Frankenbacher erinnerten an den Luftangriff 1945

Biebertal (mo). "In unserer Erinnerung holt uns immer wieder die Vergangenheit ein, durch Ereignisse, die uns trotz der langen Zeitperiode von 65 Jahren noch lebendig und aktuell vor Augen stehen und die wir nicht vergessen können". Das sagte am Sonntag Ekkehard Löw beim Gedenken an die Opfer des Luftangriffs auf Frankenbach vor 65 Jahren.

"Immer wenn in unserer Welt Auseinandersetzungen mit Krieg und Gewalt stattfinden, fühlen wir uns auch in unserem Dorf betroffen, denn wir haben hier im Ort das erlebt, was wir als weit entfernt von uns vermuteten und was uns umso härter betroffen hat," führte am Sonntag Ekkehardt Löw, der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Frankenbach aus. Löw sprach im Rahmen einer kurzen Gedenkveranstaltung "65 Jahre Luftangriff auf Frankenbach" zur Erinnerung an den 27. März 1945, die nach dem Gottesdienst vor der evangelischen Kirche stattfand.

Löw erinnerte: Der ganze Monat März des Jahres 1945 war sonnig und warm gewesen, die Natur bereitete sich auf neu erwachendes Leben und das Frühjahr vor. Die ersten Knospen an den Zweigen konnten beobachtet werden, in windgeschützten Winkeln schimmerte das erste Grün, das Zwitschern der Vögel erfüllte die Luft, so als wolle die Natur die Menschen in ihrem schweren Leid trösten, das oft erfüllt war von der Nachricht des Verlustes eines nahen Angehörigen. Im Gegensatz zu der hoffnungsfrohen optimistischen Botschaft der erwachenden Natur trugen sich die Ereignisse des 27. März 1945 zu, die die Bewohner Frankenbachs besonders hart trafen.

Es war ein Dienstag, 13 Uhr, als die Bauern bereits die Feldarbeit begonnen hatten und man zunächst frohgemut in der freien Natur beschäftigt war. Man hatte neuen Lebensmut gefasst. Dieser Tag sollte sich in den traurigsten Tag Frankenbacher Geschichte verwandeln, der so gar nicht zu den Sonnenstrahlen über dem Dorf passen sollte.

Amerikanische Verbände hatten bei Remagen den Rhein übrschritten und näherten sich über den Westerwald, Siegen und Herborn unserer Region, während die deutschen Truppen sich in Richtung Osten zurückzogen. Eine größere deutsche Einheit hatte sich im Schutz des Waldes in der Eichenhardt tarnen können, als sie am 27. März 1945 entgegen aller Vernunft den Befehl erhielt, sich in Richtung Osten und Marburg in Marsch zu setzen, also den schützenden Wald zu verlassen.

Kaum hatte die Fahrzeugkolonne mit ihrer Spitze Frankenbach in Richtung Krumbach und Kirchvers durchfahren, als auch bereits die amerikansichen Jagdbomber auftauchten, über unserem Dorf kreisten, Spreng- und Brandbomben sowie Benzinkanister abwarfen und auf alles schossen, was sich bewegte. Wohnhäuser im Erdaer Weg (damals Hauptstraße) und in der Kirchstraße (damals Ortsstraße) wurden beschädigt und brannten.

Es gab Verletzte und Tote zu beklagen. Die Kirche war an der linken Ecke beschädigt worden, die Reparaturstelle ist heute noch zu erkennen. Ein alte Linde war zerfetzt worden, drei Wohnhäuser brannten völlig aus, mehrere andere wiesen starke Bombenschäden auf. Weitere Brände konnten durch das Eingreifen von Helfern gelöscht werden.

Neben vielen Schäden an Häusern, einige wurden ganz zerstört, waren auch Tote zu beklagen.

Im Erdaer Weg waren im Haus Nr. 26 Hanna Klein, geb. Wagner und Töchterchen Ursula, gerade einmal zwei Jahre alt, ums Leben gekommen.

Ferner hatten in Feths Haus (Nr. 53) Anna Schäfer mit Enkelkind Brigitte Elisabetha Wagner, 14 Monate alt, den Angriff nicht überlebt. Anna Schäfer hatte es nicht mehr geschafft, mit dem Kind auf dem Arm ins Haus hineinzukommen.

Durch Bordwaffenbeschuss hatte in der Kirchstraße Elisabeth Atzert ein Bein verloren und starb später in Gießen an Wundstarrkrampf.

Auch im Hause Runzheimer kehrte große Trauer ein: Die kleine Gertrud, elf Jahre alt, wurde hier im Elternhaus bei der Kirche von einem Geschoss getötet.

Nach dem Ende des Angriffs flüchteten viele Menschen in den "Eulersgrund" und in den "Dreitrog" und kamen erst am nächsten Tag nach dem Durchzug der amerikanischen Truppen durch Frankenbach, der etwa sechs Stunden gedauert hatte,... wieder in ihr zerstörtes Dorf zurück, das sie nicht mehr wieder erkannten. Groß waren die Bestürzung und die Trauer, man wusste kaum, was man als erstes tun sollte: Gebäude brannten, Verletzte schrieen um Hilfe, angeschossenes Vieh musste notgeschlachtet werden, Feuer war zu löschen und teilweise war man auf der Suche nach seinen Angehörigen, in der bangen Hoffnung, dass sie den Angriff überlebt hatten.

Die Frauen und Kinder wurden auf dem Friedhof in ein Reihengrab gebettet. Im Dorf waren immer amerikanische Lastwagen mit deutschen Kriegsgefangenen unterwegs.

Löw: "Kriege lassen kein Mitleid und kein Erbarmen zu, sie sind nur auf Vernichtung ausgerichtet". Erst als es die ersten Kontakte mit der amerikansichen Besatzung gab, von denen mancher deutsche Vorfahren hatte, die nach Amerika ausgewandert waren, als man gar die Soldaten ins Haus einlud, um sie zu bewirten und als diese den Kindern kleine Geschenke machten, kehrte die Menschlichkeit in die Herzen zurück. Alles Hartherzige und Grausame war vorbei, es gab einen ersten Hoffnungsschimmer für eine bessere Zukunft.

Ekkehard Löw schloss: "Am heutigen Sonntag erinnern wir uns an die Ereignisse des Krieges, wie sie uns hier in Frankenbach betroffen haben, betrachten sie als Mahnung für alle Nationen, sich auch in Zukunft aufmerksam um die Erhaltung des Friedens zu bemühen und Freundschaften und Begegnungen über alle Grenzen hinweg zu schaffen. Vorurteile fallen zu lassen, mit Toleranz und wohlgesonnenem Herzen aufeinander zuzugehen und unsere Welt als eine gemeinsame und gleichberechtigte Gabe Gottes für alle Menschen zu betrachten, auf der wir in Frieden miteinander umgehen und uns die Hand reichen sollten".

Der evangelische Pfarrer Günter Schäfer mahnte im Rückblick auf diesen schlimmen Luftangriff und an Kriege überhaupt, es nicht so weit kommen zu lassen, sondern für den Frieden zu leben und zu arbeiten und vernünftig miteinander umzugehen.

Pfarrer Schäfer sprach abschließend ein Gebet auch für die Menschen, die weltweit unter Hass, Verfolgung und Krieg zu leiden haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare