Die Sekretärinnen Simone Rink und Silke Hüttl sowie Hildegard Platt und Küsterin Annelie Schlierbach (v. l.) haben als erste den neuen Gemeindebrief für Biebertal in der Hand. FOTO: PM
+
Die Sekretärinnen Simone Rink und Silke Hüttl sowie Hildegard Platt und Küsterin Annelie Schlierbach (v. l.) haben als erste den neuen Gemeindebrief für Biebertal in der Hand. FOTO: PM

Mehr Seelsorge - weniger Verwaltung

  • vonRedaktion
    schließen

Biebertal(pm). Mit dem neuen Gemeindebrief "Evangelisch in Biebertal", der mit einer Auflage in Höhe von 4600 Exemplaren verteilt wird, zeigen die Kirchengemeinden am Dünsberg, dass sie künftig eng zusammenarbeiten werden. Am 1. Februar haben die Gemeinden bereits ein gemeinsames Büro im Evangelischen Gemeindehaus in der Rodheimer Pfarrgasse 17 eröffnet.

Im Mittelpunkt des 40-seitigen Briefs für Bieber, Fellingshausen, Frankenbach, Krumbach, Königsberg und Rodheim-Vetzberg stehen Berichte und Informationen über das Gemeindeleben und die angestrebte Zusammenarbeit sowie der Gottesdienstplan aller Gemeinden, erläutern Kerstin Herrmann und Lisa Wahl (beide Krumbach), die ehrenamtlich mitarbeiten. Anfangs hätten sie "ein gewisses Unbehagen vor dem Unbekannten" bei der Zusammenarbeit gespürt. Doch bei der praktischen Redaktionsarbeit haben sie Kooperation "als Bereicherung und Chance erlebt".

Neuer Pfarrer in Fellingshausen

Auf den ersten Blick ändere sich durch die angestrebte Kooperation wenig für die Mitglieder, schreibt Pfarrerin Christin Neugeborn. "Es kann aber sein, dass künftig öfters ein Gesicht aus einer Nachbargemeinde auf der Kanzel auftaucht." Die gegenwärtig vier Pfarrer seien "als Team" für die Biebertaler da. Der Mitgliederrückgang, die vielen Ruhestandsversetzungen von Pfarrern und die insgesamt weniger werdenden Pfarrstellen müssten durch strukturelle Veränderungen und Konzentration der gemeindlichen Kräfte aufgefangen werden.

Über das neue Gemeindebüro für Biebertal (mit Ausnahme von Königsberg) schreibt Pfarrer Günter Schäfer, dass dadurch längere Sprechzeiten möglich sind. Kirche sei besser erreichbar und "gegenseitige Vertretung sorgt dafür, dass nichts liegen bleibt". Hintergründe dieser Kooperationen sind vor allem höhere gesetzliche Anforderungen sowie neue Abrechnungssysteme und Verwaltungsprogramme. Die EKHN fördert die Zusammenlegung von Gemeindebüros finanziell, um Pfarrer von Verwaltungsarbeiten zugunsten der Seelsorge und Verkündigung zu entlasten.

In dem neuen Gemeindebrief, der bisherige ersetzt bzw. für Frankenbach und Krumbach zum ersten Mal erscheint, wird auch der neue Pfarrer Daniel Schweizer vorgestellt. Er wird am 1. März in Fellingshausen eingeführt.

Im Gemeindemagazin finden sich außerdem theologische Überlegungen zum Miteinander der Generationen von Pfarrer Claus Becker und Ideen für die künftige Arbeit mit Kindern und Familien von dem Gemeindepädagogen Christian Kammler. Neben Gemeindeporträts, Konzert- und Veranstaltungsankündigungen erscheint auch eine Darstellung der Vernetzung der evangelischen Kitas.

Auf dem Titelblatt und an vielen Stellen im neuen Gemeindebrief kennzeichnet ein gemeinsames Logo die Kooperation der Gemeinden. Der Dünsberg mit dem charakteristischen Fernmeldeturm, umschlossen von einem typisch evangelisch lila gefärbten Himmel, fußt auf den sechs durch unterschiedliche Farbfelder symbolisierten Gemeinden. Das Heft ist im Lauf eines halben Jahres entstanden. Im Spätsommer ließ sich der Redaktionskreis von den Pohlheimer Grafikerinnen, Eva und Marie Saarbourg, das Logo und ein Design-Konzept entwerfen.

Finanziert wurde die professionelle Unterstützung vom Dekanat Gießen. "Der Dekanatsvorstand hielt die Idee eines gemeinsamen Gemeindebriefs für "sehr gut, weil er die Kooperation der Gemeinden im Raum Biebertal befördert". Dekanatsvorsitzender Gerhard Schulze-Velmede freut sich darüber, dass die Gemeinden das Miteinander anstreben.

Auch im Zeitalter von schnellen Info- und Social-Media-Kanälen wie Facebook, Instagram und Co bleibt der "scheinbar altmodische Gemeindebrief ein wertvolles Medium, um Kontakt zwischen Kirche und Gemeindemitgliedern zu knüpfen und zu halten", sagt Matthias Hartmann. Der Öffentlichkeitsbeauftragte des Dekanats hat die Entstehung von der Konzeption bis zum Druckauftrag begleitet. Gemeindebriefe seien "unscheinbare Riesen", denn sie erreichten einmal im Vierteljahr mindestens jeden evangelischen Haushalt.

Dekan André Witte-Karp ist überzeugt, dass die Arbeit am gemeinsamen Gemeindebrief gemeinsame Identität im evangelischen Biebertal stiftet. Seit seinem Amtsantritt im Oktober 2019 arbeitet Witte-Karp eng mit Pfarrerin, Pfarrern und den Kirchenvorständen, die sich sämtlich für die Bildung eines Kooperationsraumes ausgesprochen haben, zusammen. Gemeinsam mit ihnen überlegt er, wie der Pfarrdienst und das Gemeindeleben organisiert werden, insbesondere, wenn Pfarrer Günter Schäfer im Frühsommer nach mehr als dreißig Jahren Biebertal verlassen wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare