Die Grube Königsberg heute – vom Eingangstor aus gesehen. 	(Foto: ws)
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Die Grube Königsberg heute – vom Eingangstor aus gesehen. (Foto: ws)

Musterzeche bald Wohnanlage

Biebertal (ws). Markant präsentiert sich der aus rotem Backstein erbaute Gebäudekomplex der Grube Königsberg direkt an der Straße zwischen Bieber und Königsberg. Nachdem das Ensemble rund 20 Jahre von Dr. Volker Nikolai und seinem Team als Tierklinik genutzt wurde, steht nun die Umwandlung in eine Wohnanlage an. Ein Investor aus Lahnau hat das Gelände erworben und plant den Bau von Wohngebäuden auf dem Areal.

»Es bleibt zu hoffen, dass die neuen Eigentümer der Tagesanlagen der Grube Königsberg der heimischen Montangeschichte aufgeschlossen gegenüber stehen«, formulierte jetzt der Biebertaler Montanhistoriker Dr. Rainer Haus. Er verweist darauf, dass Dr. Rainer Slotta, Direktor des Deutschen Bergbau-Museums Bochum, bereits 1986 in seinem Standardwerk »Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland« (Band 5, Teil 1) Königsberg als »Musterzeche« bezeichnet habe. Haus hat sich lange der Erforschung auch der Königsberger Grubengeschichte gewidmet und damit die Grundlagen für Slottas Ausführungen gelegt.

Die Tagesanlage aus rotem Backstein wurde nach Plänen des Architekten der Bergverwaltung Gießen von Mannesmann, Heinz Helbig, errichtet und auf einem etwa quadratischen Zechenplatz angelegt. Südlich von Zufahrtsstraße und Eingang entstanden eine Zimmerwerkstatt sowie Motorrad- und Fahrradschuppen, während auf der östlichen Seite vom Eingang der Verwaltungs- und Bürotrakt lag. Dieser eingeschossige Flügel stieß auf die Kaue, die im Winkel des Süd- und Ostflügels der Anlage angeordnet worden war. Die Kaue untergliederte sich in Weißkaue, Duschraum und Rotkaue.

Dieser gegenüber dem Verwaltungstrakt erhöht errichtete Baukörper verfügt über große Rechteckfenster, die das Innere gut belichteten. Auf dem Satteldach befanden sich Belüftungskuppeln. An die Kaue schloss sich nach Norden zu ein aus der Jugendkaue, dem Aufenthaltsraum und der Lampenstube bestehender Bau an, der etwas niedriger als die Kaue selber ist. Er stieß auf das im Ostteil des Nordflügels liegende Magazin, das an die Schachthalle anschloss, die in der Mittelachse dieses Nordflügels angeordnet worden war. Westlich der Schachthalle befanden sich im Nordflügel der Kompressor-Raum und die Transformatoren-Station. Der westliche Flügel der Tagesanlagen bestand aus einer Werkstatt mit Grubenschmiede. Zentrales Gebäude auf dem Zechenplatz war das Fördermaschinenhaus. Während die alte Grube Königsberg unterhalb von Hof Moritzburg 1949 wegen Erschöpfung des Vorkommens zum Erliegen kam, musste die neue, seit 1952 in der Nähe der ehemaligen Försterei Strupbach errichtete Schachtanlage 1963 ihren Betrieb wieder einstellen. Der Grund: Der Preisverfall auf dem Eisenerzmarkt weltweit seit Ende der 1950er Jahre.

Die Lagerstätte der Grube Königsberg wurde erst durch Tiefbohrungen entdeckt, die in diesem Bereich auf Anregung des Vaters von Rainer Haus seit 1949 durchgeführt wurden. Mannesmann errichtete dort mit einer hoch motivierten Belegschaft ein modernes Erzbergwerk. Trotz schwerwiegender Rückschläge durch zwei großen Wassereinbrüche in den Jahren 1953 und 1955, die jeweils den weiteren Ausbau für längere Zeit zum Erliegen brachten, hielt Mannesmann an diesem Bergwerk fest. Als die planmäßige Erzgewinnung schließlich Mitte 1959 anlief, war der Preisverfall des Erzes auf dem Weltmarkt bereits in vollem Gange. Die Bergverwaltung in Gießen tat alles, um zusammen mit der engagierten Belegschaft der Entwicklung entgegenzusteuern. Seit 1959 stiegen die Zahl der Belegschaftsangehörigen und die Fördermengen von Jahr zu Jahr. 1962 wurde bei einer Belegschaft von über 100 Mann mit 105 000 Tonnen die höchste Jahresförderung in der Geschichte des Königsberger Erzbergbaus erzielt.

Das Ende kam 1963

Die Gesamtleistung pro Mann und Schicht war von 0,8 Tonnen im Jahre 1959 auf 3,24 Tonnen im Jahre 1962 gestiegen. Mit dieser Leistung lag die Grube Königsberg an der Spitze aller Eisenerz-Tiefbaugruben in Hessen. Nur die Tagebaubetriebe im Raum Hungen und bei Mücke hatten eine noch höhere Leistung aufzuweisen. Im Februar 1963 stieg die Königsberger Gesamtleistung pro Mann und Schicht sogar auf 4,99 Tonnen. Allerdings war auch damit das Ende am 30. April 1963 nicht aufzuhalten, obwohl mutmaßlich noch eine Million Tonnen Erz dort lagert. Bis 1963 betrug die Gesamtförderung der neuen Grube Königsberg fast 300 000 Tonnen Erz – eine Menge, die rund 3000 Erzzügen der Biebertalbahn entspricht, die ebenfalls am 30. April 1963 zum Erliegen kam, da sie mit der Königsberg ihren Hauptverfrachter verlor.

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