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Die evangelische Kirche in Vetzberg fällt durch ihre außergewöhnliche Optik auf.

Eine architektonische Besonderheit

  • vonKlaus Moos
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Biebertal (mo). Vor 30 Jahren wurde die Kirche in Vetzberg errichtet. Dieses ob seiner Architektur auffällige Gebäude geht zurück auf einen Gestaltungsentwurf der damals jungen Architekten Rolf Hempelt und Manfred Bernhardt aus Darmstadt.

Von den Bürgern kritisch begleitet

Bis zum Bau der Kirche legte die damalige Gemeindeordnung fest, dass der sonntägliche Gottesdienst in der Rodheimer Kirche und einmal zusätzlich in Vetzberg an einem Sonntagnachmittag stattfinden sollte. Dazu wurden die Räumlichkeiten der damaligen neuen Schule in Vetzberg, jetzt Kindergarten, genutzt, was jeweils mit hohem Aufwand verbunden war. Auch Taufen wurden in Vetzberg angeboten. Kirchliche Trauungen aber wurden in Rodheim durchgeführt.

Immer stärker wurde der Wunsch der Vetzberger nach einer eigenen Kirche. Dabei sollte aber die Komponente Gemeindehaus mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten im Vordergrund stehen.

Der damalige Pfarrer Carl-Heinz Alsmeier trieb die Planungen voran. Die Finanzierung des Hauses, etwa 700 000 Euro, war durch angesparte Eigenmittel und Zuschüsse nahezu gesichert. Als Standort kristallisierte sich der alte, nicht mehr benutzte Friedhof heraus.

Das war zugleich der Startschuss für die Technische Hochschule Darmstadt, mit 17 Studierenden in einem von der Landeskirche und der Bartnung-Stiftung (Bund von Architekten der Nachkriegszeit) ausgelobten Wettbewerb für das Projekt Kirchbau einzutreten. Die noch studierenden Architekten Rolf Hempelt und Manfred Bernhardt gewannen den Wettbewerb.

Mitte August 1990 stellten die Architekten den Vetzbergern ein Modell vor. Auch Ortsvorsteher Professor Manfred Dörr fand die Arbeiten überzeugend. Währenddessen war auf dem alten Friedhof ein Holzlattengerüst aufgebaut, das genau die Größe des geplanten Kirchbaus demonstrierte. Das Lattengerüst war für den Landeskonservator Dr. Enders Bedingung für den Bau der Kirche auf dem alten Friedhof, also an besonderem Ort. Nachdem Enders grünes Licht gegeben hatte, konnte der Bau in eine konkrete Phase eintreten. Der moderne Kirchbau wurde von der Bevölkerung kritisch begleitet.

Platz für die Jugend

Das statische Tragsystem und die Wände wurden konstruktiv voneinander getrennt. Das hallenartige Tragskelett wurde entsprechend den örtlichen Gegebenheiten individuell ausgebaut. Trotz einer Vielfalt an Material und Formen wird durch ein großes, alles überspannendes Dach ein einheitlicher Gesamteindruck erreicht.

Gestaltet wurde ein 64 Quadratmeter großer Gottesdienstraum, der bei Bedarf durch das Öffnen einer großen Schiebetür um das Foyer vergrößert werden kann. Durch die Bestuhlung kann der Raum vielfältig genutzt werden. Im Erdgeschoss wurden dazu eine Teeküche, ein Vorbereitungsraum und ein Behinderten-WC eingerichtet. Im Obergeschoss entstand hinter der Empore mit weiteren Sitzplätzen und Platz für die kleine Orgel ein 30 Quadratmeter großer Jugendraum.

Derzeit finden in den Biebertaler Kirchen, und damit auch in Vetzberg, zum Schutz vor Ansteckung keine Gottesdienste statt. Das besondere Vetzberger Gotteshaus ist jedoch an ausgewählten Sonntagen für einige Stunden geöffnet und lädt ein zum Verweilen in einem Raum der Stille oder zum Gebet. Die Öffnungszeiten stehen auf www.bieberal- evangelisch.de oder in den »Kirchlichen Nachrichten« im örtlichen Mitteilungsblatt.

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