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Karl-Heinz Reeh, Elke Lepper und Heimatvereins-Vorsitzender Helmut Failing (v. l.) stellen die neue Broschüre "Siebenjähriger Krieg im Gleiberger Land" vor. Foto: ws

Von einer Zeit großer Not

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Biebertal(ws). Der Heimatverein Rodheim-Bieber stellte jetzt im Rodheimer Heimatmuseum die Broschüre "Siebenjähriger Krieg im Gleiberger Land" vor. "Diese Broschüre dient nicht nur dem Geschichtsbewusstsein, sondern soll auch immer wieder zum Frieden mahnen", sagte Vorsitzender Helmut Failing. 2009 hatte der Heimatverein aus Anlass des 250. Jahrestages der Truppeneinquartierungen im Gleiberger Land während des Siebenjährigen Krieges eine Ausstellung im Heimatmuseum gestaltet. Die damaligen Recherche-Ergebnisse liegen nun mit einigen Ergänzungen in einer 70-seitigen Broschüre mit zahlreichen Bildern vor. Prof. Peter Mayser, Karl-Heinz Reeh, Manfred Schmidt, Dr. Jutta Failing, Elke Lepper und Helmut Failing haben mitgewirkt. Die Broschüre kann sonntags von 15 bis 17 Uhr im Heimatmuseum und beim Biebertaler Weihnachtsmarkt am 15. Dezember für 10 Euro am Stand des Heimatvereins erworben werden.

Nach der verlorenen Schlacht der Franzosen Anfang August 1759 bei Minden zogen sich diese in ihre Festung Gießen zurück. Die alliierten Truppen unter dem preußischen Heerführer Prinz Ferdinand von Braunschweig zogen von Hermannstein bis zur Badenburg mit etwa 50 000 Soldaten ein und machten dort Quartier bis Anfang 1760. Zu dieser Zeit war es üblich, dass die belagerte Bevölkerung die Soldaten zu verköstigen hatte. Das bedeutete, die einheimische Bevölkerung litt große Not Hunger und Elend. Zu dieser Zeit hatte das Kirchspiel Rodheim mit Vetzberg, Bieber und Fellingshausen knapp 700 Einwohner und eine Sterberate von etwa 25 Personen im Jahr. Neben dem Hunger gesellte sich noch die Rote Ruhr hinzu. Bereits 1759 hatte das Kirchspiel 94 Sterbefälle und 1760 nochmal 123.

Der Rodheimer Pfarrer schrieb am 30 Dezember 1759 ins Kirchenbuch: "Selig sind die Toten, die in dem Herren sterben bei dieser bekümmerten Zeit, die wahrlich nicht kläglicher sein könnte, da Wälder und Felder, Haus und Hof und alle Nahrungsmittel verheert und verstört, fouraggiert und den Leuten weggenommen und nichts als das Leben und nichts dazu gelassen wird. Herr erbarme dich unser".

Der nun vorgelegte Band spannt einen Bogen von der allgemeinen politischen Entwicklung über Eintragungen im Königsberger Kirchenbuch bis hin zu den Schanzen.

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