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Die »gute Stube«

  • vonKlaus Waldschmidt
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Biebertal (ws). Das Rodheimer Bürgerhaus war 1961 eines der ersten Bürgerhäuser im Altkreis Wetzlar und ist bis heute ein Ort der Kommunikation, der Geselligkeit, der Kultur und sportlicher Aktivitäten. Das Gebäude steht in diesem Jahr somit seit 60 Jahren.

Der Gebäudekomplex beherbergte neben dem großen Saal mit Bühne, Theken- und Küchenbereich, dem Jugendraum auf der Empore, Dusch- und Umkleideräumen auch eine Gaststätte mit Kegelbahn im Untergeschoss. Auch die Gemeindebücherei fand ihren Platz im Haus.

Markant war die Außenfassade des Bürgerhauses mit ihren weißen Klinkern und der lange, überdachte Eingangsbereich von der Mühlbergstraße aus. Nicht nur für Sportler und Kulturtreibende brachte es neue Möglichkeiten, war der große Saal mit weit über 400 möglichen Sitzplätzen doch größer als jeder Gastwirtschaftssaal im Ort.

Den Eingangsbereich zierte ein großes Mosaik des Rodheimer Künstlers Hans Richter, das heute nicht mehr sichtbar ist. Zahlreiche Prominente waren im Bürgerhaus zu Gast. Die Erinnerung an diese Auftritte rief die Ausstellung »Waldesruh - Kleinstadtzauber - die Geschichte des Fremdenverkehrs im Landkreis Gießen und in Biebertal« im Rodheimer Heimatmuseum wach.

So war die »Gut Stubb« von Biebertal im April 1962 bis auf den letzten Platz gefüllt, als der unterhaltsame Quizabend »Wünsch dir was!« mit Peter Frankenfeld über die Bühne ging. Dabei durfte sich jeder Mitspieler einen Musiktitel wünschen, der im Schallplattenarchiv des Funkhauses in Frankfurt gesucht wurde, während der Mitspieler eine Aufgabe lösen musste. Kam die Übertragung aus dem Schallplattenarchiv eher als die Antwort des Mitspielers, ging er leer aus. War es umkehrt, bekam er 50 DM.

Frankenfeld und Millowitsch

Damals gab es auch einen Wettlauf mit dem Funkhaus. Dazu wurde der zweifache Hessenmeister im Moto-Cross, der Rodheimer Hans-Joachim Bernhardt, mit einer gefüllten Likörkaraffe auf die Reise nach Frankfurt geschickt und war dort vor dem Ende der Sendung angekommen.

Im November 1963 wurde die Sendung »Blauer Bock« in Rodheim aufgezeichnet. Dass das Fernsehen kam, dafür hatte sich Bürgermeister Wolf-Dieter Meckel eingesetzt. Millionen Menschen sahen die Sendung mit Otto Höpfner aus dem Bürgerhaus, 250 einheimische Gäste waren live vor Ort dabei. Den musikalischen Auftakt gaben Sänger der drei Gesangvereine aus Rodheim-Bieber unter Karl Nöllge.

80 Minuten gute Laune vermittelte auch die Hörfunksendung »Frankfurter Wecker« des Hessischen Rundfunks Ende Juni 1963 mit Heinz Schenk. Eine große Menschenmenge stand lange vor Beginn vor dem Bürgerhaus, um diese beliebte Radiosendung vor Ort mitzuerleben. Das Orchester Willi Berking spielte auf.

1967 erlebte das Rodheimer Bürgerhaus Willy Millowitsch, den Kölner Volkstheater-Helden mit dem großen komödiantischen Herz. Gespielt wurde das Stück »Die Zwangseinquartierung«.

1983 wurde der Anbau mit dem kleinen Saal und einer Küche sowie Nebenräumen für die Hausmeister eingeweiht. Der Saal bot in angenehmer Atmosphäre neue Möglichkeiten für Familienfeiern, Hochzeiten und kleinere Veranstaltungen. Dem damaligen Ortsbeirat von Rodheim-Bieber mit Otto Siegel an der Spitze war der Anbau stets ein großes Anliegen gewesen.

Auch nach der grundlegenden Sanierung ab Anfang 2000 in mehreren Bauabschnitten ist das Haus ein beliebter Veranstaltungsort für kulturelle Events mit großer Ausstrahlungskraft sowie für Großveranstaltungen wie Fremdensitzungen.

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