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Handschuhe, Masken, Desinfektionslösung und eine Sitzordnung mit mindestens zwei Metern Abstand. Der Eilausschuss der Biebertaler Gemeindevertretung tagt am Montag unter besonderen Bedingungen. FOTO: SO

Bauhof/Feuerwehr

Es geht voran in Biebertal

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Jetzt ist Biebertal beim geplanten Neubau von Bauhof und Feuerwehrstützpunkt in Rodheim nahe der Großsporthalle einen Schritt weiter.Im Januar 2021 sollen die Arbeiten beginnen.

Biebertal (so). Die aktuelle Kostenberechnung für den neuen Bauhof und einen gemeinsamen Feuerwehrstützpunkt für Rodheim, Bieber, Fellingshausen und Vetzberg nahe der Großsporthalle liegt bei rund 10,7 Millionen Euro: Das ist rund eine Million über der Kostenschätzung vom Juni 2019. Seinerzeit war zuerst mit 9,45 Millionen Euro, dann mit 9,7 Millionen Euro kalkuliert worden. Bei dieser Summe setzten die Freien Wähler einen Kostendeckel auf das Projekt.

Kostendeckel fällt

Der entsprechende Beschluss vom vergangenen Juni ist jetzt vom Haupt- und Finanzausschuss aufgehoben worden. Der Ausschuss hat am Montag in seiner Funktion als Eilausschuss unter Leitung von Wolfgang Lenz (SPD) zudem beschlossen, auf Grundlage der vom Büro k-Plan vorgelegten Entwurfspläne, der Kostenberechnung und des Terminplans die nächsten Schritte zu gehen: Genehmigungs- und Ausführungsplanung, Bauantrag - und dann ab Januar 2021 Bau. Das Ziel: Fertigstellung im Spätsommer 2022.

Landeszuschuss sichern

384 000 Euro Zuschuss gibt das Land - wenn denn zügig begonnen wird. Als Startsignal werden jetzt schon die Arbeiten für ein großes Regenrückhaltebecken und die Bodenplatte auf den Weg gebracht.

Nach der aktuellen Kostenberechnung ist der Feuerwehrstützpunkt nun mit 6,25 Millionen Euro bepreist, der Bauhof mit 4,47 Millionen. Was es letztlich genau kosten wird, das werden erst die Ergebnisse der Ausschreibungen zeigen. Schon jetzt geht man in Biebertal davon aus, dass es womöglich nicht bei den 10,7 Millionen Euro bleiben wird. Ausschussvorsitzender Lenz erwartet, "dass wir diesen Kostenrahmen erheblich überschreiten". Insofern müsse allen klar sein, "dass wir bereit sein müssen, im Etat 2021 Geld nachzulegen". Auch Bürgermeisterin Ortmann sieht: "Günstiger wird es nicht."

Teurer als erhofft

Die Kosten sorgen weiter für Diskussionsstoff: FW-Fraktionsvorsitzende Inge Mohr signalisierte im Ausschuss, die zusätzliche Million mitzutragen. Schließlich bekomme man auch mehr: etwa bessere Funktechnik und Fotovoltaikanlagen auf den Dächern. Insofern seien es eigentlich keine Mehrkosten.

Erregte Gemüter

Ein sichtlich erregter CDU-Fraktionsvorsitzender Thorsten Cramer kam zu einer völlig anderen Einschätzung: Die 10,7 Millionen Euro seien ein "bitteres und niederschmetterndes Resultat, weil man zu lange gewartet und immer wieder umgeplant" habe. So dürfe man es nie wieder machen. Dem pflichtete die Bürgermeisterin bei, die daran erinnerte, dass der Auftrag ans Planungsbüro immer wieder geändert wurde. Und dass die Gemeindevertretung Architektenaufgaben an sich gezogen habe: "Zwei Jahre Rumdoktorei und Rumdiskutiererei - das alles kostet Zeit und immer wieder Geld", wurde Ortmann ungewohnt emotional.

Cramer plädierte wie Grüne und SPD dafür, den Kostendeckel angesichts der Realitäten aufzuheben, um jetzt voranzukommen. Dem widersprach Koalitionspartnerin Mohr: "Es ist nicht so, dass die Gemeindevertretung irgendwas verzögert hat!" Sie wollte den Beschluss von 2019 nicht revidiert wissen, lediglich die 10,7 Millionen jetzt als neue Kostenberechnung beschlossen sehen. Damit blieb die FW-Chefin aber allein.

Kommentar

Eine gute und eine weniger gute Nachricht: Es ist gut, dass es in Biebertal jetzt - endlich! - mit dem Großprojekt vorangehen kann. Die Feuerwehren warten angesichts von drei alten und von Schließung bedrohten Gerätehäusern darauf. Noch viel länger warten die Mitarbeiter des Bauhofes auf angemessene Arbeitsbedingungen. Der Bauhof entspricht in seinen jetzigen Strukturen schon längst nicht mehr den Vorschriften der Unfallkasse. Vor Patricia Ortmann haben sich schon Helga Lopez und Thomas Bender auf dem Bürgermeistersessel mit dem Thema befasst.

Die weniger gute Nachricht: Die Aussprache am Montag zeigte auf, dass es um das Miteinander in der Koalition von Freien Wählern und CDU weiterhin nicht gut bestellt ist. Wenn CDU-Chef Cramer von "katastrophalen Fehlern" spricht und selbstkritisch einräumt, er habe "viel zu lange geschwiegen", dann zielt er damit auch deutlich auf den Koalitionspartner. Der stand am Montag zwar selbstbewusst, aber recht einsam da. Krisenstimmung! so

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