40 Jahre Naturschutzbund im Kreis Gießen

Gießen/Biebertal (tma). Es war eine kleine Jubiläumsfeier in einem würdigen Rahmen: Der Kreisverband Gießen des Naturschutzbundes (NABU) wurde in diesem Jahr 40 Jahre alt und verband die Rückschau mit einem Gruppentreffen und der jährlichen Tagung der Ortsbeauftragten für Vogelschutz. Die gastgebende Gruppe Rodheim-Bieber hat in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum begangen.

Knapp 70 Gäste begrüßte der Kreisvorsitzende Dr. Achim Zedler im Bürgerhaus, darunter drei seiner Vorgänger: Alfred Görlach, Stephan Kannwischer und Hans-Erich Wissner. Zedlers vierter Amtsvorgänger Dr. Hans Rudolf Schütze lebt nicht mehr.

Dieter Schmidt, Vorsitzender des NABU Rodheim-Bieber, stellte seinen Verein in einigen Bildern vor. So werden unter anderem Nisthilfen für Steinkauz, Schleiereule und Wasseramsel betreut, Orchideenstandorte gepflegt und Amphibienschutzmaßnahmen umgesetzt. Zudem kümmert sich der Verein um fünf alte Stollen, die als Winterquartiere für Fledermäuse dienen.

Der Kreisbeauftragte der Staatlichen Vogelschutzwarte, Karl Herrmann, informierte über das Kranichzuggeschehen der vergangenen Wochen. Möglicherweise habe sich eine neue Zugroute entlang der Rhön nach Südbayern und dann entlang der Alpen nach Westen etabliert, worauf viele Beobachtungen hindeuteten.

Zwei Richtungen

Es folgte eine Präsentation von Peggy Schneeweiß, die einen Querschnitt von Aktivitäten des Kreisverbandes und Schlagzeilen der vergangenen 40 Jahre zeigte. Alfred Görlach berichtete über den Werdegang. Es waren 17 Vereine, die den Regionalverband am 1. Dezember 1973 aus der Taufe hoben. Heute gehören 37 Gruppen dazu, im Landkreis gibt es 5200 NABU-Mitglieder. Zeitweise gehörten über 70 Gruppen zum Kreisverband. Görlach hob die Bedeutung der Gemeinschaft immer wieder hervor. »Damals benötigten wir eine ganz andere Logistik, um den Kreisverband als Netzwerk der Naturschützer zu installieren und die Kontakte zu halten.« Ganz besonders schwierig wurde es zu Zeiten der Stadt Lahn, als der Kreisverband durch den politischen Zusammenschluss vorübergehend ebenfalls ein größeres Einzugsgebiet abdeckte.

»Es war durchaus schwierig, viele individuelle Naturschützer unter einen Hut zu bekommen, aber der Gedanke dahinter war, dass wir nur gemeinschaftlich etwas verändern können«, so Görlach. Schließlich kamen die damaligen Naturschutzvereine aus zwei Richtungen: Die einen aus dem eher »wirtschaftlichen Naturschutz« der Obst- und Gartenbauvereine und des Forstes, die anderen aus dem reinen Interesse an der Natur.

Auch die Staatliche Vogelschutzwarte setzte damals noch völlig andere Schwerpunkte als heute, nämlich zum Beispiel die gezielte Förderung von Nützlingen zur Insektenvertilgung und die Bekämpfung von vermeintlichen Schädlingen wie dem Feldsperling. Der Kreisverband Gießen des damals noch »Deutscher Bund für Vogelschutz« genannten Verbands war damals wie auch aktuell einer der größten in Hessen und hatte entsprechend Einfluss. War der Landesvorsitz lange Zeit mit ehemaligen Politikern besetzt, so gelang es durch eine kleine »Revolution von unten«, mit Prof. Fritz Jauker einen unpolitischen Landesvorsitzenden aus den eigenen Reihen zu installieren. Der Kreisverband Gießen war der erste Naturschutzverband, der eine ABM-Stelle bekam; so wurde damals eine kreisweite Bestandsaufnahme der Streuobstwiesen durchgeführt.

Ein positives Resümee seiner aktiven Zeit zog Stephan Kannwischer. Nachdem er von seinem ehemaligen Lehrer Erhard Thörner – der selbst im Naturschutz eine Größe ist – für die Natur und ihre tierischen Bewohner begeistert wurde, leitete er fünf Jahre lang als Student die Jugendarbeit auf Kreisverbandsebene. »Schließlich wurde ich eine Rolle gedrängt, die mir erst gar nicht so zusagte, bei der ich aber letztlich auch viel fürs Leben gelernt habe«, sagte er.

Auskiesung der Lahnaue

Das war 1988, als ein praktisch komplett neuer Vorstand mit einem jungen Team gebildet wurde. Eines der Topthemen sei damals die Auskiesung der Lahnaue gewesen. Gemeinsam mit anderen Verbänden konnte das Ende der Kiesgewinnung erreicht werden. »Heute stellt sich die Lahnaue als naturnaher Raum in einem ökologisch hochwertigen Zustand dar.« Ebenso fiel die Gründung der Landschaftspflegevereinigung Gießen in seine Zeit als Vorsitzender. »Wir wollten die Vereine bei der Biotoppflege entlasten und die Kapazitäten besser koordinieren. Außerdem stellten wir uns vor, dass Landwirte über Naturschutz-Arbeit ein Zusatzeinkommen erzielen könnten.«

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