Grube Abendstern stand Pate für den Bahnhof Abendstern

Biebertal (ws). Mit der Einstellung des Betriebs auf der Grube "Abendstern" am 28. Februar 1958 endete der Erzbergbau im Biebertal. Die hier zuletzt noch beschäftigten fünf Bergleute wechselten zur neuen Grube Königsberg, die ebenfalls von Mannesmann betrieben wurde. Im Bereich der späteren Grube Abendstern wurde bereits im 18. Jahrhundert Erz für das landgräfliche Hochofenwerk bei der Steinmühle im Biebertal abgebaut.

Mit der Anlage der Erzverladestelle "Abendstern" am Schnittpunkt der Bahnlinie Lollar-Wetzlar mit der Straße von Rodheim nach Heuchelheim im Jahre 1888 schrieben die damaligen Besitzer der "bergrechtlichen Gewerkschaft Abendstern" Heuchelheimer Wirtschaftsgeschichte, da die Erzverladestelle die Initialzündung war für die Industriesiedlung Abendstern und den Bahnhof Abendstern.

Bereits in der ersten erhaltenen Rechnung der Bieberer Hütte von 1688 findet sich der Hinweis auf eine Erzversorgung des Hochofenwerkes aus dem Bereich des späteren Grubenfeldes Abendstern in der Nähe von Hof Haina. Mit der Einstellung des Holzkohlen-Hochofenwerkes bei der Steinmühle und des Eisenhammers bei dem Heuchelheimer Mühlchen im Jahre 1749 wegen Holzmangels im heimischen Raum dürfte auch die Erzgewinnung bei Hof Haina zum Erliegen gekommen sein. Die ehemaligen Abbaustätten bei Hof Haina waren 1843 in das Blickfeld der beiden Gießener Hofgerichtsadvokaten und Bergbauunternehmer Rosenberg und Briel geratenen, die dort um die Bergbaurechte konkurrierten. Nachdem die Rechte von Rosenberg 1848 erloschen waren, kam Briel zum Zuge und hatte Erfolg. Bereits 1850 erhielt er das Bergwerkseigentum für den Flurbereich Radfeld.

1857 legte er in der Nähe von Hof Haina eine Erzwäsche für das mulmige manganhaltige Erz an, um so die stückigen Brauneisensteine (Manganerz) zu gewinnen. Im Jahre 1865 kaufte Briel von dem Hainaer Landwirt Dudenhöfer dessen angrenzendes Grubenfeld "Abendstern", das dieser wohl so im Gegensatz zu der benachbarten Grube "Morgenstern" von Buderus genannt hatte.

Ein weiterer Meilenstein in der Grubenhistorie war die Bildung der "bergrechtlichen Gewerkschaft Abendstern" im Jahre 1880. Diese aus 100 Kuxen (Anteilen) bestehende Gewerkschaft gehörte hälftig Briel und der Industriellenfamilie Jung, die zu dieser Zeit den Königsberger Erzbergbau betrieb. Das Erz der Gewerkschaft Abendstern, das in den 1880er-Jahren einen Mangan-Gehalt von bis zu 28 Prozent aufwies, ging zu dieser Zeit an Siegerländer Hütten, aber auch an Werke in Lothringen und Luxemburg.

Nachdem die Gewerkschaft Abendstern 1888 an der Bahnstrecke von Lollar nach Wetzlar auf eigene Kosten die Erzverladestelle "Abendstern" angelegt hatte, begann sie 1889 etwa 100 Meter westlich der Reehmühle mit dem Vortrieb des "Briel-Stollen" und errichtete dort ein kleines Zechenhaus, das bis zur endgültigen Betriebseinstellung 1958 als Büro und Umkleideraum für die Bergleute diente. Zehn Jahre nach dem Bau des neuen Zechenhauses kam es bereits zur Betriebseinstellung. Wilhelm Briel war inzwischen verstorben und der Königsberger Erzbergbau des Hessen-Nassauischen Hüttenvereins der Familie Jung schon seit 1893 stillgelegt. Von wesentlicher Bedeutung für die Betriebseinstellung dürfte aber auch gewesen sein, dass die damals bekannten hochmanganhaltigen Erze abgebaut waren. - Eine neue Betriebsperiode der Grube Abendstern und des Königsberger Bergbaus begann 1917 mit der Übernahme der beiden stillliegenden Grubenbetriebe durch die Mannesmann-Röhrenwerke, deren Stahlwerke dringend Mangan benötigten, das aufgrund der gegnerischen Blockade in der Zeit des Ersten Weltkrieges in Deutschland Mangelware war.

Nach einem umfangreichen Ausbau der Grube "Abendstern" stellte Mannesmann bereits Mitte 1925 den Betrieb wegen Absatzmangels ein, da der manganhaltige Brauneisenstein aus dem Grubenfeld Abendstern nicht mit den ausländischen Manganerzen, die inzwischen wieder zur Verfügung standen, konkurrieren konnte.

Die Wiederaufnahme der Förderung 1927 und die weitere Entwicklung bis 1958 waren dadurch gekennzeichnet, dass es 1926 gelungen war, einen Teil der auf Halde liegenden Erze als Farberz an Ziegeleien zu verkaufen. Nun war die Grube im Wesentlichen von der Baukonjunktur abhängig. Aus diesem Grunde war das Bergwerk in der Zeit der Weltwirtschaftskrise auch nur von Mitte Oktober 1931 bis Mitte Mai 1932 außer Betrieb und konnte dann wegen der anziehenden Baukonjunktur die Erzgewinnung wieder aufnehmen. Allerdings wurden in den dreißiger Jahren nicht ausschließlich Farberze gewonnen; so gelang 1933 der Aufschluss einer kleineren Lagerstätte mit rund 20 Prozent Eisen und 20 Prozent Mangan. Dieses Erz ging an die Hüttenindustrie.

Die endgültige Stilllegung der Grube Abendstern am 28. Februar 1958 erfolgte nicht wegen Absatzmangelw, sondern wegen Unrentabilität. Wegen Beschwerden über kleine Kalkstücke im Erz oder Beimischung hellen Tones hatte die Mannesmann-Bergverwaltung in Gießen den Ziegeleien und Klinkerwerken erhebliche Preisnachlässe einräumen müssen, die seit 1957 zu Betriebsverlusten geführt hatten. Der Bau einer speziellen Erzaufbereitung kam wegen der relativ geringen Vorräte nicht in Betracht. Zwischen 1881 und 1958 förderten die Bergleute der Grube Abendstern insgesamt 139901 Tonnen Erz - eine Menge die etwa 1400 Erzzügen der Biebertalbahn entspricht.

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