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Bei den "Füchsen", wie die Fellingshäuser genannt werden, hat sich Horst Rockel immer wohlgefühlt.

Auf einem weiten Weg

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Biebertal (m). Es war ein fröhlicher Abschied, bei dem viel gelacht wurde und dennoch Worte und Gedanken zum Nachdenken anregten und auch Wehmut aufkam. Damit entsprach die Verabschiedung von Pfarrer Horst Rockel seinem Naturell, seiner Persönlichkeit und seinem Verständnis von theologischer und seelsorgerischer Arbeit, für die er seit September 2012 in den Gemeinden Fellingshausen und Königsberg zuständig war. Im Pfingstgottesdienst in der evangelischen Kirche Fellingshausen würdigte Matthias Schmidt, Propst für Oberhessen, das Wirken des 65-jährigen gebürtigen Lauterbachers, dankte ihm namens der Kirchenleitung und verlieh ihm die Verabschiedungsurkunde mit dem Bibelwort "Des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit".

In seiner Ansprache lehnte sich der Propst an Rockels Predigt an, in der dieser die Gottesdienstbesuchern an Stationen seines Lebens teilhaben ließ. Nach Studium in Berlin, Münster und Marburg wurde er vor 30 Jahren im Vogelsberg ordiniert. Sein Segenszuspruch war ein alttestamentliches Wort aus dem 1. Buch Könige: "Steh auf und iss, denn Du hast einen weiten Weg vor Dir", hatte ein Engel zu Elia gesagt. Dieses Wort habe ihm Kraft gegeben, so Horst Rockel.

Lebenswege sind nicht gerade

Den Künstler und Querdenker Friedensreich Hundertwasser bemühte Matthias Schmidt, um mit Verweis auf dessen Formen und Farben festzustellen, dass die Lebenswege eines jeden Menschen nicht gerade und eben verlaufen. Oftmals wandle man auf Umwegen, Irrwegen und sogar in Sackgassen. Das Leben gelinge nicht durch eigene Strategien und Optimierungsversuche, sondern allein durch Gottes Geist in der Erkenntnis der Wahrheit. Die Aufgabe eines Pfarrers, Menschen auf Unebenheiten ihres Lebens ein Stück zu begleiten und ihnen Trost und Hilfe zu sein, habe Pfarrer Rockel stets in seinen seelsorgerischen Gesprächen gemeistert.

Dekan Andreas Specht überreichte dem scheidenden Pfarrer einen kleinen Nachbau des Gießener Stadtkirchenturms. Kirche finde dort statt, wo Menschen unter Gottes Wort zusammenkämen. Sein unterschiedliches Wirken, beispielsweise in der "Biebertaler Runde", in der das Zusammenführen der Kirchengemeinden vorangetrieben wird sowie in der Seniorenbetreuung und bei den Vertretungsdiensten sei stets wohltuend, besonnen und unaufgeregt gewesen, so der Dekan. Von den Biebertaler Pfarrkollegen nahmen Pfarrer Günter Schäfer, Christin Neugeborn und vom katholischen Pastoralteam "St. Anna" Pfarrer Martin Weber und Gemeindereferentin Gertrud Wittenstein teil. Christin Neugeborn hatte von ihrem Kirmesgottesdienst in Bieber ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift, "Du bist einfach Spitze", mitgebracht und schenkte es Horst Rockel.

Der Gottesdienst wurde mitgestaltet von Karoline Eigner (Gesang, Klavier), Bernd Wiesner (Orgel), dem Kirchenchor und dem Posaunenchor Biebertal.

Gemeinsam wurde anschließend im Petrushaus gefeiert, wo sich der Ruheständler gerne einem großen Defilee an Gratulanten aus den Gemeindegruppen, den beiden Kirchenvorständen, Wegbegleitern und der Vereinsgemeinschaft stellte, die ihm Geschenke überreichten und alles Gute wünschten.

Ein Stück weit dem Himmel näher rückt Horst Rockel nun mit seinem Wohnsitz auf dem Gleiberg und so schließt sich der Kreis des Bibelwortes, das der Ruheständler vor sieben Jahren bei seiner Einführungspredigt verwandte, "denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die Zukünftige suchen wir". Die Pfarrstelle ist neu ausgeschrieben.

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