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Baumaterial für die flutgeschädigte Gemeinde Schuld: Marcel Moosberger, »Hilfskraft« Jonas Ofer, Steffen Jauernig, Michael Stratil und Guido Hajok (v. l., nicht im Bild »Frühschichtler« Heinke Scheld) nehmen Spenden in Frankenbach entgegen.

Hilfe für die Gemeinde Schuld

Handwerker-Kolonne aus dem Kreis Gießen reist mit Baumaterialien ins Katastrophengebiet

  • Gabriele Krämer
    VonGabriele Krämer
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Große Teile der Gemeinde Schuld wurden von der Flut im Juli zerstört. Hilfe beim Wiederaufbau kommt aus der Region Gießen.

Biebertal – Palettenweise neue Heizungskörper, doppelt- und dreifach verglaste Fenster, drei komplette Badezimmereinrichtungen, 1000 laufende Meter Dachlatten und noch so viel mehr: Das mobile Materiallager rollt. Die 660-Seelen-Gemeinde Schuld ist Ziel von einem halben Dutzend Handwerkern, die sich von Frankenbach aus an diesem Mittwochmorgen in Sachen Katastrophenhilfe auf den Weg nach Rheinland-Pfalz machen. Im Gepäck haben sie - verteilt auf mehrere Kleintransporter und einen Lkw - eine umfangreiche Menge an Baumaterial.

Möglich macht das eine spontane »Privat an Privat«-Aktion: Zahlreiche Familien und Einzelpersonen sowie etliche namhafte Firmen aus Biebertal, Hohenahr und Gießen haben nach einem von Frankenbach aus initiierten Spendenaufruf nicht lange gezögert, ihre Bestände überprüft und Brauchbares am Dienstag auf einem Parkplatz in dem Biebertaler Ortsteil abgeliefert.

Menschen aus dem Kreis Gießen helfen nach Flutkatastrophe

Das Material soll ausschließlich Opfern der Flutkatastrophe in jenem Ahrtal-Örtchen zur Verfügung gestellt werden, die für die Sanierung ihrer Häuser und Wohnungen keinerlei Unterstützung durch eine Versicherung erwarten dürfen. Mit einer örtlichen Initiative werden Bedarf und Einsatzpunkte abgestimmt.

Trockenbauer Steffen Jauernig hatte namens seiner Mitstreiter im örtlichen Mitteilungsblatt vor allem um Gipskartonplatten, Dachlatten, Sanierputz, Beton- und Mauermörtel, Hohlwanddosen, Elektrokabel, Schrauben, Tapeten, Wasser- und Abflussleitungen und vergleichbare Materialien gebeten. Dass nun so viel mehr als erwartet zusammengekommen ist, das zaubert allen Beteiligten Freudestrahlen ins Gesicht. Die Mitstreiter, das sind Schreiner, Maler, Verputzer und Monteure. Sie wissen, auf was es aktuell im Katastrophengebiet ankommt.

Der Frankenbacher Marcel Moosberger war ebenso wie einige Kollegen bereits eine Woche in Schuld im Einsatz und hat mit seinem Bagger Geröllmassen und Schutt aus Vorgärten und Straßen geräumt. Er sagt: »Die Leute dort fühlen sich verlassen. Da sind zwar viele Helfer, aber kaum Handwerker im Einsatz.« Bei dem enormen Ausmaß der Schäden sei es nicht damit getan, »einfach eine Wand zuzuschmieren - da muss oft die komplette Elektrik erneuert werden«.

Helfer aus dem Kreis Gießen bleiben bis Sonntag im Flutgebiet

Hinzu komme, dass in Schuld etliche Handwerksbetriebe vernichtet seien. »Viele Bekannte wollten von mir wissen, wie es im Einsatzgebiet war. Aber es ist viel schlimmer, als man das überhaupt erzählen kann«, schüttelt er fassungslos den Kopf.

Bis zum Sonntagabend wird das »Team vom Bau« in Schuld bleiben, anpacken, zuhören, Trost spenden. Apropos spenden: Obwohl nicht erbeten (Jauernig: »Wir können keine Spendenquittung ausstellen«), kamen doch einige Euro in die Reisekasse: »Kauft euch davon etwas zu essen«, hörten die engagierten Männer von mehreren »Lieferanten«. (ik)

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