+
Auf den Spuren des Bergbaus: Die elf Kilometer lange Strecke führt durch die Königsberger Gemarkung.

Geschichte hautnah

  • schließen

Biebertal (m). Bei der montanhistorischen Wanderung am Samstag mit rund 50 Teilnehmern unterstrich Franz Gareis einmal mehr seine Befähigung als sachkundiger Führer. Die exzellenten Kenntnisse des 82-Jährigen basieren auf den eigenen Erfahrungen als Obersteiger und Bergingenieur. An den verschiedenen geschichtsträchtigen Stätten und Stationen wurde der Bergbau durch sein engagiertes Erzählen in all seinen Facetten nahezu hautnah spürbar.

Er vermittelte fundierte Kenntnisse zum Bergbau der jüngeren Zeit mit der Vermessungstechnik, auch einen Rückblick auf die Anfänge der Erzgewinnung und Nutzbarmachen von Bodenschätzen rund um den Dünsberg und machte interessante Anmerkungen zu Geografie, Geologie und Mineralogie sowie den erdgeschichtlich bedingten tektonischen Veränderungen.

Wolfgang Gerlach hatte die elf Kilometer lange Route ausgearbeitet, recherchiert, Anschauungsmaterial zusammengetragen, was unterwegs, vor allem in Form historischer Fotos, die Beiträge anschaulich schmückte. Zudem hat er eingestellt und beschrieben.

Beim Thema Bergbau spielt Wasser stets eine besondere Rolle. Erster Anlaufpunkt war die Brunnenanlage an der Obermühle, die außer Krumbach alle Biebertaler Ortsteile mit Trinkwasser versorgt. Die Strecke führte auch um den ehemaligen Steinbruch Eberstein bzw. das gleichnamige Naturschutzgebiet. Nach einem Stopp am ehemaligen Sprengstofflager am Rande von Eberstein, in dem von Mitte der 50er Jahre bis zur Stilllegung des Bruchs 1985 Kalkstein abgebaut wurde, erklomm man den oberen Rand des Geländes und hatte von dort einen wunderbaren Blick auf den naturgeschützten Bereich, der im Hintergrund vom Dünsberg begrenzt wurde.

Durch das Tal der Strupbach ging es weiter bergan. Kurze Information gab es von Markus Schmidt, dem Vorsitzenden des NABU Rodheim-Bieber, zu den dort befindlichen Kalkmagerrasenflächen mit ihren seltenen Orchideen. Spuren des Bergbaus finden sich auf Hof Strupbach in Form von Halden aus sogenanntem "tauben Gestein" der darüber liegenden Grube Königsberg. Sie war bis 1963 und damit am längsten von allen Biebertaler Gruben in Betrieb. Mit ihrer Stilllegung stellte auch die Bieberlies-Bahn, die eng mit der Montangeschichte Biebertals verbunden ist, ihren Betrieb ein, wie Gareis berichtete.

Rast an der "Baumelbank"

Weiter aufwärts ging es vorbei an einer Schieferkaut. Erstmals tauchte sie 1859 namentlich als Dachschiefergrube auf. Von Königsberger Seite wurde der bergmännische Abbau dort betrieben. Man erreichte nun den höchstgelegenen Ortsteil der Großgemeinde und erfuhr dort von Gerlach etwas zur Geschichte des Ortes, dem schon im Jahr 1500 Stadtrechte verliehen wurden. Nicht nur Kalkstein, Eisenerz und Schiefer barg die Region. Die Wanderung offenbarte auch den einstigen Abbau von Phosphorit im Tagebau und damit eng verbunden die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandene Moritzburg, die heute einen Biolandwirtschaftshof beherbergt.

An diesem mit knapp über 400 Meter höchsten Punkt der Tour wurde gerastet, bevor es zur "Baumelbank" ging. Der einmalige Fernblick von dort in östliche Richtung reicht bis zum größten zusammenhängenden, einstigen Vulkangebiet Europas, dem Vogelsberg. Spätestens an dieser Stelle sollte deutlich werden, welch ein touristisches Juwel das Biebertal mit seinem großen Streckennetz an Wanderwegen, entlang und durch geschichtlich interessante Plätze und Orte, und mit seinen landschaftsprägenden und naturgegebenen Besonderheiten ist.

Bürgermeisterin Patricia Ortmann versicherte vor Ort, dass man in enger Zusammenarbeit mit der Stabsstelle Touristikförderung beim Landkreis Gießen, Biebertal konzeptionell touristisch weiterentwickeln werde. Die Wanderung, die am alten Bergwerk "Grube Königsberg Gemarkung" vorbei am ehemaligen Verlauf der Seilbahn und dann runter über den Rotenberg zum Wasserlösungsstollen und den ehemaligen Klärteichen zu ihrem End- und Ausgangspunkt führte, wurde von Christoph Sauer begleitet, der für Biebertal-TV die Veranstaltung filmisch dokumentierte.

Infos zur Tour im Internet unter https://de.wikiloc.com/routen-wandern/montangeschichte-biebertal-teil-1-33199406.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare