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Freier Blick übers weite Feld: Hier entsteht Bauland in Fellingshausen.

Gegen mächtige Doppelhaushälften

  • Rüdiger Soßdorf
    VonRüdiger Soßdorf
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Nachbarn des geplanten Baugebiets »Dreispitz III« in Fellingshausen protestieren gegen einen Riegel von Doppelhäusern direkt hinter ihren Gärten. Sie plädieren für eine angrenzende Einfamilienhausbebauung. Der Erschließungsträger nimmt die Anregungen der Bürger mit.

Während die einen sehnlichst auf das neue Baugebiet »Dreispitz III« in Fellingshausen warten, um dort endlich ein Grundstück kaufen und ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen zu können, sehen dem andere mit gemischten Gefühlen entgegen. Im Bau- und Infrastrukturausschuss der Gemeindevertretung brach sich jedenfalls am Donnerstag vergangener Woche deutlicher Protest Bahn: Konkret fürchten Anwohner aus dem östlich angrenzenden Viertel »Dreispitz II« zu große Bauten quasi direkt an ihren Grundstücksgrenzen. Konkret: Ein Dutzend Doppelhaushälften mit Höhen von 10,50 Metern und flach geneigten Dächern könnten wie ein massiver Riegel wirken. Gegen so etwas wollen die Nachbarn nicht schauen.

Just eine solche Bebauung sieht der erste Entwurf vor, der am Donnerstag erstmals das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Denn bislang können die Anwohner quasi ins freie Feld blicken. Dass es dort eine Bebauung geben wird, ist den Nachbarn klar. Aber die angedachten Ausmaße sind ihnen schlicht zu üppig dimensioniert. Schnell fielen da in einer teils erregten Diskussion im Ausschuss Stichworte wie »Atlantikwall« oder »riesiger Riegel«.

Die anwesenden Bürger signalisierten jedenfalls deutlichen Redebedarf. Dafür gab es kurz Gelegenheit in einer Sitzungsunterbrechung. Warum diese Gebäudehöhen von 10,50 Metern? Zweigeschossige Doppelhaushälften plus Staffelgeschoss mit Pultdach, die anmuten wie dreigeschossig?

Die Nachbarn plädieren da explizit für eine kleinteiligere Bebauung. Und stellten die Vermutung in den Raum: »Das ist keine Planung - das ist Gewinnoptimierung!«

Wobei Projektentwickler und Erschließungträger Martin Weimer (Lahnau) dies von sich wies: Es sei nicht seine Idee gewesen, dort stark zu verdichten. Vielmehr sei der Wunsch aus dem Rathaus gekommen, möglichst effektiv mit der Fläche umzugehen und den Bodenverbrauch auch aus ökologischen Gründen eher gering zu halten. Aber eben gleichermaßen möglichst viel Wohnraum zu gewinnen. Bürgermeisterin Patricia Ortmann bestätigte dies im Ausschuss: »Wir haben ein Konzept ausgeschrieben mit dem Ziel, dass möglichst viel Wohnraum entsteht.«

Weimer sicherte zu, die Kritik und Anregungen der Bürger mitzunehmen. Vor allem deren Idee, die Pläne einfach zu spiegeln: Also an das vorhandene Wohngebiet angrenzend eine eher lockere Einfamilienhausbebauung vorzusehen und die Doppelhäuser am westlichen Rand der Bebauung zu positionieren. »Wir wollen hier keine Fremdkörper bauen. Auch wir haben ein Interesse, eine Eingliederung in dörfliche Siedlungsstrukturen zu erreichen, so wie sie den Menschen vertraut sind«, so Weimers Signal.

Weniger Dissens gab es um die geplanten Mehrfamilienhäuser, die im Süden des Gebiets, dann schon jenseits der Straße nach Bieber, gebaut werden sollen. Auch da die Höhe: zwei- bis dreigeschossig. Wobei auf eine eher lockere, versetzte Bebauung geachtet werden soll. Die größeren Häuser wandern weiter nach Westen, weg von der vorhandenen Siedlung.

Martin Weimer weiß um die gigantische Nachfrage vor allem nach Einfamilienhaus-Grundstücken in der Größenordnung von rund 500 Quadratmetern: »Dreispitz III ist eine herausragende Lage - das ist aller Mühen wert«, versicherte er gleichermaßen den Fellingshäusern wie den anwesenden Kommunalpolitikern.

Vorgesehen sind dort jedenfalls auf den Gebäuden Solar- und Regenwassernutzung, zudem Nahwärmeversorgung und Plätze für Carsharing.

In den Plänen nicht dezidiert ausgewiesen ist eine Fläche für einen möglichen Kita-Neubau. An Betreuungsplätzen mangelt es in Fellingshausen. Aber es ist wohl noch keine Entscheidung getroffen, ob die bestehende Kita in kirchlicher Trägerschaft im benötigten Ausmaß erweitert werden kann oder ob es einer weiteren Einrichtung bedarf.

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