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Kunsthistorikerin Dr. Jutta Failing (l.) und Handarbeitsexpertin Christa Strackbein (r.) präsentieren einige historische Objekte aus der Textilsammlung.

Historische Kleidungsstücke

  • vonKlaus Waldschmidt
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Biebertal (ws). Dass die Textilsammlung des Heimatvereins, die seit 20 Jahren aufgebaut wurde, inzwischen aus rund 1000 Objekten besteht, ist bemerkenswert. Die Sammlung zeigt ein authentisches Bild der Kleidung in Rodheim-Bieber. Diese historischen Textilien zu erhalten, ist eine wertvolle Erinnerungsarbeit, der sich der Heimatverein angenommen hat.

»Im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschutz können uns diese Stücke ein Vorbild sein, das es modern umzusetzen gilt«, sagt die Kunsthistorikerin und Vorstandsmitglied des Heimatvereins, Dr. Jutta Failing. Sie realisiert das Projekt federführend zusammen mit Handarbeits- expertin Christa Strackbein.

Vor allem private Nachlässe

Es gibt einige »wunderbare ›Freud und Leid‹-Tücher in der Sammlung. Schwarz, und auf der einen Seite mit farbigen, gestickten Blüten, auf der anderen Seite mit weiß gestickten Blüten, also zu Fest- und Traueranlässen tragbar«, erläutert Strackbein. Die Sammlung ist Eigentum des Heimatvereins und stammt mehrheitlich aus privaten Nachlässen. Enthalten sind beispielsweise Trachtenröcke, Miederjacken und Schürzen, Stick- und Handarbeiten sowie Kinder- bekleidung und Weißwäsche. Außerdem Bergmanns- und Eisenbahn-Uniformen sowie zahlreiche Gehröcke - komplette Anzüge mit Hose, Weste und Zylinder, die zu Hochzeiten und Beerdigungen getragen wurden. Ferner zahlreiche Accessoires wie Hüte, Spitzenhauben für den Kirchgang, Brillen, Haubenschachteln, Galanteriewaren und Trauerschmuck.

Die Sammlung stellt ein authentisches Bild der Alltags- und Festbekleidung in Rodheim-Bieber dar, und zwar im Zeitfenster der 1870er- bis in die 1960er-Jahre. Anders als etwa die Hüttenberger Festtracht oder die Marburger Trachten sind die Textilien schlichter und weitaus weniger prunkvoll. Dafür sind die städtischen Einflüsse stärker und deutlich erkennbar, etwa Schürzen aus Kunstseide mit »französischer« Spitze, meist schwarz, die von durchreisenden Händlern erworben wurde. Oft sieht man - selbst bei später chemisch gereinigten Textilien - noch alte Verschmutzungen und Gebrauchsspuren. »Somit erlebt man ›erzählende Textilien‹«, erläutert Failing.

Einige Textilien wurden, um Schädlingsbefall vorzubeugen, aktuell chemisch gereinigt, Woll- und Umschlagtücher behutsam von Hand gewaschen. Die Kleidung ist entweder selbst genäht oder beim örtlichen Schneider in Auftrag gegeben worden. Aufwendige Festkleidung wurde durchaus in der Familie vererbt und entsprechend umgearbeitet oder aufgehübscht für die neue Trägerin. »Diese historischen Textilien zu erhalten, ist eine wertvolle Erinnerungsarbeit«, so die Kunthistorikerin.

»Seit ich Kind war, begeistern mich Stoffe und deren Verarbeitung«, erzählt Strackbein. Ihre Mutter arbeitete in der Kleiderfabrik in Großen-Buseck; nach Schulschluss ging Strackbein zu einer Schneiderin ins Haus, »sie war so etwas wie mein Kindermädchen«. Diese Schneiderin hat für Trachtenträgerinnen in den Dörfern die Kleidung geändert. »Bei ihr entstand meine Begeisterung für Stoffe.«

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