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Kondome, Love-Toys, Dessous

Ehemaliger Orion-Chef gestorben: Er machte Biebertal zur Erotik-Hochburg

  • vonLena Karber
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Werner Susemichel machte Biebertal zur Erotik-Hochburg. Nun ist der ehemalige Orion-Chef im Alter von 81 Jahren gestorben.

Biebertal/Heuchelheim - Kondome, Love-Toys, Dessous - dank Orion ist Biebertal eine Hochburg des deutschen Erotik-Fachhandels. Mehr als 150 Fachgeschäfte in der gesamten Bundesrepublik werden von der Zentrale aus gesteuert. Dass der Marktführer im Bereich Erotikhandel ausgerechnet in der beschaulichen Gemeinde ansässig ist, verdankt Biebertal dem gebürtigen Heuchelheimer Werner Susemichel, der in seinem Heimatort einst einen Versandhandel gründete, der später nach Biebertal umzog. Nun ist der ehemalige Orion-Chef im Alter von 81 Jahren gestorben.

Konkurrenz für das Uhse-Imperium

Kurz bevor die Kuba-Krise die Welt an den Rande eines Atomkrieges brachte und die Spiegel-Affäre bundesweit für Aufregung sorgte, ließ Susemichel beim Handelsregister am 21. August 1962 ein Unternehmen eintragen: den »First Class Spezial Versand« (fcv). Dabei handelte es sich, wie man damals sagte, um ein Unternehmen für den Versand von »Hilfsmitteln für die Ehehygiene«. Der Schwerpunkt der Geschäfte war zunächst die Bestückung von etwa 2500 Kondomautomaten.

In einer Zeit, in der die Anti-Babypille noch in der Entwicklungsphase steckte und Kondome das einzige wirksame Verhütungsmittel waren, bewies Susemichel damit ein feines Näschen. Das Unternehmen lief gut, bereits 1965 eröffnete der junge Kaufmann in der Heuchelheimer Schulstraße die erste fcv-Filiale. Der Laden war das zweite Erotik-Fachgeschäft in der BRD - das erste hatte die Flensburgerin Beate Uhse eröffnet.

Als das Uhse-Imperiums 1981 unter den rivalisierenden Söhnen der Firmen-Gründerin aufgeteilt wurde, war das für Werner Susemichels Erotik-Handel ein Meilenstein. Dirk Rotermund, der den Versandbereich des Uhse-Konzerns übernommen und in »Orion« umbenannt hatte, beschloss nach einer Wettbewerbssperrfrist von fünf Jahren wieder ins Ladengeschäft einsteigen - und fand in Werner Susemichel einen erfahrenden Partner. Fortan wurde in den FCV-Geschäften das gesamte Orion-Sortiment verkauft. Der Name der Firma lautete ab 1986 Orion Erotik Fachgeschäfte GmbH & Co KG.

Eine große Chance bot sich dem Unternehmen im Zuge der Wiedervereinigung 1990: mit den fünf neuen Bundesländern öffnete sich ein neuer Markt. Orion setzte bewusst auf gleiche Preise, gleiche Vergütung und gleiche Qualität in beiden Teilen Deutschlands und hatte damit Erfolg. Das Unternehmen konnte sich im östlichen Bundesgebiet als Marktführer etablieren.

Als Werner Susemichel 2004 im Alter von 65 Jahren in den Ruhestand ging und die Geschäftsleitung endgültig an seine Tochter Heike Susemichel übergab, hatte Orion in der Bundesrepublik rund 130 Filialen und war Biebertals größter Steuerzahler. Zwar wurde bald darauf, 2006, das älteste fcv-Fachgeschäft geschlossen. Der Grund für das Ende hinter der 40-jährigen Geschichte des Heuchelheimer Ladens war jedoch nicht eine sinkende Nachfrage, sondern der gestiegene Raum-Bedarf. In dem Gebäude mangelte es an Platz, um das Sortiment kundenfreundlich präsentieren zu können.

Unter der Leitung von Tochter Heike Susemichel expandierte Orion in den folgenden Jahren weiter und übernahm unter anderem mehrere Filialen des einst größten Mitbewerbers Beate Uhse. In Biebertal beschäftigt Orion derzeit fast 100 Mitarbeiter. Zudem betreibt der Konzern in Zusammenarbeit mit selbstständigen Partnern vor Ort 156 Läden deutschlandweit.

Arbeitsmotto frei nach Konfuzius

Den Grundstein dieser Erfolgsgeschichte hat 1962 Werner Susemichel gelegt - mit Fleiß und mit Freude. Konfuzius habe gesagt, wenn man einen Beruf wähle, den man liebe, müsse man keinen Tag im Leben arbeiten, zitierte Werner Susemichel den chinesischen Philosophen bei seiner Verabschiedung in den Ruhestand und zog ein Resümé: »Wenn das stimmt«, sagte er, »dann habe ich tatsächlich nur wenige Tage in meinem Leben gearbeitet.«

In den vergangenen Jahren widmete sich der ehemalige Orion-Chef vor allem seinen Enkeln, dem Reisen und dem Skifahren. Werner Susemichel starb am 23. September.

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