Erinnerungen an die Familie Kretzer lassen (v. l.) Margit Weiner, Ursula Tönnemann, Gabriele Thielmann und Hiltrud Specka aufleben. FOTO: WS
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Erinnerungen an die Familie Kretzer lassen (v. l.) Margit Weiner, Ursula Tönnemann, Gabriele Thielmann und Hiltrud Specka aufleben. FOTO: WS

Erinnerung an Lehrer Kretzer

  • vonKlaus Waldschmidt
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Biebertal(ws). Ursula Tönnemann ließ jetzt im Kirchencafé ein Stück Krumbacher Historie lebendig werden. Sie erzählte von Otto Kretzer, der von 1927 bis 1933 Lehrer in Krumbach war und mit seiner Frau Berta sowie den drei Kindern in der alten Schule neben dem Backhaus wohnte. "Wir haben unsere Großeltern geliebt. Sie haben uns Achtung und Wertschätzung weitergegeben und unser Interesse für Musik, Kultur und Bücher geweckt", sagte die Enkelin von Otto und Berta Kretzer.

Für das Kirchencafé-Team hieß Isolde Herwig die Referentin der "Zeitreise in das Krumbach um 1930" willkommen. Ursula Tönnemann wurde von ihrer Schwester Gabriele Thielmann, Hiltrud Specka (Gitarre) und Margit Weiner unterstützt. Gekommen waren auch Lidia Rühl, die damals in Krumbach Nachbarin von Kretzers war, und Brigitte Geibel, die Tochter von Karl Hedrich, Nachfolger von Otto Kretzer als Lehrer. Ein "Tisch der Erinnerungen" mit Fotos und Gegenständen bot einen visuellen Rückblick auf Familie Kretzer.

Grundlage der "Zeitreise" war das Buch "Mein Leben", das die drei Enkelinnen nach Aufzeichnungen von Großmutter Berta Kretzer konzipiert haben. "Unsere Oma hat gern und viel Gutes über Krumbach geschrieben", erzählte Tönnemann.

Otto Kretzer, geboren in Dillbrecht, war 1919 nach der ersten Lehrerprüfung zunächst Lehrkraft in Rabenscheid und dann in Arborn. Dort lernte er seine Frau Berta kennen. 1927 kam die Familie mit den Töchtern Helene und Anneliese nach Krumbach, Tönnemanns Mutter Brunhilde wurde in Krumbach geboren. "Opa Kretzer hatte sich für diese Pädagogen-Stelle entschieden, weil in Krumbach auch das Organistenamt damit verbunden war und das nahe Gießen weiterführende Schulen bot", sagte Tönnemann. "Unsere Großeltern hatten eine ganz glückliche Zeit in Krumbach."

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann jedoch eine sorgenvolle Zeit, da Otto Kretzer der SPD nahestand. Er kam in "Schutzhaft". Als der Schulrat kam, forderten die Krumbacher ihren Lehrer zurück. Doch Kretzer wurde zunächst vom Dienst suspendiert, dann nach Allendorf bei Haiger versetzt. Die Krumbacher halfen beim Umzug. Nach dem Krieg musste er wegen des Lehrermangels die Leitung der Schule in Herborn-Seelbach übernehmen. Otto Kretzer verstarb 1970, seine Gattin 1988.

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