Alltag von der Seele«, stand auf einem kreativ gestalteten Notenschlüssel aus Dünnblech mit kunstvoller Patina, der die Urkunde der Jubilare zierte. Diese Feststellung hat zweifelsohne seit 130 Jahren Gültigkeit, denn so alt ist der Gesangverein Concordia 1891 Fellingshausen bereits. Nun scheint der älteste und traditionsreichste Ortsverein des zweitgrößten Dünsbergdorfes vor dem Aus zu stehen.

Das Klagelied in der Jahreshauptversammlung war deutlich zu vernehmen.

Entschieden ist dennoch noch nichts und endgültig entscheidet eine außerordentliche Mitgliedversammlung.

Krisengespräche ohne Lösung

Die Mitgliederzahl ist geschrumpft auf 66, davon ist die Hälfte aktiv. Der Altersdurchschnitt im Chor liegt bei den Frauen bei 73 Jahren und bei den Männern bei 77 Jahren. Nachwuchs Fehlanzeige. Corona ist nicht an allem schuld, aber wer vorher schon instabil war, dem hat die Pandemie noch mehr zugesetzt. Über ein Jahr fanden keine Chorproben statt. »Unsere Stimmen sind nicht mehr geschult«, sagte Monika Wack, die mit Helga Gerlach und Jutta Waldschmidt das Führungs-Trio im Vorstand bildet. Von »Schuld« sprach in der Vollversammlung niemand, und die drei Damen wären auch die Letzten gewesen, denen man den drohenden Niedergang hätte anlasten könnten. Vor zwei Jahren, bei ihrer letzten Wahl, gaben sie ihren Entschluss bekannt, nicht mehr für eine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Dass sie daran festhielten, ist verständlich und zu akzeptieren.

Zehn Jahre hatten sie den Chor geführt und mit ihrem neuen Führungskonzept Mut und Kreativität bewiesen. Sie ergänzten sich prima. Das wurde ihnen immer wieder und auch jüngst durch den Ehrenvorsitzenden Klaus Bergmann unter Beifall der gesamten Versammlung bescheinigt.

Die Frage an selbige, ob jemand bereit sei für die Nachfolge in der Vorstandsverantwortung, blieb unbeantwortet. Angesicht der Umstände und Fakten verständlich, denn selbst wenn man gewillt wäre, den Singbetrieb wieder aufzunehmen, scheitert es an entsprechenden Räumlichkeiten, die aufgrund ihrer Größe die Umsetzung des Hygienekonzeptes ermöglichen würden. Die Tage, an denen man an der frischen Luft proben kann, sind angesichts des nahen Herbstes und Winters ohnehin gezählt.

Realistischerweise hat der Vorstand nun die Abwicklung der Formalitäten im Blick. Die Versammlung beschloss bereits die Einstellung der Erhebung der Mitgliedsbeiträge ab Beginn 2022 und die fristgerechte Kündigung des Vertrags mit Chorleiterin Lidia Peiß, die seit 16 Jahren in der Fellingshäuser Sängerfamilie den Ton angibt. Ein Jahr bliebe der amtierender Vorstand noch kommissarisch im Amt. Mit den Verantwortlichen beim Solmser Sängerbund habe man das eine oder andere Krisengespräch geführt, aber Wunder könne auch der Dachverband nicht vollbringen, so Wack. Concordia steht nicht alleine auf wackligen Füßen - wenn überhaupt, dann nur ein kleiner Trost.

Wenn eintritt, wonach es derzeit aussieht, waren Rudi Gerlach und Karl-Heinz Leib die letzten Jubilare, die für 60 Jahre Mitgliedschaft geehrt werden konnten, Gerold Rentrop für ein halbes Jahrhundert, Heike Crombach und Irene Crombach für vier Jahrzehnte aktive Mitgliedschaft und Heike Reeh und Volker Mattern für 25 Jahre Vereinszugehörigkeit. FOTO: M

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