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„Gegen den Willen der Bürger“: Geplantes Wohngebiet sorgt weiter für Ärger

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Von: Rüdiger Soßdorf

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In Fellingshausen im Kreis Gießen soll neues Bauland entstehen. Gegen das geplante Neubaugebiet »Dreispitz III« regt sich jedoch Protest.

Biebertal – Der Protest gegen das kommende Wohngebiet im Westen von Fellingshausen (Kreis Gießen) reißt nicht ab. Nachdem jetzt die Planungen zur Einsichtnahme offengelegt wurden, meldet sich die »Interessengemeinschaft Zukunft Fellingshausen« mit einer neun Seiten langen Stellungnahme zu Wort. Unterzeichnet ist diese von Wilfrid Venerius und Eugen Domann, die beide in direkter Nachbarschaft zum geplanten Gebiet »Dreispitz III« wohnen. Sie appellieren namens der Bürgerinitiative an die Gemeinde, den Planentwurf vollständig zurückzuziehen.

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Rechts das Neubaugebiet »Dreispitz II« in Fellingshausen, auf dem Wiesenstück westlich davon oberhalb und auch ein Stück unterhalb der Landstraße soll neues Bauland (»Dreispitz III«) entstehen. Dagegen regt sich Protest. © Manfred Henss

Umfangreicher Forderungskatalog für Neubaugebiet in Fellingshausen (Kreis Gießen)

Zugleich wird eine ganze Reihe von Forderungen formuliert für den Fall, dass die Kommunalpolitik weiterhin mehrheitlich ein Baugebiet an dieser Stelle als notwendig erachtet. So soll nach Dafürhalten der BI eine Beschränkung auf maximal rund 50 Wohneinheiten erfolgen. Die Gebäude sollten nicht höher als zehn Meter sein. Zwischen dem vorhandenen Wohnviertel und dem geplanten neuen Siedlungsgebiet solle ein zwei Meter breiter Wirtschaftsweg angelegt werden. Vor Beschluss über den Bebauungsplan sollte ein Gesamtverkehrskonzept erarbeitet werden. Weitere Punkte betreffen die Prüfung der Kostenentwicklung, die Bewerberliste sowie die Folgekosten für die Infrastruktur von Straßen bis Kindergarten.

Die Bürgerinitiative hatte sich vor rund zwei Jahren formiert und vornehmlich im Ortsteil Fellingshausen fast 500 Unterschriften gegen das Baugebiet gesammelt. Domann und Venerius wiederholen den Vorwurf, es werde »offensichtlich gegen den Willen Biebertaler Bürgerinnen und Bürger gehandelt«. Bürger und Gemeindevertretung seien zudem nicht ausreichend informiert.

Zentrale Positionierung der Bürgerinitiative: Es gebe keinen Bedarf für zusätzliches Bauland in Biebertal. Bei der Argumentation dazu ins Feld geführt wird unter anderem eine Bevölkerungsprognose des Statistischen Landesamtes. Die geht davon aus, dass die Einwohnerzahl bis 2035 um 4,5 Prozent abnimmt. Andere Einrichtungen sähen sogar einen Rückgang von 8 Prozent bis 2040. Ergo bedürfe es nicht neuen Wohnraums, sondern es gebe nur einen »qualitativen Bedarf«. Konkret: Umnutzung vorhandener Wohnungen, indem sie barrierefrei werden.

Auch aus der langen Bewerberliste von Bauwilligen leitet die BI keinen Bedarf an Neubauten ab. Gerade Fellingshausen sei »nicht dafür geeignet, die Wohnungswünsche einer ganzen Region zu erfüllen«, wiederholen Domann und Venerius bereits 2022 vorgetragene Argumente.

Grundsätzliche Bedenken gegen Neubaugebiet in Fellingshausen (Kreis Gießen)

Erneut vorgebracht werden grundsätzliche Bedenken zu »Dreispitz III«. So schreiben die Vertreter der Bürgerinitiative angesichts der Größe des Baugebiets von einem »relativ kurzfristigen Bevölkerungszuwachs von etwa 500 bis 700 Einwohnern«. Das neue Viertel könne aufgrund seiner Randlage und der nach Dafürhalten der BI schlechten Verkehrserschließung keine homogene Bindung zum Dorf entwickeln. Befürchtet werden infolge »soziale Spannungen« und eine Belastung des Dorflebens.

Weiter in der Kritik steht die vorgesehene mehrgeschossige Bebauung im Süden des Areals. Die passe nicht zum Dorfbild und gehe am Bedarf vorbei, so die Kritiker. Vorgeworfen werden der Gemeinde bei ihren Planungen zudem Verstöße gegen Vorgaben des Baugesetzbuches.

Nicht zuletzt wird moniert, dass ein Gesamtverkehrskonzept fehle angesichts der Belastung mit 1100 bis 1200 zusätzlichen Fahrzeugbewegungen pro Tag durch die neuen Bürger. Belastungen befürchtet die BI im Besonderen für die Straßen Hohlgarten, Die Beu- und die Helenenstraße. Es fehle ein Radwegekonzept ebenso wie eine Busanbindung. Dieser Aspekt sei geradezu »sträflich vernachlässigt« worden, beklagen die Sprecher der BI, Domann und Venerius. Letzterer gilt aufgrund seiner beruflichen Erfahrungen aus ÖPNV-Experte.

Als ungeklärt thematisiert werden die Fragen der Kinderbetreuung und der Beschulung von Kindern aus zuziehenden jungen Familien. Der Kindergarten in Fellingshausen ist ausgelastet; Gleiches gilt für die räumliche Situation an der Grundschule, so wie sie gegenwärtig gegeben ist. (so)

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