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Auch die Schalung muss raus und wird durch drei Zentimeter dicke Lerchenbretter ersetzt. Peter Wagner, Vorsitzender des Kirchenvorstandes, war mit dem Gutachter vor Ort.

Das Kirchendach ist undicht

  • VonVolker Mattern
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Biebertal (m). Das Kirchendach der evangelischen Kirche Fellingshausen ist undicht. Wasserschäden lassen sich im Inneren des Gotteshauses beobachten. Und bevor die Bausubstanz noch mehr unter dem eindringenden Wasser leidet, ist eine grundhafte Sanierung des Daches unausweichlich.

Immer mal wieder wurden in der jüngeren Vergangenheit notdürftig Reparaturen durchgeführt. Jetzt geht es nicht mehr ohne einen grundhaften Eingriff. Die Beschlüsse sind gefasst, die Formalitäten in die Wege geleitet, die Kosten kein Pappenstiel. Sie belaufen sich auf rund 523 000 Euro.

Das Finanzierungskonzept sieht einen Zuschuss in Höhe von 60 000 Euro aus dem Programm IKEK (Integriertes kommunales Entwicklungskonzept) des Landes Hessen vor. Die Landeskirche übernimmt mit 368 400 Euro den größten Finanzierungsanteil. Die Kirchengemeinde vor Ort hat dann noch 94 600 Euro zu stemmen. Zur Finanzierung dieser Summe sollen Spenden gesammelt werden, so Pfarrer Daniel Schweizer.

Zuletzt stieg man Anfang der 60er Jahre dem hessischen Kulturdenkmal aufs Dach. Damals wurde alles, außer der Nordseite zum Backhaus hin, erneuert. Die war intakt und ist es immer noch. Die zu sanierende Dachfläche umfasst 470 Quadratmeter. Davon entfallen auf das Hauptdach 310, ohne die Nord-West-Fläche. Der Rest sind die 160 Quadratmeter des Turmdaches.

Im Jahre 1900 wurde die im Stile des Späthistorismus erbaute Saalkirche mit Nebenschiff und Flankenturm eingeweiht. Die Einrüstung des Kirchturms - er misst bis zum Wetterhahn 32 Meter an Höhe - wird die erste große Herausforderung für die unterschiedlichen Gewerke sein, die folgen. Siegmund Becker aus Launsbach hat als Sachverständiger für das Dachdeckerhandwerk nach einem Besichtigungstermin mit Pfarrer Schweizer, dem Vorsitzenden des Kirchenvorstandes Peter Wagner sowie Ulrich Gareiß, der die Hubbühne stellte, ein Gutachten erstellt und auf 21 Seiten das Schadensbild des Daches und der Dachkonstruktion dokumentiert.

Die Schiefereindeckung zeigt auch am Glockenturm, auf der Fläche verteilt, defekte Schiefer. An diesen Stellen dringt Wasser auf die Dachschalung. Von innen wird dies bereits an der Wand auf der Empore im Kirchenschiff links (die sogenannte Männerempore) sichtbar.

An der Dach-Tragschalung haben die Wassereintritte vereinzelt bereits zu irreversibler Schädigung an einzelnen Brettern geführt. Die Tragschalung mit einer Stärke von zwei Zentimetern ist bei dem vorhandenen Sparrenabstand nicht als Deckunterlage für eine Schiefereindeckung geeignet.

Sie muss ausgetauscht werden. Die Eindeckung erfüllt ihre Schutzfunktion nur noch eingeschränkt. An den Stellen, wo Schiefer herausgefallen ist, dringt Wasser unter die Eindeckung und durchnässt die Schalung. Nicht aufgenommenes Regenwasser tropft in den Speicherboden und durchnässt die Decke des Kirchenschiffes.

Vom Dachboden aus ist zu sehen, dass die Wärmedämmung im Tonnengewölbe teilweise auch durchnässt wurde. Sie wird komplett herausgenommen und nicht wieder ersetzt. Dies würde nach Aussagen der Experten aus bauphysikalischen Gründen nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen. Die alte Schalung soll durch drei Zentimeter dicke Lerchenbretter ersetzt werden. Ein nicht unwesentlicher Aufwand der Dacharbeiten - auch was die Kosten betrifft - wird die Erneuerung der Schallluken an den Wandflächen des Glockenturms sein.

Wenn der Gerüstbauer seine Arbeit beendet hat, kommen Dachdecker und die Zimmerleute. Bei dieser Gelegenheit, so Wagner, ist vorgesehen, auch den Wetterhahn zu demontieren und »sein Gefieder« wieder auf Hochglanz zu polieren. Ebenso soll das Zifferblatt der Uhr aufgehübscht werden.

Die Maler werden im Inneren die Putzschäden beheben. Die Eindeckung erfolgt wieder mit Naturschiefer in altdeutscher Deckung.

Richtig los geht es voraussichtlich im August. Vor Frühjahr nächsten Jahres ist nicht mit der Fertigstellung aller Arbeiten zu rechnen. Die Gottesdienste, sofern wieder in Präsenzform möglich, finden in der Kirche statt. Stefanie Muskau vom Architekturbüro Seidel & Muskau aus Wißmar wird die Arbeiten begleiten, die abgestimmt sind mit dem Sachgebietsleiter des Baureferats Oberhessen der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau, Thomas Lang.

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