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Es gibt keine Fotos vom Bombenangriff auf Bieber. Der Rodheimer Künstler Reinhold Kerl († 2015) schuf dieses Gemälde von den verheerenden Zerstörungen im Waldweg. Es zeigt von links die Anwesen von Georg Wagner (Waldweg 14), Adolf Schleenbecker (Waldweg 12) und Karl Gerlach ("Emels Haus"), Waldweg 10.

Dunkle Stunden am Dünsberg

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Vor 75 Jahren fielen Bomben auf Bieber und Frankenbach. Es gab Tote und Verletzte. In den kommenden Tagen wird in den Dörfern an die Opfer erinnert.

Ältere Bieberer erinnern sich noch an den schrecklichen Bombenangriff auf Bieber am 14. März 1945. Das Dörfchen wurde wenige Wochen vor Kriegsende bei herrlichem Frühlingswetter bombardiert. Sieben Menschen, drei auf Hof Haina und vier in Bieber, konnten nur noch tot aus den Trümmern gebogen werden. Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, was der Grund des Angriffs war. Wie aus heiterem Himmel fielen, ohne dass Alarm gegeben werden konnte, die Bomben auf den westlichen Teil von Bieber und der Großteil in den Wald am Rimberg. Wenn alle abgeworfenen Bomben das Dorf getroffen hätten, wäre von Bieber wohl wenig übrig geblieben.

Weder waren an diesem Tag deutsche Truppen in diesem Bereich auf dem Rückzug noch gab es bedeutende strategische Gründe oder Ziele, die den amerikanischen Verband dazu hätten veranlassen können, Spreng- und Phosphorbrandbomben über Hof Haina und Bieber abzuwerfen. Es könnte eine Verwechslung mit dem Rimberg in Bieber und dem Rimberg zwischen Marburg und Kassel vorgelegen haben, auf dem sich eine V 2-Raketenstelle befand. Möglich ist auch, dass der Bombenabwurf dem etwa zwei Kilometer entfernten Hof Schmitte galt, auf dem eine militärische Spezialeinheit stationiert war. Doch belegt ist dies bis heute nicht.

Am Sonntag, 15. März 2020, um 10 Uhr, 75 Jahre später, findet in der evangelischen Kirche in Bieber ein Gedenkgottesdienst statt, zu dem die Emmausgemeinde und der Heimatverein Rodheim-Bieber einladen. Mit diesem Gedenk-Gottesdienst wollen die Organisatoren mahnen, damit sich solche schlimmen Ereignisse nicht wiederholen. Zugleich wird der unschuldigen Opfer gedacht.

"Es gibt nur einen Weg, mit dem Schrecklichen umzugehen. Wir müssen uns und alle anderen wieder und wieder daran erinnern", sagte der Holocaust-Überlebende und Publizist Elie Wiesel. Die Verlockung des Verdrängens ist groß. Hier sind gerade die Nachkriegsgenerationen angesprochen, die keinen Krieg erleben mussten. Für sie sind Wohlstand und Frieden zu einer Selbstverständlichkeit geworden.

Auf dem Gelände an der Rimbergstraße, auf dem heute die Kirche steht, sollte am Sonntag, 18. März 1945, die zentrale Trauerfeier für die Opfer stattfinden, die in dem angrenzenden Feuerwehrgerätehaus aufgebahrt waren. Die Feier musste abgebrochen werden, da die Trauergemeinde immer wieder von feindlichen Tieffliegern gestört wurde.

Zeitzeugen zu Gast

Im Gottesdienst werden Zeitzeugen zu Wort kommen. Eine Bildtafel erinnert an die Opfer. Auch die tapferen Worte in den Trauerpredigten von dem Dekan i.R. Karl Schmidt aus Gießen bleiben nicht unerwähnt. Diese Worte, wie "Du sollst Deinen nächsten lieben und Deinen Feind hassen. Ich sage aber Euch: Liebet eure Feinde und betet für die, die Euch verfolgen, damit sie Söhne Eures Vaters werden, der im Himmel ist", wären ihm beinahe zum Verhängnis geworden. Nur der Umstand, dass am 28. März die Amerikaner kamen, rettete ihn vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten.

Noch einen Tag vor dem Einmarsch der Amerikaner am 27. März wurde das wenige Kilometer entfernt liegende Frankenbach aus der Luft angegriffen. Eine größere deutsche Einheit hatte sich im Schutz des Waldes in der Eichenhardt nahe Frankenbach versteckt, als die Soldaten am 27. März den Befehl erhielten, sich in Richtung Marburg in Marsch zu setzen.

Kaum hatte die Fahrzeugkolonne Frankenbach in Richtung Krumbach und Kirchvers durchfahren, da tauchten amerikanische Jagdbomber auf, warfen Bomben ab und schossen auf alles, was sich bewegte. Wohnhäuser im Erdaer Weg (damals Hauptstraße) und Scheunen in der Kirchstraße (damals Ortsstraße) wurden beschädigt und brannten, es gab Verletzte und Tote zu beklagen.

Auch die Kirche war an der Außenwand beschädigt, die Reparaturstelle ist heute noch zu erkennen. Drei Wohnhäuser brannten völlig aus, mehrere andere wiesen starke Bombenschäden auf.

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